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Donnerstag,
23. Mai 2002,
Berichte aus Orlando vom ASCO 2002
Hightech-Diagnostik
bei Weichteilsarkomen
Genanalyse
identifiziert Subtypen
ORLANDO
– Der „genetische Fingerabdruck“ der Tumorzellen ermöglicht die Differenzierung
verschiedener Weichteilsarkom-Subtypen, die unter dem Mikroskop kaum zu
unterscheiden sind. Abgesehen von der Verbesserung für die Diagnostik
könnte diese Methode auch zur Entwicklung neuer, gezielt angreifender
Medikamente führen, erläuterte Dr. Robert G. Maki, Memorial
Sloan-Kettering Cancer Center, New York, am 38. Jahreskongress
der American Society of Clinical Oncology.
Bei
den über 50 verschiedenen Subtypen des Weichteilsarkoms kann die pathologische
Unterscheidung zwischen den einzelnen Formen sehr schwierig sein. Dr. Maki
und seine Kollegen benutzten einen Oligonukleotid-Array, um das Aktivitätsmuster
von fast 12 500 Genen bei verschiedenen Weichteilsarkom-Subtypen
zu analysieren. Auf diese Weise erhielten sie für jeden Sarkomsubtyp einen
charakteristischen genetischen Fingerabdruck.
Wie
sich herausstellte, differenzierte die gentechnische Analyse nicht nur
zwischen Sarkomen mit spezifischen genetischen Aberationen, beispielsweise
Rundzell-Liposarkomen und Synovialsarkomen, sondern auch zwischen verschiedenen
Subtypen innerhalb der malignen fibrösen Histiozytome.
In
Zukunft erhoffen sich die Forscher von dieser Technik auch Aufschluss
darüber, wie sich die Genexpression der Krebszellen im Verlauf einer Therapie
verändert. Dadurch liesse sich die Wahrscheinlichkeit einschätzen, mit
der ein bestimmter Sarkomsubtyp therapieresistent wird.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, KH)
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Ein
ganzes Haus steht Kopf |
Fortgeschrittenes
Lungenkarzinom
Tumorreduktion
durch Enzymblockade
ORLANDO
– Bei Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkarzinom kann die Gabe von
Gefitinib (Iressa®) zu einer Abnahme der Tumorgrösse und zur
Symptomlinderung führen, wie Dr. Mark Kris vom Memorial Sloan-Kettering
Cancer Center, New York, am 38. Jahreskongress
der American Society of Clinical Oncology
berichtete. Die Wirkung des Medikaments beruht auf der Blockierung
der Tyrosinkinase. Dieses Enzym aktiviert den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor
und hat damit eine Schlüsselfunktion beim Wachstum der Tumorzellen.
In der IDEAL-2-Studie
erhielten 216 Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastatsiertem,
nichtkleinzelligem Lungenkarzinom nach der Randomisierung entweder 250
oder 500 mg Gefitinib pro Tag. Alle Patienten hatten zuvor schon
mindestens zwei verschiedene Chemotherapie-Regimes erhalten; es war aber
entweder zu einer eine Tumorprogression gekommen oder die Chemotherapie
musste wegen zu starker Nebenwirkungen abgebrochen werden.
Die beiden
primären Endpunkte der Studie waren das Ansprechen des Tumors auf die
Therapie und die Abnahme der Symptome, die beim fortgeschrittenen Lungenkarzinom
auftreten können. Dazu gehören Kurzatmigkeit, Gewichtsverlust, Husten
und Appetitlosigkeit.
Wie Dr. Kris
berichtete, nahm unter der Einnahme von 250 mg Gefitinib bei 12 %
der Patienten die Tumorgrösse um mindestens 50 % ab. Zu einer Verminderung
der Symptome kam es bei 43 % der Patienten. Die Dauer der Therapieantwort
lag zwischen drei und sieben Monaten, und bei den meisten Patienten besserten
sich die Symptome schon innerhalb der ersten beiden Behandlungswochen.
