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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





Overnight Reports aus Dallas vom 78. Jahreskongress der American Heart Association (AHA) 2005

 

 

 

 

17.11.2005

 

Das Herz diabetischer Hochrisikopatienten schützen
Insulinsensitizer verhindert erneuten Infarkt

DALLAS - Diabetiker, die bereits ein kardiovaskuläres Ereignis erlitten haben, leben gefährlich: ihre Prognose ist aufgrund der Risikofaktorenakkumulation besonders schlecht. Bei den Scientific Sessions der American Heart Association 2005 zeigte sich, dass die antidiabetische Therapie hier einen protektiven Einfluss haben kann.

 
Der "Kugelturm" von Dallas

"Dies war die grösste bislang untersuchte Kohorte, die den sekundär präventiven Effekt eines oralen Antidiabetikums gegenüber kardiovaskulären Ereignissen bei diabetischen Patienten untersuchte", so Dr. Erland Erdmann, Köln. In der Subgruppenanalyse von 2445 Diabetikern der PROactive-Studie, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten, wurde unter dem Insulinsensitizer Pioglitazon das erneute Auftreten tödlicher und nicht tödlicher Infarkte um 28 % sowie die Inzidenz eines aktuen koronaren Syndroms um 37 % seltener festgestellt. "Das bedeutet konkret, dass wir bei 1000 über drei Jahre behandelten Patienten 22 erneute Herzinfarkte verhindern können."

Bisher hat noch keine prospektive Studie einen präventiven Effekt von oralen Antidiabetika gegenüber kardiovaskulären Ereignissen bei disen Hochrisikopatienten nachweisen können. Die 1230 mit Pioglitazon behandelten Patienten wiesen insgesamt eine bessere Blutzuckerkontrolle sowie auch niedrigere Triglyceride und höhere HDL-Cholesterinwerte als die 1215 Patienten der Kontrollgruppe auf. Dieser günstige Einfluss auf das Lipidprofil wurde bisher von allen Insulinsensitizern nur bei Pioglitazon beobachtet.

Schwere Nebenwirkungen traten unter Pioglitazon etwas seltener auf als unter Plazebo (47 % vs. 51 %). Allerdings wurde unter Behandlung mit dem Insulinsensitizer häufiger eine schwere Herzinsuffizienz beobachtet - ein immer wieder diskutiertes Problem. "Ich persönlich glaube nicht, dass zwischen einer Behandlung mit Pioglitazon und dem Auftreten einer Herzinsuffizienz ein Zusammenhang besteht", erklärte Dr. Erdmann. "Die klinische Beurteilung durch den behandelnden Arzt ist subjektiv. Periphere Ödeme sind letztlich nicht zwingend durch eine kardiale Insuffizienz bedingt." Die erhöhte Herzinsuffizienzrate schlug sich in dieser Studie nicht in einer erhöhten Mortalität nieder (1,8 % vs. 1,7 %).

PROactive=Prospective Pioglitazone Clinical Trial in Macrovascular Events

© Medical Tribune-Online Schweiz, kg


Aggregationshemmer retten auch Frauen das Leben
Höchste Zeit für therapeutische Gleichberechtigung

DALLAS - "Eigentlich wissen wir es schon lange, doch jetzt haben wir es noch einmal klar gezeigt: Aspirin ist eine lebensrettende Therapie - auch für Frauen", so Dr. Jeffery S. Berger, Duke University Medical Center, Durham.

"Frauen mit einer kardiovaskulären Erkrankung sollten grundsätzlich Aspirin bekommen. Es sei denn, bei ihnen liegt eine Kontraindikation wie Hypersensitivität oder gastrointestinale Unverträglichkeit vor." Dr. Berger präsentierte an den Scientific Sessions der American Heart Association 2005 Daten von 8'928 postmenopausalen Frauen mit kardiovaskulärer Erkrankung, die aus der Women`s Health Initiative Observational Study selektiert worden waren. An dieser Multicenterstudie hatten fast 94'000 Frauen zwischen 50 und 79 Jahren teilgenommen.

46 % der untersuchten Frauen nahm Aspirin, 30 % davon das "Babyaspirin" mit 81 mg und 70 % eine tägliche Dosis von 325 mg. Nach sechseinhalb Jahren waren 956 (8,7 %) Frauen mit kardiovaskulärer Erkrankung verstorben. Verglichen mit den Frauen ohne aggregationshemmende Therapie bewirkte sowohl die niedrige als auch die hohe Dosis Aspirin eine 17 %ige Senkung der Gesamtmortalität. Bezüglich der individuellen Endpunkte wurden eine signifikante 25 %ige Reduktion der kardiovaskulären Mortalität und eine nicht signifikante 11 %ige Senkung der Insulthäufigkeit beobachtet.

Auf die Häufigkeit von Myokardinfarkten hatte die Therapie demgegenüber keinen Einfluss. "Da es sich nicht um eine randomisierte Studie handelt, kann sie natürlich keinen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung beweisen. Aspirin war zwar mit einer signifikanten Mortalitätssenkung assoziiert, was aber nicht zwingend bedeuten muss, dass Aspirin diese Senkung verursacht."

