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Mittwoch,
22. Mai 2002, Berichte vom ASCO 2002
Brustkrebstherapie
der Zukunft:
Gezielt
angreifen, individuell behandeln
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Interview
mit PD Dr. Beat Thürlimann, Departement für Innere Medizin,
Fachbereich Onkologie/Hämatologie, Kantonsspital St. Gallen
ORLANDO
– Neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten haben die
Onkologie in den letzten Jahren stark verändert. Das gilt insbesondere
für die Behandlung des Mammakarzinoms. Viele Medikamente und ganz
neue Therapieansätze werden zur Zeit in klinischen Studien evaluiert.
Nach den wichtigsten Erkenntnissen aus diesen Untersuchungen und
ihren Konsequenzen für die Praxis haben wir PD Dr. Beat
Thürlimann, St. Gallen, am Rande des 38. Jahreskongresses
der American Society of Clinical Oncology gefragt.
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PD Dr.
Thürlimann
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Was ist
für Sie die Hauptaussage bei dieser riesigen Anzahl von Studien?
Dr. Thürlimann:
Eine sehr wichtige Botschaft ist, dass der Brustkrebs eine heterogene
Krankheit ist. Indikationen, um individuelle Patientinnen zu behandeln,
werden häufig in Studien nicht reflektiert, weil man eine „durchschnittliche
Patientin“ mit einer „durchschnittlichen Standardbehandlung“ vergleicht.
Deshalb sind die Studienresultate, vor allem beim Brustkrebs, nicht immer
auf eine individuelle Patientin übertragbar.
Das ist bei
anderen Erkrankungen häufig anders, beispielsweise bei der akuten Leukämie.
Da gibt es zwar auch verschiedene Typen, aber im Prinzip nur eine Standardinduktion
und einen Weg, um das Überleben der Patienten zu verlängern – die komplette
Remission. Daher lassen sich hier eher allgemeine Aussagen machen. Beim
Brustkrebs wäre dies unseriös, so etwas zu sagen.
Manche
neuen Substanzgruppen, die bisher vor allem bei Patientinnen mit fortgeschrittenem
Brustkrebs erfolgreich eingesetzt wurden, werden jetzt auch in der adjuvanten
Therapie untersucht, beispielsweise die Taxane. Am Kongress wurden die
ermutigenden vorläufigen Resultate der BCIRG 001-Studie zum Einsatz
von Docetaxel bei Brustkrebs im Frühstadium
präsentiert. Lassen sich aus diesen Untersuchungen schon Konsequenzen
für die Praxis absehen?
Dr. Thürlimann:
Viele
dieser Studien brauchen mehr Beobachtungszeit, um das Gesamtüberleben
als wichtigsten Endpunkt zu beurteilen. In einigen dieser Studien haben
viele Patientinnen ihre Behandlung noch nicht einmal abgeschlossen. Auch
die Einschätzung der akuten Nebenwirkungen und der Langzeit-Toxizität
der Therapie braucht mehr Zeit. Der Trend geht zwar schon dahin, bei Patientinnen
mit hohem Risiko mehr Toxizität in Kauf zu nehmen, um eine höhere Heilungsrate
zu erzielen. Man kann aber nur einen moderaten Gewinn davon erwarten,
in einer Kombinationstherapie von z.B. vier Medikamenten lediglich
ein Medikament gegen ein anderes auszutauschen.
Wird sich
das Management der Erkrankung insgesamt verändern?
Dr. Thürlimann:
Die Entwicklung geht sicher dahin, dass wir bessere prädiktive Faktoren
haben werden. Ein Beispiel dafür ist die Hormonabhängigkeit der Erkrankung
(Östrogen- und Progesteronrezeptoren). Damit können wir Frauen identifizieren,
die entweder eine 10%ige Chance haben, von einer endokrinen Therapie zu
profitieren, oder eine 70%ige. Diese prädiktiven Marker werden gerade
wegen der Heterogenität des Mammakarzinoms eine individuell abgestimmte,
wirksamere Behandlung ermöglichen.