In der Studiengruppe, die 500 mg Gefitinib pro Tag erhielt, lag die
Tumor-Responsrate bei 9 %, eine Symptomlinderung war bei 35 %
der Patienten zu verzeichnen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Hautveränderungen
(Ausschlag, Akne, Pruritus oder trockene Haut), Diarrhoe und Nausea. Insbesondere
die Durchfälle traten bei den Patienten mit der höheren Dosierung häufiger
auf (75 vs. 57 %).
„Die Hauptfolgerung
aus dieser Studie ist, dass die Blockierung dieses Zellwachstums-Enzyms
zu einer Verkleinerung der Lungenkarzinome führen und die Symptome der
Patienten reduzieren kann”, resümierte Dr. Kris. Da der Therapieffekt
in beiden Studienarmen vergleichbar war, unter der höheren Dosierung aber
mehr Nebenwirkungen auftraten, empfahl der Experte die 250 mg-Dosierung
für den weiteren Gebrauch.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, KH)
PSA
jährlich kontrollieren?
Oft
genügt ein Prostata-Screening alle fünf Jahre
ORLANDO
– Manche Experten empfehlen allen Männern über 50 Jahren, jedes Jahr das
Prostata-Spezifische Antigen (PSA) testen zu lassen. Eine neue Untersuchung,
die auf dem 38. Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology
vorgestellt wurde, kommt jetzt aber zum Schluss, dass gefahrlos mehr als
die Hälfte aller PSA-Tests in den USA eingespart werden können. Aufgrund
der Studienresultate schlug Dr. David Crawford, University of Colorado
Health Sciences Center, Denver, eine differenziertere PSA-Screening-Strategie
vor.
An der landesweiten
amerikanischen PLCO-Studie des National Cancer Institute (Prostate, Lung,
Colorectal, Ovarian Cancer Screening Trial) beteiligen sich 154'000 Männer
und Frauen im Alter von 55 bis 74 Jahren. In randomisierter Weise werden
ihnen entweder regelmässige Screening-Untersuchungen oder bloss die übliche
Betreuung (Gruppe mit usual care) angeboten. Zum Screening bei Männern
gehören jährliche PSA-Bluttests während 6 Jahren sowie digitale Rektaluntersuchungen
anlässlich der ersten vier jährlichen Screening-Termine.
Im Screening-Arm
der Studie wurden bei 27'863 Männern mit initial normalem PSA-Wert (unter
4 ng/ml) die Veränderungen des totalen PSA während 5 Jahren beobachtet.
Wenn der PSA-Wert initial weniger als 1 ng/ml betrug, kamen bei der Kontrolle
nach 4 Jahren lediglich bei 1,4% pathologische Werten von über 4 ng/ml
zum Vorschein. Bei 98,6% der Probanden blieb der PSA-Wert dagegen normal.
PSA-Kontrollen lediglich alle 5 Jahre sind also bei Männern mit initial
sehr niedrigem PSA-Wert (weniger als 1 ng/ml) gerechtfertigt.
Männer mit
initialen PSA-Werten zwischen 1 und 1,9 ng/ml können gefahrlos nur alle
2 Jahre getestet werden, weil nach 1 Jahr lediglich 1,2% pathologische
Werte aufweisen und 97,5% während 2 Jahren im Normalbereich bleiben. Die
von den Autoren empfohlene Lockerung der Kontrollabstände ermöglicht in
den USA jedes Jahr Einsparungen von ½ bis 1 Milliarde Dollar. 55% der
jährlichen Tests erübrigen sich und lediglich bei 2,6% der Männer wird
eine verspätete Erfassung pathologischer PSA-Werte in Kauf genommen.
Anders sieht
es bei Männern mit initialem PSA-Wert zwischen 2 und 2,9 ng/ml aus. Nach
1 Jahr beträgt hier die PSA-Konversionsrate 6,3%, nach 5 Jahren 34,6%.
Männer mit initialem PSA-Wert im oberen Normbereich (3 bis 4 ng/ml) müssen
nach einem Jahr mit einer Konversionsrate von 24% und nach 5 Jahren sogar
mit einer Rate von 83% rechnen.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, AL)
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Auch
hier wird Golf gespielt |
Risikofrauen
mit BRCA-Mutationen
Prophylaktische
Ovarektomie senkt das Krebsrisiko stark
ORLANDO
– Trägerinnen von Mutationen der BRCA-Gene können ihr stark erhöhtes Krebsrisiko
erheblich reduzieren, wenn sie ihre Eierstöcke und Eileiter chirurgisch
entfernen lassen. Dies ergab eine aktuelle, prospektive Studie, an der
sich 173 Frauen beteiligten. Über die Resultate berichtete Dr. Kenneth
Offit, Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, New York, auf dem 38. Jahreskongress
der American Society of Clinical Oncology.
