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Overnight
Reports aus Dallas vom 78.
Jahreskongress der American Heart Association (AHA) 2005
17.11.2005
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Das Herz
diabetischer Hochrisikopatienten schützen
Insulinsensitizer verhindert erneuten Infarkt
DALLAS
- Diabetiker, die bereits ein kardiovaskuläres Ereignis erlitten
haben, leben gefährlich: ihre Prognose ist aufgrund der Risikofaktorenakkumulation
besonders schlecht. Bei den Scientific Sessions der American Heart
Association 2005 zeigte sich, dass die antidiabetische Therapie hier
einen protektiven Einfluss haben kann.
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Der "Kugelturm"
von Dallas |
"Dies war die
grösste bislang untersuchte Kohorte, die den sekundär präventiven
Effekt eines oralen Antidiabetikums gegenüber kardiovaskulären Ereignissen
bei diabetischen Patienten untersuchte", so Dr. Erland Erdmann, Köln.
In der Subgruppenanalyse von 2445 Diabetikern der PROactive-Studie, die bereits
einen Herzinfarkt erlitten hatten, wurde unter dem Insulinsensitizer Pioglitazon
das erneute Auftreten tödlicher und nicht tödlicher Infarkte um 28 %
sowie die Inzidenz eines aktuen koronaren Syndroms um 37 % seltener festgestellt.
"Das bedeutet konkret, dass wir bei 1000 über drei Jahre behandelten
Patienten 22 erneute Herzinfarkte verhindern können."
Bisher hat noch
keine prospektive Studie einen präventiven Effekt von oralen Antidiabetika
gegenüber kardiovaskulären Ereignissen bei disen Hochrisikopatienten
nachweisen können. Die 1230 mit Pioglitazon behandelten Patienten wiesen
insgesamt eine bessere Blutzuckerkontrolle sowie auch niedrigere Triglyceride
und höhere HDL-Cholesterinwerte als die 1215 Patienten der Kontrollgruppe
auf. Dieser günstige Einfluss auf das Lipidprofil wurde bisher von allen
Insulinsensitizern nur bei Pioglitazon beobachtet.
Schwere Nebenwirkungen
traten unter Pioglitazon etwas seltener auf als unter Plazebo (47 % vs. 51 %).
Allerdings wurde unter Behandlung mit dem Insulinsensitizer häufiger eine
schwere Herzinsuffizienz beobachtet - ein immer wieder diskutiertes Problem.
"Ich persönlich glaube nicht, dass zwischen einer Behandlung mit Pioglitazon
und dem Auftreten einer Herzinsuffizienz ein Zusammenhang besteht", erklärte
Dr. Erdmann. "Die klinische Beurteilung durch den behandelnden Arzt ist
subjektiv. Periphere Ödeme sind letztlich nicht zwingend durch eine kardiale
Insuffizienz bedingt." Die erhöhte Herzinsuffizienzrate schlug sich
in dieser Studie nicht in einer erhöhten Mortalität nieder (1,8 %
vs. 1,7 %).
PROactive=Prospective Pioglitazone Clinical Trial in Macrovascular Events
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Medical Tribune-Online Schweiz, kg
Aggregationshemmer
retten auch Frauen das Leben
Höchste Zeit für therapeutische Gleichberechtigung
DALLAS - "Eigentlich
wissen wir es schon lange, doch jetzt haben wir es noch einmal klar gezeigt:
Aspirin ist eine lebensrettende Therapie - auch für Frauen", so Dr.
Jeffery S. Berger, Duke University Medical Center, Durham.
"Frauen mit
einer kardiovaskulären Erkrankung sollten grundsätzlich Aspirin bekommen.
Es sei denn, bei ihnen liegt eine Kontraindikation wie Hypersensitivität
oder gastrointestinale Unverträglichkeit vor." Dr. Berger präsentierte
an den Scientific Sessions der American Heart Association 2005 Daten
von 8'928 postmenopausalen Frauen mit kardiovaskulärer Erkrankung, die
aus der Women`s Health Initiative Observational Study selektiert worden waren.
An dieser Multicenterstudie hatten fast 94'000 Frauen zwischen 50 und 79 Jahren
teilgenommen.
46 % der untersuchten
Frauen nahm Aspirin, 30 % davon das "Babyaspirin" mit 81 mg und 70
% eine tägliche Dosis von 325 mg. Nach sechseinhalb Jahren waren 956 (8,7
%) Frauen mit kardiovaskulärer Erkrankung verstorben. Verglichen mit den
Frauen ohne aggregationshemmende Therapie bewirkte sowohl die niedrige als auch
die hohe Dosis Aspirin eine 17 %ige Senkung der Gesamtmortalität. Bezüglich
der individuellen Endpunkte wurden eine signifikante 25 %ige Reduktion der kardiovaskulären
Mortalität und eine nicht signifikante 11 %ige Senkung der Insulthäufigkeit
beobachtet.
Auf die Häufigkeit
von Myokardinfarkten hatte die Therapie demgegenüber keinen Einfluss. "Da
es sich nicht um eine randomisierte Studie handelt, kann sie natürlich
keinen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung beweisen. Aspirin war zwar
mit einer signifikanten Mortalitätssenkung assoziiert, was aber nicht zwingend
bedeuten muss, dass Aspirin diese Senkung verursacht."
