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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





 

 


Orlando

Donnerstag, 23. Mai 2002, Berichte aus Orlando vom ASCO 2002

 

Hightech-Diagnostik bei Weichteilsarkomen

Genanalyse identifiziert Subtypen

ORLANDO – Der „genetische Fingerabdruck“ der Tumorzellen ermöglicht die Differenzierung verschiedener Weichteilsarkom-Subtypen, die unter dem Mikroskop kaum zu unterscheiden sind. Abgesehen von der Verbesserung für die Diagnostik könnte diese Methode auch zur Entwicklung neuer, gezielt angreifender Medikamente führen, erläuterte Dr. Robert G. Maki, Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, New York, am 38. Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology.

Bei den über 50 verschiedenen Subtypen des Weichteilsarkoms kann die pathologische Unterscheidung zwischen den einzelnen Formen sehr schwierig sein. Dr. Maki und seine Kollegen benutzten einen Oligonukleotid-Array, um das Aktivitätsmuster von fast 12 500 Genen bei verschiedenen Weichteilsarkom-Subtypen zu analysieren. Auf diese Weise erhielten sie für jeden Sarkomsubtyp einen charakteristischen genetischen Fingerabdruck.

Wie sich herausstellte, differenzierte die gentechnische Analyse nicht nur zwischen Sarkomen mit spezifischen genetischen Aberationen, beispielsweise Rundzell-Liposarkomen und Synovialsarkomen, sondern auch zwischen verschiedenen Subtypen innerhalb der malignen fibrösen Histiozytome.

In Zukunft erhoffen sich die Forscher von dieser Technik auch Aufschluss darüber, wie sich die Genexpression der Krebszellen im Verlauf einer Therapie verändert. Dadurch liesse sich die Wahrscheinlichkeit einschätzen, mit der ein bestimmter Sarkomsubtyp therapieresistent wird.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, KH)


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Fortgeschrittenes Lungenkarzinom

Tumorreduktion durch Enzymblockade

ORLANDO – Bei Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkarzinom kann die Gabe von Gefitinib (Iressa®) zu einer Abnahme der Tumorgrösse und zur Symptomlinderung führen, wie Dr. Mark Kris vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, New York, am 38. Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology berichtete. Die Wirkung des Medikaments beruht auf der Blockierung der Tyrosinkinase. Dieses Enzym aktiviert den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor und hat damit eine Schlüsselfunktion beim Wachstum der Tumorzellen.

In der IDEAL-2-Studie erhielten 216 Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastatsiertem, nichtkleinzelligem Lungenkarzinom nach der Randomisierung entweder 250 oder 500 mg Gefitinib pro Tag. Alle Patienten hatten zuvor schon mindestens zwei verschiedene Chemotherapie-Regimes erhalten; es war aber entweder zu einer eine Tumorprogression gekommen oder die Chemotherapie musste wegen zu starker Nebenwirkungen abgebrochen werden.

Die beiden primären Endpunkte der Studie waren das Ansprechen des Tumors auf die Therapie und die Abnahme der Symptome, die beim fortgeschrittenen Lungenkarzinom auftreten können. Dazu gehören Kurzatmigkeit, Gewichtsverlust, Husten und Appetitlosigkeit.

Wie Dr. Kris berichtete, nahm unter der Einnahme von 250 mg Gefitinib bei 12 % der Patienten die Tumorgrösse um mindestens 50 % ab. Zu einer Verminderung der Symptome kam es bei 43 % der Patienten. Die Dauer der Therapieantwort lag zwischen drei und sieben Monaten, und bei den meisten Patienten besserten sich die Symptome schon innerhalb der ersten beiden Behandlungswochen. In der Studiengruppe, die 500 mg Gefitinib pro Tag erhielt, lag die Tumor-Responsrate bei 9 %, eine Symptomlinderung war bei 35 % der Patienten zu verzeichnen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Hautveränderungen (Ausschlag, Akne, Pruritus oder trockene Haut), Diarrhoe und Nausea. Insbesondere die Durchfälle traten bei den Patienten mit der höheren Dosierung häufiger auf (75 vs. 57 %).