101 Frauen
mit Mutationen der Gene BRCA1 oder BRCA2 entschieden sich für die bilaterale
Salpingo-Oophorektomie, während die restlichen 72 Frauen ein intensives
Eierstock-Screening wählten (transvaginaler Ultraschall und CA-125 Bluttest
zweimal jährlich). Bereits während der prophylaktischen Operation wurden
3 Ovarialtumoren in einem frühen Stadium entdeckt, was unterstreicht,
wie begrenzt die Möglichkeiten des Ovarialkarzinom-Screenings derzeit
noch sind.
Bei den restlichen
98 prophylaktisch operierten Frauen wurden im Verlauf von 2 Jahren 3 Mammakarzinome
und 1 peritonealer Krebs (Müller-Krebs) entdeckt. Bei den 72 Frauen, die
am intensiven Screeningprogramm teilnahmen, wurden dagegen 8 Mammkarzinome,
4 Ovarialkarzinome und 1 peritonealer Krebs diagnostiziert. Die Operation,
die laparoskopisch durchführbar ist, senkte also das Risiko von Brust-
und Eierstockkrebs um 75%. Die Operation wird nach Abschluss der Familienplanung,
durchschnittlich im Alter von 45 Jahren empfohlen. Weniger als 20% der
Hochrisikofrauen entscheiden sich zusätzlich auch zur prophylaktischen
Mastektomie. In der Gesamtbevölkerung der USA kommen BRCA-Mutationen bei
1 auf 345 bis 1 auf 800 Personen vor.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, AL)
Lungenkrebs
Kombinations-Chemotherapie
verlängert Überlebenszeit
ORLANDO
– Bei fortgeschrittenem Lungenkrebs bewirkt eine aggressivere Kombinations-Chemotherapie
gegenüber der Monotherapie einen gewissen Überlebensvorteil. Dies ergab
eine aktuelle, randomisierte Studie, an der 584 Patienten mit Lungenkrebs
in den Stadien IIIB und IV teilnahmen. Die Studienresultate wurden auf
dem 38. Jahreskongress der American Society of Clinical
Oncology von Dr. Rogerio Lilenbaum, Mount Sinai Comprehensive Cancer Center,
Miami Beach, präsentiert.
Jedes Jahr
wird in den USA bei 170’000 Personen ein Nicht-Kleinzell-Lungenkarzinom
diagnostiziert. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ist die Krebserkrankung
meistens bereits fortgeschritten. Lediglich 15% der Patienten überleben
5-Jahre. Lungenkrebs ist für den grössten Anteil an Krebstodesfällen verantwortlich.
Diese Krebsform fordert mehr Todesopfer als Mamma-, Prostata- und Kolonkarzinom
zusammen!
An der CALGB
9730-Studie der Cancer and Leukemia Group B beteiligten sich 584 Lungenkrebspatienten
in den Stadien IIIB und IV. Randomisiert erhielten sie entweder eine Paclitaxel-Monotherapie
oder eine Carboplatin-Paclitaxel-Kombinationstherapie. Mit der Kombination
behandelte Patienten überlebten median 8,5 Monate, mit Monotherapie Behandelte
lediglich 6,5 Monate. Der Unterschied der 1-Jahres-Überlebensraten (36%
versus 31%) war aber nicht statistisch signifikant. Die Ansprechrate war
mit der Kombinationstherapie grösser (30% versus 16%). Auch ältere Patienten
über 70 Jahren profitierten von der Kombinationsbehandlung. Das Risiko
schwerer Nebenwirkungen (z. B. Anämie, Leukopenie, Thrombopenie) wurde
durch die Kombinationstherapie erhöht, doch die Lebensqualität wurde nicht
stärker beeinträchtigt als mit der Monotherapie.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, AL)
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