Indem wir
mit Hilfe neuer Technologien, z.B. der Molekulargenetik, die Biologie
der Krankheit besser studieren, werden wir mehr zielgerichtete Therapie
einsetzen können. Dann können wir intelligent in den Krankheitsprozess
eingreifen, anstatt allen Patientinnen generell ein bestimmtes Therapieregime
zu empfehlen.
Schon jetzt
sind mehr als 350 solcher Substanzen in der Pipeline. Sie müssen
alle in den verschiedenen Indikationen und Therapieregimes getestet und
mit den bisherigen Standardtherapien verglichen werden, um herauszufinden,
ob sie wirklich wirksam sind und wie sie optimal eingesetzt werden können.
Da haben wir noch viel Arbeit vor uns.
Wie werden
sich diese Trends auf die Rolle des Hausarztes bei der Betreuung von Brustkrebspatientinnen
auswirken?
Dr. Thürlimann:
Dadurch, dass wir mehr über die Biologie
der Krankheit wissen, werden wir viel gezielter therapieren können. Aber
diese Therapien werden nicht immer einfach durchzuführen sein. Das gilt
vor allem in der Übergangsphase, bis wir wissen, bei welchen Patientinnen
wir diese Therapie wie und wann genau einsetzen sollen.
In
dieser Zeit sollte das Patientenmanagement und insbesondere die Steuerung
der Therapie von einem Onkologiezentrum aus erfolgen. Onkologen – oder
besser noch Brustkrebsexperten – sollten vor allem die anfängliche Entscheidung
treffen, wenn es um die Auswahl der Therapie geht.
Bei
der Durchführung der Therapie und der späteren Betreuung der Patientinnen
spielt der Hausarzt aber weiterhin eine wichtige Rolle. Er hilft als „verlängerter
Arm“ des Zentrums bei der Durchführung der Therapie und unterstützt die
Patientin als Vertrauensperson im Umgang mit ihrer Krankheit und den therapiebedingten
Belastungen.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, KH)
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In
Florida ist immer Sommer |
Neue
Kombinations-Chemotherapie bei Pleuramesotheliom
Endlich
eine lebensverlängernde Behandlung!
ORLANDO
– Die Behandlungserfolge bei Patienten mit Pleuramesotheliom bleiben in
der Regel enttäuschend gering. Jetzt konnte mit einer neuen Kombinations-Chemotherapie
zum ersten Mal eine Verlängerung der Überlebenszeit erzielt werden. Die
neue Therapie verbessert auch die Lebensqualität deutlich. Dies ergab
die bislang grösste Studie, die zur Behandlung des Pleuramesothelioms
durchgeführt wurde. Die Studie, an der 456 Patienten teilnahmen, wurde
am 38. Jahreskongress der American Society of Clinical
Oncology von Dr. Nicholas Vogelzang, University of Chicago Cancer Research
Center, Chicago, vorgestellt.
Das Pleuramesotheliom
ist ein besonders aggressiver Krebs, der meist 20 bis 40 Jahre nach Asbestexposition
diagnostiziert wird. In der EU ist jedes Jahr mit 5'000 Neuerkrankungen
zu rechnen. Die mediane Überlebenszeit beträgt lediglich 6 bis 9 Monate.
Eine zuverlässig wirksame Chemotherapie gibt es bislang nicht.
In die neue
Studie wurden Patienten aufgenommen, die zuvor noch keine Chemotherapie
erhalten hatten. In randomisierter Weise wurden sie entweder mit dem üblicherweise
verwendeten Zytostatikum Cisplatin oder mit der Kombination von Cisplatin
und Pemetrexed (Alimta® von Lilly Oncology) behandelt. Pemetrexed ist
ein neuartiges Antifolat, das mit Methotrexat verwandt ist. Im Unterschied
zu Methotrexat hemmt Pemetrexed nicht nur ein, sondern drei Enzyme, die
für die Zellteilung und das Tumorwachstum erforderlich sind.