„Die Hauptfolgerung aus dieser Studie ist, dass die Blockierung dieses Zellwachstums-Enzyms zu einer Verkleinerung der Lungenkarzinome führen und die Symptome der Patienten reduzieren kann”, resümierte Dr. Kris. Da der Therapieffekt in beiden Studienarmen vergleichbar war, unter der höheren Dosierung aber mehr Nebenwirkungen auftraten, empfahl der Experte die 250 mg-Dosierung für den weiteren Gebrauch.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, KH)


PSA jährlich kontrollieren?

Oft genügt ein Prostata-Screening alle fünf Jahre

ORLANDO – Manche Experten empfehlen allen Männern über 50 Jahren, jedes Jahr das Prostata-Spezifische Antigen (PSA) testen zu lassen. Eine neue Untersuchung, die auf dem 38. Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology vorgestellt wurde, kommt jetzt aber zum Schluss, dass gefahrlos mehr als die Hälfte aller PSA-Tests in den USA eingespart werden können. Aufgrund der Studienresultate schlug Dr. David Crawford, University of Colorado Health Sciences Center, Denver, eine differenziertere PSA-Screening-Strategie vor.

An der landesweiten amerikanischen PLCO-Studie des National Cancer Institute (Prostate, Lung, Colorectal, Ovarian Cancer Screening Trial) beteiligen sich 154'000 Männer und Frauen im Alter von 55 bis 74 Jahren. In randomisierter Weise werden ihnen entweder regelmässige Screening-Untersuchungen oder bloss die übliche Betreuung (Gruppe mit usual care) angeboten. Zum Screening bei Männern gehören jährliche PSA-Bluttests während 6 Jahren sowie digitale Rektaluntersuchungen anlässlich der ersten vier jährlichen Screening-Termine.

Im Screening-Arm der Studie wurden bei 27'863 Männern mit initial normalem PSA-Wert (unter 4 ng/ml) die Veränderungen des totalen PSA während 5 Jahren beobachtet. Wenn der PSA-Wert initial weniger als 1 ng/ml betrug, kamen bei der Kontrolle nach 4 Jahren lediglich bei 1,4% pathologische Werten von über 4 ng/ml zum Vorschein. Bei 98,6% der Probanden blieb der PSA-Wert dagegen normal. PSA-Kontrollen lediglich alle 5 Jahre sind also bei Männern mit initial sehr niedrigem PSA-Wert (weniger als 1 ng/ml) gerechtfertigt.

Männer mit initialen PSA-Werten zwischen 1 und 1,9 ng/ml können gefahrlos nur alle 2 Jahre getestet werden, weil nach 1 Jahr lediglich 1,2% pathologische Werte aufweisen und 97,5% während 2 Jahren im Normalbereich bleiben. Die von den Autoren empfohlene Lockerung der Kontrollabstände ermöglicht in den USA jedes Jahr Einsparungen von ½ bis 1 Milliarde Dollar. 55% der jährlichen Tests erübrigen sich und lediglich bei 2,6% der Männer wird eine verspätete Erfassung pathologischer PSA-Werte in Kauf genommen.

Anders sieht es bei Männern mit initialem PSA-Wert zwischen 2 und 2,9 ng/ml aus. Nach 1 Jahr beträgt hier die PSA-Konversionsrate 6,3%, nach 5 Jahren 34,6%. Männer mit initialem PSA-Wert im oberen Normbereich (3 bis 4 ng/ml) müssen nach einem Jahr mit einer Konversionsrate von 24% und nach 5 Jahren sogar mit einer Rate von 83% rechnen.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, AL)


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Risikofrauen mit BRCA-Mutationen

Prophylaktische Ovarektomie senkt das Krebsrisiko stark

ORLANDO – Trägerinnen von Mutationen der BRCA-Gene können ihr stark erhöhtes Krebsrisiko erheblich reduzieren, wenn sie ihre Eierstöcke und Eileiter chirurgisch entfernen lassen. Dies ergab eine aktuelle, prospektive Studie, an der sich 173 Frauen beteiligten. Über die Resultate berichtete Dr. Kenneth Offit, Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, New York, auf dem 38. Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology.

