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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





Willkommen bei unserer Berichterstattung am 39. Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology, Chicago, 2003, realisiert mit freundlicher Unterstützung von Aventis Pharma Schweiz

 

 

 

4. Juni 2003

Neue Behandlungsstudie bei operablem Bronchuskarzinom

Mit adjuvanter Chemotherapie länger leben

CHICAGO – Mit erfreulichen Nachrichten vom IALT (= International Adjuvant Lung Cancer Trial), einer grossen internationalen Studie, an der sich in 33 Ländern 1 867 Patienten mit Bronchuskarzinom beteiligten, wartete der Studienleiter Dr. Thierry Le Chevalier, Institut Gustave Roussy, Villejuif, Frankreich, am 39. Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology auf.

Dies ist die erste umfangreiche Studie, welche bei operablen Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchuskarzinom den Nutzen von adjuvanter Chemotherapie nach der Operation evaluiert hat. In den insgesamt 148 beteiligten Zentren wurden 935 Patienten nach der Operation mit drei bis vier Chemotherapie-Zyklen behandelt. Die Chemotherapie bestand aus Cisplatin sowie entweder Etoposid (in 56 %) oder einem Vincaalkaloid (Vinorelbin in 27 %, Vinblastin in 11 %, Vindesin in 6 %). Der Kontrollarm der Studie umfasste 932 Patienten ohne postoperative Chemotherapie. Bei den Operationen handelte es sich in 64 % um Lobektomien, in 35 % um Pneumonektomien und in 1 % um Segmentektomien.   Dr. Le Chevalier
Dr. Thierry Le Chevalier

Die Behandlungsergebnisse nach fünf Jahren: Das 5-Jahres-Überleben lag mit adjuvanter Chemotherapie 5 % höher (45 % gegenüber 40 % nur mit Operation, Unterschied statistisch signifikant). Zwei Jahre überlebten 70 % der mit Chirurgie und Chemotherapie behandelten Patienten, statistisch signifikant mehr als in der Kontrollgruppe (67 % der Patienten). Das tumorfreie Überleben betrug nach zwei Jahren 61 % (Kontrollarm 55 %) und nach fünf Jahren 39 % (Kontrollarm 34 %).

Die 5 %-ige Verbesserung des 5-Jahres-Überlebens rechtfertigt die neue Empfehlung, nach der Operation eine adjuvante Chemotherapie anzuschliessen. Cisplatin löste bei 23 % schwere toxische Nebenwirkungen aus, hauptsächlich Neutropenien mit teilweise tödlichem Ausgang. Von derzeit laufenden klinischen Studien, die neuere Zytostatika (z.B. Gemcitabin, Docetaxel, Paclitaxel) als adjuvante Chemotherapie nach der Operation testen, versprechen sich die Onkologen besser verträgliche und möglicherweise auch stärker wirksame Behandlungsalternativen.

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Phase-III-Studie zur Angiogenesehemmung

Antikörper hungert Tumorzellen aus

CHICAGO – Einer der neuen Therapieansätze in der Onkologie besteht darin, die Gefässneubildung des Tumors zu unterbinden und auf diese Weise das Tumorwachstum zu behindern. Nur wenige Wochen vor dem Beginn des 39. Jahreskongresses der American Society of Clinical Oncology wurden die Ergebnisse einer grossen Phase-III-Studie mit einem solchen Angiogenesehemmer fertiggestellt und sozusagen in letzter Minute ins Kongressprogramm aufgenommen.

In der randomisierten Multizenterstudie erhielten über 800 Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom entweder die Standard-Chemotherapie aus Irinotecan, 5-Fluorouracil und Leucovorin (IFL) oder zusätzlich zu dieser Kombination noch den monoklonalen Antikörper Bevacizumab. Dieser Wirkstoff richtet sich gegen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF), der bei der Tumorangiogenese eine entscheidende Rolle spielt.

