|
Carvedilol
Vorteile
für Diabetiker
NEW ORLEANS – Der Betablocker Carvedilol ist Metaprolol
bei Diabetikern überlegen. Dies zeigte die GEMINI-Studie,
die von Professor Dr. George Bakris, Rush University Medical
Center, Chicago, am diesjährigen AHA-Treffen
vorgestellt wurde.
Betablocker
haben in vielen Studien gezeigt, dass sie die Mortalität
bei kardiovaskulären Risikopatienten senken. Als Nachteil
der Betablocker galt bisher, dass sie den Glukosestoffwechsel
verschlechtern. Das
gilt allerdings nicht für Carvedilol. Typ-2-Diabetiker
haben ein hohes kardiovaskuläres Risiko und profitieren
so von diesem Betablocker.
Die
GEMINI-Studie untersuchte 1235 Patienten mit Diabetes und
Hypertonie Stadium I oder II. Die Patienten wurden nach
Einstellen des Blutdrucks während 5 Monaten beobachtet.
Alle Patienten waren bereits mit einem Hemmer des Renin-Angiotensinsystems,
also einem ACE-Hemmer oder einem Angiotensin-II-Rezeptorenblocker,
behandelt.
Unter Carvedilol verschlechterte sich die Blutzuckerkontrolle
nicht, das HbA1c blieb konstant, unter Metoprolol hingegen
stieg es um durchschnittlich 0,15 % an, trotz antidiabetischer
Therapie.
Es
fanden sich weitere gute Effekte des Carvedilols. Die Insulinresistenz
konnte mit Carvediolol um 9 % reduziert werden, während
Metoprolol keinen Einflussdarauf hatte. Das Risiko eine
Mikroalbuminurie zu entwickeln, war unter Carvediolol um
47 % geringer als unter Metoprolol. Carvedilol führte
zu keiner Gewichtszunahme, während Patienten unter
Metoprolol durchschnittlich 1,2 kg zunahmen. "Diese
Resultate lassen erwarten, dass sich mit Carvedilol wenigstens
theoretisch auch die Prognose der hypertensiven Diabetiker
verbessert", sagte Prof. Bakris.
©
Medical Tribune-Online Schweiz, BE
2
Jahre Rimonabant
Gewichtsreduktion
gehalten
NEW ORLEANS – Unter Rimonabant, dem neuen Cannabinoidrezeptorblocker
konnten die Patienten ihr Gewicht tief halten. Wird Rimonabant
abgesetzt, nehmen die Patienten kontinuierlich an Gewicht
zu, bis sie wieder den Ausgangspunkt erreichen. Dies sind
die wichtigsten Resultate des zweiten Studienjahrs der RIO-NA-Studie
(Rimonabant North America), die Prof. Xavier Pi-Sunyer,
Columbia University New York vorgestellt hat.
In
dieser randomisierten, doppelblinden und plazebokontrollieren
Studie wurden etwas über 3000 übergewichtige Patienten
(BMI < 30 oder BMI > 27 mit Begleiterkrankungen) mit
Plazebo, 5 mg oder 20 mg Rimonabant behandelt. Der maximale
Gewichtsverlust wurde zu Ende des ersten Jahres erreicht,
unter 20 mg Rimonabant waren es durchschnittlich 9 kg. Auch
der Bauchumfang, ein gutes Mass für abdominale Adipositas,
nahm ab. Das zweite Jahr Rimonabanttherapie brachte keine
weitere Senkung, allerdings konnte der erreichte Gewichtsverlust
erhalten werden.
Von
den Patienten, die im ersten Jahr Rimonabant erhielten,
bekam eine Gruppe im zweiten Jahr Plazebo. Dies führt
zu einem langsamen aber kontinuierlichen Ansteigen des Gewichts
bis zum Ausgangspunkt.
Rimonabant führt nicht nur zu einem Gewichtsverlust.
Unter der Therapie mit Rimonabant verbesserten sich auch
die Lipide, das HDL-Cholesterin stieg an, das LDL-Cholesterin
sank. Man glaubt, dass über die Hälfte des Effekts
auf den Lipidspiegel vom Gewichtsverlust unabhängig
ist.