Insgesamt ist die
Datenlage zu Dosierung und Effekt von Aspirin bei gefährdeten Frauen sehr
dürftig, bisher gibt es keine eindeutige Dosisempfehlung. Nach Dr. Bergers
Studie scheint es, als ob die niedrige Dosierung von 81 mg genauso effektiv
ist wie die höhere Dosierung von 325 mg. Das bringt nach seiner Meinung
einen klaren Vorteil, wenn man Patientinnen, die sich wegen Nebenwirkungen Sorgen
machen, vom Sinn der Einnahme überzeugen will: "Schon ein Baby-Aspirin
pro Tag reicht."
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Medical Tribune-Online Schweiz, kg
ACTIVATE-Studie: ein "erfolgreicher
Versager
DALLAS - "Wir betrachten diese Studie als erfolgreichen Versager",
meinte Professor Dr. Steven E. Nissen aus Cleveland am Schluss seiner Präsentation
der Resultate der ACTIVATE-Studie an den Scientific Sessions der American
Heart Association 2005 in Dallas/Texas.
In der Studie wurde der Effekt eines neuen Wirkstoffs auf die Atherosklerose-Progression
geprüft. Pactimide - ein Hemmstoff des Enzyms Acyl-Coenzym-A-Cholesterol-O-Acyltransferase
(ACAT) - hatte bei Mäusen eine Regression atherosklerotischer Plaques bewirkt.
Insgesamt 534 Patienten mit koronarer Herzkrankheit waren in die Studie eingeschlossen.
Sie wurden während 18 Monaten entweder mit dem ACAT-Inhibitor oder mit
Plazebo behandelt, und zwar zusätzlich zur üblichen Standardtherapie.
408 Patienten standen für die abschliessende Bestimmung der Veränderung
des Plaquevolumens mittels intravaskulärem Ultraschall (IVUS) zur Verfügung.
Das Resultat: Die ACAT-Hemmung mit Pactimide hatte keinen Einfluss auf die Atherosklerose.
Hingegen wurde in der Plazebogruppe eine leichte Regression des Atheromvolumens
dokumentiert. Im Hinblick auf die Rate kardiovaskulärer klinischer Ereignisse
konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den Therapiegruppen ausgemacht
werden.
Warum bezeichnete Studienleiter Dr. Nissen diese negativ verlaufene Studie dennoch
als erfolgreich? Dies vor allem, weil mit IVUS eine Methode zur Verfügung
steht, die, wie sich bestätigt hat, zwischen wirksamen und unwirksamen
Therapien unterscheiden hilft.
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Medical Tribune-Online Schweiz, BR
Achterbahn:
nur für Todesmutige
DALLAS - Wenn herzkranke Personen in die Achterbahn steigen, kann daraus leicht
ein Himmelfahrtskommando werden. Die rasante Berg- und Talfahrt mit Loopings
und Abtauchmanövern bringt auch das Herz ins Rasen. Die Funken sprühen
dabei nicht nur an den Metallschienen des Gefährts, sondern auch im Herzen,
wie eine im deutschen Hassloch durchgeführte Studie zeigt.
"Herzkranke oder Personen mit Rhythmusstörungen sollten nicht Achterbahn
fahren", warnte Dr. Jürgen Kuschyk. Der Kardiologe am Mannheimer
Unispital verwies an den Scientific Sessions der American Heart Association
2005 auf das damit verbundene Risiko für einen plötzlichen Herztod.
Während für gesunde jüngere Menschen der "Roller Coaster"
in der Regel keine Gefahr darstellt, setzen sich Individuen mit hohem Blutdruck,
stattgehabtem Herzinfarkt, Herzschrittmacher oder implantiertem Defibrillator
einer unter Umständen massiven Gefährdung aus. Eine potentielle Gefahr
bilden aus technischer Sicht die magnetischen Bremsen, die die Funktion von
Schrittmachern und Defibrillatoren beeinträchtigen können.
Wie die Studie zeigt, stieg die Herzfrequenz während der Versuchsfahrten
bei Gesunden auf bis 200 Schläge pro Minute an, was gefährliche Herzrhythmusstörungen
auslösen kann. Bei den männlichen Probanden ergab sich ein durchschnittlicher
Anstieg auf 148/min, bei den Frauen gar auf 165/min.
Der Anstieg der Herzfrequenz war, wie Dr. Kuschyk mitteilte, vornehmlich Konsequenz
des emotionalen Stresses und der Angst zu Beginn der rasanten Fahrt in den Himmel,
und nicht - wie erwartet - durch die starken Gravitationskräfte bedingt.
45% der insgesamt 55 gesunden Studienteilnehmer imponierten durch einen markanten,
bis zu fünf Minuten nach Ende der Fahrt anhaltenden unregelmässigen
Sinusrhythmus.
Die Schlussfolgerung des Kardiologen: Herzkranke und Hypertoniker sollten die
Achterbahn tunlichst meiden. Betreibern des "Roller Coasters" ist
anzuraten, einen Defibrillator griffbereit zu halten.
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Medical Tribune-Online Schweiz, BR
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