Bezogen auf den primären Endpunkt der Studie zeigte sich ein hoch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Studienarmen, erläuterte Dr. Herbert Hurwitz, Duke University Medical Center, Durham, USA, an einer Pressekonferenz. In der Patientengruppe unter IFL plus Bevacizumab lag das mediane Überleben bei 20,3 Monaten, im Kontrollarm dagegen bei 15,6 Monaten (p = 0,00003). Auch hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens und der Tumor-Ansprechrate ergaben sich signifikante Unterschiede zu Gunsten der Kombinationstherapie mit Bevacizumab, so Dr. Hurwitz weiter. Auf Grund dieser Resultate geht der Experte davon aus, dass Patienten mit fortgeschrittenem Kolorektalkarzinom von der Integration der Angiogenesehemmung in die antineoplastische Therapie profitieren.

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Mangelhaftes Bewusstsein in der Bevölkerung

Brustkrebs bei Männern oft spät diagnostiziert

CHICAGO – Da das Mammakarzinom nur in ungefähr einem Prozent aller Fälle Männer betrifft, gibt es dazu bisher sehr wenige Studien. Welche Unterschiede bestehen zwischen dem Mammakarzinom beim Mann und demjenigen der Frau? Dieser Frage sind amerikanische Wissenschaftler jetzt erstmals in einer umfangreichen Datenauswertung nachgegangen.

  Chicago
Kunst in Chicago

Die Studienautoren analysierten die Daten von 2524 Männern und 380 856 Frauen, die zwischen 1973 und 1998 in den USA an Brustkrebs erkrankt waren.

Wie Dr. Sharon Giordano vom M. D. Anderson Cancer Center, Houston, am 39. Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology berichtete,

  • waren Männer zum Zeitpunkt der Brustkrebsdiagnose im Durchschnitt signifikant älter als Frauen und
  • befanden sie sich mit einer grösseren Wahrscheinlichkeit bereits in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium.

Auch hinsichtlich der Tumorbiologie ergaben sich Unterschiede: Bei Männern handelte es sich häufiger um duktale Karzinome, und die Tumoren waren zu einem grösseren Prozentsatz östrogenrezeptorpositiv als bei Frauen.

Die Überlebensraten nach fünf und zehn Jahren sowie das mediane Überleben unterschieden sich zwischen den beiden Geschlechtern aber nicht signifikant.

Ein Grund für die späte Diagnose des Mammakarzinoms bei Männern könnte das sehr rudimentäre Wissen um diese Erkrankung in der Bevölkerung sein, so die Experten in ihrer Pressemitteilung. Viele Männer seien sich der Tatsache überhaupt nicht bewusst, dass sie an Brustkrebs erkranken könnten.

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Geriatrische Onkologie

Ärzte brauchen neue Einstellung zur Krebsbehandlung im Alter

CHICAGO – Zum Abschluss des 39. Jahreskongresses der American Society of Clinical Oncology organisierte die Firma Aventis ein Satellitensymposium zum Thema Geriatrische Onkologie. Geleitet wurde das Symposium von Dr. Matti Aapro, Clinique de Genolier, Institut Multidisciplinaire d’Oncologie, Genolier, Schweiz.

  Einladungsposter

Wer gehört überhaupt zu den "alten Patienten"? Für medizinische Zwecke ist das chronologische Alter ("Passalter") nicht gut brauchbar. Viel besser eignet sich eine physiologische Altersdefinition, betonte Dr. Aapro. Eine umfassende geriatrische Beurteilung verschiedenster gesundheitlicher Aspekte des Patienten unter zusätzlicher Berücksichtigung der sozialen Umgebung (comprehensive geriatric assessment) bildet die Voraussetzung, um den Therapieprozess zu verbessern. Komorbidität, funktioneller Status, Depression, kognitive Beeinträchtigung, Ernährungsstatus, ungenügende soziale Unterstützung – das sind alles Faktoren, die das Überleben geriatrischer Krebspatienten stark beeinflussen.