Insgesamt ist die Datenlage zu Dosierung und Effekt von Aspirin bei gefährdeten Frauen sehr dürftig, bisher gibt es keine eindeutige Dosisempfehlung. Nach Dr. Bergers Studie scheint es, als ob die niedrige Dosierung von 81 mg genauso effektiv ist wie die höhere Dosierung von 325 mg. Das bringt nach seiner Meinung einen klaren Vorteil, wenn man Patientinnen, die sich wegen Nebenwirkungen Sorgen machen, vom Sinn der Einnahme überzeugen will: "Schon ein Baby-Aspirin pro Tag reicht."

© Medical Tribune-Online Schweiz, kg



ACTIVATE-Studie: ein "erfolgreicher Versager

DALLAS - "Wir betrachten diese Studie als erfolgreichen Versager", meinte Professor Dr. Steven E. Nissen aus Cleveland am Schluss seiner Präsentation der Resultate der ACTIVATE-Studie an den Scientific Sessions der American Heart Association 2005 in Dallas/Texas.


In der Studie wurde der Effekt eines neuen Wirkstoffs auf die Atherosklerose-Progression geprüft. Pactimide - ein Hemmstoff des Enzyms Acyl-Coenzym-A-Cholesterol-O-Acyltransferase (ACAT) - hatte bei Mäusen eine Regression atherosklerotischer Plaques bewirkt.

Insgesamt 534 Patienten mit koronarer Herzkrankheit waren in die Studie eingeschlossen. Sie wurden während 18 Monaten entweder mit dem ACAT-Inhibitor oder mit Plazebo behandelt, und zwar zusätzlich zur üblichen Standardtherapie. 408 Patienten standen für die abschliessende Bestimmung der Veränderung des Plaquevolumens mittels intravaskulärem Ultraschall (IVUS) zur Verfügung.

Das Resultat: Die ACAT-Hemmung mit Pactimide hatte keinen Einfluss auf die Atherosklerose. Hingegen wurde in der Plazebogruppe eine leichte Regression des Atheromvolumens dokumentiert. Im Hinblick auf die Rate kardiovaskulärer klinischer Ereignisse konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den Therapiegruppen ausgemacht werden.

Warum bezeichnete Studienleiter Dr. Nissen diese negativ verlaufene Studie dennoch als erfolgreich? Dies vor allem, weil mit IVUS eine Methode zur Verfügung steht, die, wie sich bestätigt hat, zwischen wirksamen und unwirksamen Therapien unterscheiden hilft.

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Achterbahn: nur für Todesmutige

DALLAS - Wenn herzkranke Personen in die Achterbahn steigen, kann daraus leicht ein Himmelfahrtskommando werden. Die rasante Berg- und Talfahrt mit Loopings und Abtauchmanövern bringt auch das Herz ins Rasen. Die Funken sprühen dabei nicht nur an den Metallschienen des Gefährts, sondern auch im Herzen, wie eine im deutschen Hassloch durchgeführte Studie zeigt.


"Herzkranke oder Personen mit Rhythmusstörungen sollten nicht Achterbahn fahren", warnte Dr. Jürgen Kuschyk. Der Kardiologe am Mannheimer Unispital verwies an den Scientific Sessions der American Heart Association 2005 auf das damit verbundene Risiko für einen plötzlichen Herztod.

Während für gesunde jüngere Menschen der "Roller Coaster" in der Regel keine Gefahr darstellt, setzen sich Individuen mit hohem Blutdruck, stattgehabtem Herzinfarkt, Herzschrittmacher oder implantiertem Defibrillator einer unter Umständen massiven Gefährdung aus. Eine potentielle Gefahr bilden aus technischer Sicht die magnetischen Bremsen, die die Funktion von Schrittmachern und Defibrillatoren beeinträchtigen können.

Wie die Studie zeigt, stieg die Herzfrequenz während der Versuchsfahrten bei Gesunden auf bis 200 Schläge pro Minute an, was gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Bei den männlichen Probanden ergab sich ein durchschnittlicher Anstieg auf 148/min, bei den Frauen gar auf 165/min.

Der Anstieg der Herzfrequenz war, wie Dr. Kuschyk mitteilte, vornehmlich Konsequenz des emotionalen Stresses und der Angst zu Beginn der rasanten Fahrt in den Himmel, und nicht - wie erwartet - durch die starken Gravitationskräfte bedingt. 45% der insgesamt 55 gesunden Studienteilnehmer imponierten durch einen markanten, bis zu fünf Minuten nach Ende der Fahrt anhaltenden unregelmässigen Sinusrhythmus.

Die Schlussfolgerung des Kardiologen: Herzkranke und Hypertoniker sollten die Achterbahn tunlichst meiden. Betreibern des "Roller Coasters" ist anzuraten, einen Defibrillator griffbereit zu halten.

© Medical Tribune-Online Schweiz, BR





 
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