Mit der Kombinationstherapie
lebten die Patienten fast 3 Monate länger als mit der Cisplatin-Monotherapie.
Eine Tumorschrumpfung kam mit der Kombinationstherapie in 41% der Patienten,
mit der Monotherapie dagegen nur in 17% (p‹0,001) zustande (Tumor-Ansprechrate).
Die quälenden Symptome Dyspnoe und Schmerz konnten durch die Kombinationsbehandlung
besser beeinflusst werden.
Während der
Studie stellte sich heraus, dass die Patienten zusätzlich eine Folsäure-
und Vitamin B12-Supplementierung benötigen. Wenn nämlich Patienten
einen Mangel an diesen Vitaminen aufweisen, laufen sie Gefahr, unter Pemetrexed
schwere Nebenwirkungen zu entwickeln (z. B. schwere Formen von Stomatitis,
Diarrhoe, Erbrechen und Neutropenie). Die Vitamin-Supplementierung vermindert
nicht nur die Toxizität, sondern erhöht auch die Wirksamkeit der Kombinationsbehandlung.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, AL)
EGFR-Inhibitoren
in Kombination mit Chemotherapie
Faszinierende
neue Therapiehorizonte
ORLANDO
– Die Hemmung des Epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (EGFR) stellt
eine der vielversprechenden Möglichkeiten dar, welche die moderne, molekular
gezielte Krebstherapie anzubieten hat. Über den Einsatz innovativer EGFR-Inhibitoren
bei zahlreichen Krebsformen berichtete Dr. Christopher Sweeney, Indiana
University Medical Center, Indianapolis, USA, anlässlich des 38. Jahreskongresses
der American Society of Clinical Oncology auf einem Satellitensymposium
von Aventis Oncology.
EGFR-Inhibitoren
sind bei etlichen Krebsarten schon als Monotherapie aktiv, z. B. bei Nicht-Kleinzell-Lungenkrebs,
Kolorektalkarzinom, Eierstockkrebs und Karzinomen von Mundhöhle, Pharynx
und Larynx (Head and Neck Cancers). Bei drei EGFR-Inhibitoren sind die
Entwicklungsarbeiten bereits weit fortgeschritten. Es handelt sich um
die beiden Tyrosin-Kinase-Inhibitoren Gefitinib (Iressa® von AstraZeneca)
und Erlotinib (Tarveca® von Genentech) sowie um den monoklonalen Antikörper
Cetuximab (Erbitux® von ImClone Systems). Aus präklinischen Studien ist
bekannt, dass diese Substanzen die Wirksamkeit von Chemotherapie und Radiotherapie
steigern.
Der EGFR
(auch erbB1 oder HER-1 genannt) ist der erste von vier Transmembran-Rezeptoren
der HER-Familie. Wenn ein Ligand am extrazellulären Anteil des Rezeptors
andockt, wird der intrazellulär gelegene Tyrosinkinase-Anteil aktiviert.
Die durch dieses Enzym katalysierte Phosphorylierung löst komplexe intrazelluläre
Signale und Reaktionen aus. Diese kurbeln schliesslich die Angiogenese
und die Zellproliferation an, stimulieren die Zelladhäsion und –motilität
– also die Invasion und Metastasierung von Tumorzellen – und reduzieren
die Apoptose. Bei manchen Krebsformen (z. B. Lungen-, Brust-, Prostata-,
Kolonkrebs, Head and Neck Cancers) sind diese Vorgänge in fortgeschrittenen,
therapieresistenten Stadien überaktiv.