101 Frauen mit Mutationen der Gene BRCA1 oder BRCA2 entschieden sich für die bilaterale Salpingo-Oophorektomie, während die restlichen 72 Frauen ein intensives Eierstock-Screening wählten (transvaginaler Ultraschall und CA-125 Bluttest zweimal jährlich). Bereits während der prophylaktischen Operation wurden 3 Ovarialtumoren in einem frühen Stadium entdeckt, was unterstreicht, wie begrenzt die Möglichkeiten des Ovarialkarzinom-Screenings derzeit noch sind.

Bei den restlichen 98 prophylaktisch operierten Frauen wurden im Verlauf von 2 Jahren 3 Mammakarzinome und 1 peritonealer Krebs (Müller-Krebs) entdeckt. Bei den 72 Frauen, die am intensiven Screeningprogramm teilnahmen, wurden dagegen 8 Mammkarzinome, 4 Ovarialkarzinome und 1 peritonealer Krebs diagnostiziert. Die Operation, die laparoskopisch durchführbar ist, senkte also das Risiko von Brust- und Eierstockkrebs um 75%. Die Operation wird nach Abschluss der Familienplanung, durchschnittlich im Alter von 45 Jahren empfohlen. Weniger als 20% der Hochrisikofrauen entscheiden sich zusätzlich auch zur prophylaktischen Mastektomie. In der Gesamtbevölkerung der USA kommen BRCA-Mutationen bei 1 auf 345 bis 1 auf 800 Personen vor.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, AL)



Lungenkrebs

Kombinations-Chemotherapie verlängert Überlebenszeit

ORLANDO – Bei fortgeschrittenem Lungenkrebs bewirkt eine aggressivere Kombinations-Chemotherapie gegenüber der Monotherapie einen gewissen Überlebensvorteil. Dies ergab eine aktuelle, randomisierte Studie, an der 584 Patienten mit Lungenkrebs in den Stadien IIIB und IV teilnahmen. Die Studienresultate wurden auf dem 38. Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology von Dr. Rogerio Lilenbaum, Mount Sinai Comprehensive Cancer Center, Miami Beach, präsentiert.

Jedes Jahr wird in den USA bei 170’000 Personen ein Nicht-Kleinzell-Lungenkarzinom diagnostiziert. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ist die Krebserkrankung meistens bereits fortgeschritten. Lediglich 15% der Patienten überleben 5-Jahre. Lungenkrebs ist für den grössten Anteil an Krebstodesfällen verantwortlich. Diese Krebsform fordert mehr Todesopfer als Mamma-, Prostata- und Kolonkarzinom zusammen!

An der CALGB 9730-Studie der Cancer and Leukemia Group B beteiligten sich 584 Lungenkrebspatienten in den Stadien IIIB und IV. Randomisiert erhielten sie entweder eine Paclitaxel-Monotherapie oder eine Carboplatin-Paclitaxel-Kombinationstherapie. Mit der Kombination behandelte Patienten überlebten median 8,5 Monate, mit Monotherapie Behandelte lediglich 6,5 Monate. Der Unterschied der 1-Jahres-Überlebensraten (36% versus 31%) war aber nicht statistisch signifikant. Die Ansprechrate war mit der Kombinationstherapie grösser (30% versus 16%). Auch ältere Patienten über 70 Jahren profitierten von der Kombinationsbehandlung. Das Risiko schwerer Nebenwirkungen (z. B. Anämie, Leukopenie, Thrombopenie) wurde durch die Kombinationstherapie erhöht, doch die Lebensqualität wurde nicht stärker beeinträchtigt als mit der Monotherapie.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, AL)


 

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