Die
Abbruchquote auf Grund von Nebenwirkungen war bei der Plazebogruppe
7,7 %, bei 5 mg Rimonabant 8,9 % und bei
20 mg Rimonabant 13,6 %. Etwas häufiger klagten
Patienten unter Rimonabant unter depressiver Verstimmung.
Das Medikament ist noch nicht auf dem Markt. Der Autor der
Studie rechnet damit, dass es noch etwa ein Jahr dauert.
©
Medical Tribune-Online Schweiz, BE
Statin
bremst kognitiven Abbau bei Alzheimer-Kranken
NEW ORLEANS – Die zusätzliche Einnahme von Atorvastatin
80 mg täglich verlangsamt bei Patienten mit Alzheimer-Demenz
den weiteren kognitiven Abbau. Das ist das Resultat des
Alzheimer's Disease Cholesterol-Lowering Treatment Trial
(ADCLT), vorgestellt an der Jahresversammlung der American
Heart Association.
Dr. D. Larry Sparks und Mitarbeiter in Sun City/Arizona
behandelten in ihrer randomisierten Doppelblind-Studie 46
Patienten während eines Jahres entweder mit Atorvastatin
(n = 25) oder Plazebo (n = 21). Alle Patienten standen unter
Behandlung mit dem Azetylcholinesterase-Hemmer Donepezil.
Das Durchschnittsalter betrug 78 Jahre.
Die Patienten wurden vierteljährlich getestet. Zu Studienbeginn
wiesen die Patienten einen MMSE-Score von im Mittel 20,8
Punkten auf. In der Gruppe unter dem Statin ergab sich nach
einem Jahr keine Veränderung, während der MMSE
in der Plazebogruppe auf 18 abnahm. Den gleichen Verlauf
zeigte der ADAS-cog: keine Verschlechterung unter Verum,
hingegen Zunahme von 20 (Baseline) auf 24 Punkte unter Plazebo.
Beide Verläufe bedeuten eine Abnahme der Kognition
in der Plazebogruppe.
In statistischen Ziffern ergibt sich folgendes Bild: 53
% der Patienten unter Atorvastatin erzielten eine leichte
Verbesserung oder Stabilisierung der Demenz, während
nur 28 % unter Plazebo keine Verschlechterung zeigten. Das
Statin bewirkte eine Senkung des LDL-Cholesterins um mehr
als 50 % (124 mg/dl zu Beginn, 57 mg/dl nach einem Jahr).
"Diese Beobachtungen sind wichtig, weil sie uns zeigen,
dass die Statin-Therapie einen zusätzlichen Nutzen
für Patienten unter spezifischer Alzheimer-Behandlung
erbringt", betonte Dr. Sparks in seiner Schlussfolgerung.
©
Medical Tribune-Online Schweiz, BR
PEACE hat Hoffnungen
nicht erfüllt
NEW ORLEANS – Die zusätzliche Gabe eines ACE-Hemmers
bringt für Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit
unter Standardtherapie keinen zusätzlichen Nutzen.
Wie die am diesjährigen AHA-Kongress erstmals
präsentierten Resultate der PEACE-Studie zeigen, bewirkt
der ACE-Hemmer-Zusatz keine weitere Senkung der kardiovaskulären
Mortalität oder der Notwendigkeit für Revaskularisierungsmassnahmen.
Die PEACE-Studie (PEACE steht hier für Prevention of
Events with Angiotensin Converting Enzyme Inhibition) wurde
in New Orleans von Professor Dr. Marc A. Pfeffer
aus Boston während der einer "Late Breaking Trials"-Sitzung
vorgestellt. Mit der Studie sollte die Hypothese geprüft
werden, ob Patienten mit stabiler KHK und ohne linksventrikuläre
Dysfunktion unter konventioneller Standardtherapie von der
zusätzlichen Gabe eines ACE-Hemmers profitieren.
Insgesamt 8290 Patienten im mittleren Alter von 64 Jahren
waren in die plazebokontrollierte Doppelblind-Studie eingeschlossen.
4158 von ihnen erhielten täglich 4 mg Trandolapril.
Die mittlere Beobachtungsdaür betrug 4,8 Jahre.