Bislang überwiegt gegenüber geriatrischen Krebspatienten noch mancherorts die Einstellung des "Da-lässt-sich-nichts-mehr-machen". Und zwischen den Geriatern, die sich auf die Lebensqualität konzentrieren, und den Onkologen, die sich hauptsächlich um die Lebensquantität kümmern, gibt es immer wieder Reibungsflächen. Wichtig ist aber beides, Qualität und Quantität, unterstrich Dr. Aapro, der auf die integrierenden Bemühungen der International Society for Geriatric Oncology (www.siog.org) hinwies.

"Fite" geriatrische Lungenkrebspatienten vertragen aggressive Chemotherapien gut

Lungenkrebs ist vorwiegend eine Erkrankung alter Leute, rief Dr. Corey Langer, Fox Chase Cancer Center, Philadelphia, Pennsylvania, USA, in Erinnerung. Fast 40% der neu diagnostizierten Fälle von nicht-kleinzelligem Bronchuskarzinom betreffen über 70-Jährige. 60% der Lungenkrebspatienten sind älter als 60 Jahre. Aber in klinischen Studien sind die höheren Altersgruppen stark unterrepräsentiert. Über 70-Jährige sind lediglich in 15% bis 20% (ältere Behandlungsstudien) bzw. 27% bis 29% (neuere Studien) vertreten. Viele alte Patienten werden z. B. wegen Begleitkrankheiten von Studien ausgeschlossen.

Weil viele Ärzte annehmen, dass geriatrische Lungenkrebspatienten aggressive Chemotherapien nicht vertragen, wird die Therapie häufig nur mit einem einzigen Chemotherapeutikum durchgeführt oder die Behandlung beschränkt sich sogar nur auf supportive Betreuung. Dass dies bei "fiten" Alten nicht gerechtfertigt ist, wies Dr. Langer in einer retrospektiven Analyse nach. Er analysierte die Resultate einer grossen klinischen Studie (ECOG 1594 = Eastern Cooperative Oncology Group clinical trial 1594) hinsichtlich des Alters der Patienten. Dabei stellte er fest, dass die vier kombinierten Chemotherapien, die in der Studie verglichen wurden (Cisplatin + Paclitaxel, Cisplatin + Gemcitabin, Cisplatin + Docetaxel, Carboplatin + Paclitaxel), von den 227 70- bis 80-jährigen Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Bronchuskarzinom ebenso gut vertragen wurden wie von den 912 unter 70-Jährigen. Bezüglich Ansprech- und Überlebensraten unterschieden sich die beiden Altersgruppen nicht wesentlich (Poster Nr. 2571, ASCO-Jahreskongress 2003).

Auch eine retrospektive Analyse der Ergebnisse einer andern grossen klinischen Behandlungsstudie (TAX 326) ergab, dass Ansprech- und Überlebensraten von über 65-jährigen Patienten mit fortgeschrittenem und metastasiertem nicht-kleinzelligem Bronchuskarzinom keineswegs schlechter ausfielen als bei unter 65-Jährigen (Poster Nr. 2528, ASCO-Jahreskongress 2003). In der Studie TAX 326 wurden die zwei Kombinationschemotherapien Docetaxel + Cisplatin und Docetaxel + Carboplatin mit der Referenzkombination Vinorelbin + Cisplatin als First-Line-Behandlung verglichen. Die altersbezogene Analyse ergab zum Beispiel im Docetaxel-Carboplatin-Arm folgende, in beiden Altersgruppen fast identischen Resultate:

 

Unter 65-Jährige

Über 65-Jährige

Anzahl Patienten

288

118

Medianes Überleben

9,7 Monate

9,0 Monate

1-Jahres-Überleben

37%

38%

2-Jahres-Überleben

17%

19%

(nach F. Fossella et al., Meeting Proceedings American Society of Clinical Oncology 2003; 22: 629. Abstract 2528.)

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alle ASCO-2003-Themen in der Übersicht

 





 
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