Bei etlichen
Krebsformen, die EGFR zu stark exprimieren, können Taxane zur Chemotherapie
eingesetzt werden, nämlich beim Nicht-Kleinzell-Lungenkrebs, bei Brust-,
Eierstock-, Prostata-, Pankreas-, Blasenkrebs und bei Head and Neck Cancers,
aber nicht beim Kolonkarzinom und Nierenzellkarzinom. Um die Wirksamkeit
der Taxan-Chemotherapie zu steigern und um Taxan-Resistenzen zu überwinden,
werden jetzt Kombinationsbehandlungen mit EGFR-Inhibitoren in klinischen
Studien getestet. Der monoklonale Antikörper Cetuximab, der einmal pro
Woche intravenös infundiert wird, dockt extrazellulär an den EGFR an.
Klinische Studien, die derzeit laufen, testen beispielsweise die Kombinationsbehandlung
mit Docetaxel (Taxotere® von Aventis Oncology) bei Patienten, deren Nicht-Kleinzell-Lungenkrebs
gegen Chemotherapie resistent ist. Gefitinib und Erlotinib sind Hemmstoffe
der intrazellulär gelegenen Tyrosinkinase und werden beide täglich oral
verabreicht. Auch diese innovativen Substanzen werden derzeit als Kombinationstherapie
im Rahmen von Phase-III-Studien getestet.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, AL)
Neue
Erfolge mit Glivec bei CML
Auch
zur Erstbehandlung hervorragend geeignet
ORLANDO
– Imatinib (Glivec®) ist bei der Erstbehandlung von Patienten mit neu
diagnostizierter Chronisch Myeloischer Leukämie (CML) der bislang gebräuchlichen
Standardtherapie deutlich überlegen. Dies ergab eine grosse randomisierte
Studie, die am 38. Jahreskongress der American Society
of Clinical Oncology von Dr. Brian Druker, Oregon Health & Science
University, Portland, präsentiert wurde.
An der IRIS-Studie
(International Randomized Study of Interferon + Ara-C versus STI-571 in
Chronic Myeloid Leukemia) beteiligten sich 177 Zentren in 16 Ländern mit
insgesamt 1’106 Patienten, bei denen neu eine CML diagnostiziert worden
war. Je 553 Patienten erhielten entweder Imatinib (400 mg pro Tag) oder
die gebräuchliche Standardtherapie (Interferon und Ara-C). Die mediane
Beobachtungszeit beträgt bisher 14 Monate. Die Studie weist eindrücklich
nach, dass dank Imatinib-Therapie wesentlich mehr Patienten mit einer
kompletten oder partiellen Remission rechnen können als dies mit der herkömmlichen
Therapie erreichbar ist.
Imatinib
bewirkte in 96% ein komplettes hämatologisches Ansprechen, die Standardtherapie
nur in 67%. Gemessen am kompletten zytogenetischen Ansprechen (Leukämie
nicht mehr nachweisbar) war Imatinib zehnmal wirksamer als die Standardtherapie
(68% versus 7%). Dank Imatinib-Behandlung schritt die Krankheit wesentlich
seltener als mit der Standardtherapie zur akzelerierten Phase oder zur
Blastenkrise fort (in 1,5% versus 7%).
Die neue
Behandlungsform war nicht nur effektiver, sondern auch viel besser verträglich.
Lediglich in 0,7% wurden mit Imatinib schwere Nebenwirkungen beobachtet.
Die Standardtherapie wurde dagegen von 23% der Patienten nicht vertragen.
Unter Imatinib waren viele Patienten arbeitsfähig, unter der Standardbehandlung
dagegen nur wenige, berichtete Dr. Druker. Seiner Meinung nach sollte
die Imatinib-Therapie aufgrund dieser hervorragenden Resultate auch bei
frisch diagnostizierten CML-Patienten als Behandlung der ersten Wahl angesehen
werden. Langzeiterfahrungen liegen allerdings noch nicht vor.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, AL)
Die
Frage des Tages:
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