"Trandolapril verbesserte nicht den Therapieausgang",
betonte Prof. Pfeffer, der gleichzeitig darauf hinwies,
dass auch die Subgruppenanalyse negativ verlief. Unterschiede
zugunsten von Verum im Vergleich zu Plazebo zeigten sich
in drei Bereichen: Blutdrucksenkung, Schlaganfallrate und
neu diagnostizierter Diabetes (Typ 2). Das Ziel der Studie
wurde jedoch nicht erreicht, so das Fazit des Referenten.
Welche Erklärung haben die Prüfer für diesen
Nicht-Erfolg von PEACE? Der Grund liegt vermutlich in der
Tatsache, dass die Patienten bereits optimal behandelt wurden
und eine gute Prognose hatten.
Professor John G.F. Cleland aus Kingston upon Hill
diskutierte die Resultate der Studie im Anschluss an die
Präsentation. Er sprach sich für einen Paradigmenwechsel
aus: Anstelle eine grosse Zahl von Patienten mit geringem
Nutzen zu behandeln, sollte die Therapie gezielt nur denjenigen
Patienten zukommen, die am meisten von dem gewählten
Therapieregime profitieren können. "PEACE bringt
möglicherweise das Ende der Mega-Studien", mutmasste
der britische Kardiologe abschliessend.
Die PEACE-Studie wurde parallel zur Präsentation am
AHA im New England Journal of Medicine publiziert.
In einem begleitenden Editorial schreibt Professor Dr.
Bertram Pitt aus Ann Arbor, dass das Versagen der ACE-Hemmung
in PEACE damit erklärt werden könnte, dass viele
der Patienten infolge Statin-Therapie einen niedrigen LDL-Cholesterin-Wert
aufwiesen. In einer solchen Situation könnte der ACE-Hemmer
nicht mehr erfolgreich sein. ACE-Hemmer und Statine haben,
wie Prog. Pitt ausführt, einen gemeinsamen Wirkungsmechanismus:
beide reduzieren die Aktivierung Lektin-ähnlicher LDL-Rezeptoren
und reduzieren so die Oxydation von LDL-Cholesterin.
Die Resultate von PEACE unterstreichen, so Prof. Pitt, die
Bedeutung der periodischen Überprüfung etablierter
Therapien. Es sei allerdings verfrüht, den Nutzen von
ACE-Hemmern in Abrede zu stellen.
©
Medical Tribune-Online Schweiz, BR
Niacin
erhöht HDL bei gleichzeitiger Statintherapie
NEW ORLEANS – Statine senken sehr effizient das LDL-Cholesterin.
Nun zeigte die ARBITER-2-Studie, dass mit einer zusätzlichen
Gabe Niacin, einem Vitamin B, das HDL-Cholesterin angehoben
werden kann. Dr. Allen Taylor, Walter Reed Army Medical
Center in Washington, präsentierte die Resultate.
149
Patienten mit koronarer Herzkrankheit, durchschnittlich
67 Jahre alt, wurden zusätzlich zu ihrer Statintherapie
mit Niacin, einem Vitamin B, behandelt. Alle Patienten hatten
eher tiefe HDL-werte, unter 1,16mmol/l.
Untersucht
wurde, ob eine Niacintherapie zusätzlich zu einem Statin
die Atherosklerose verlangsamt. Als Parameter wurde die
Dicke der Karotiden gewählt. Die Patienten unter Plazebo
zeigten in der einjährigen Beobachtungsperiode eine
signifikante Zunahme der Intimadicke um 0,044 mm, unter
Niacin war die Zunahme mit 0,014 mm nicht signifikant. Im
direkten Vergleich war der Unterschied zwischen Plazebo-
und Niacingruppe allerdings nicht mehr statistisch signifikant.
Die wichtigste Auswirkung auf die Lipide war, dass Niacin
zu einem Anstieg des HDL-Cholesterins um 21 % führte.
Die
Therapie wurde recht gut vertragen. Flushing, eine bekannte
Nebenwirkung unter Niacin, trat bei 69 % der Patienten
auf, in nur 13 % in der Plazebogruppe. Kardiovaskuläre
Ereignisse traten bei 3 Patienten in der Niacin- und bei
7 Patienten in der Plazebogruppe auf.
Die
Autoren folgern, dass Niacin in dieser Studie einen Einfluss
auf das HDL-Cholesterin gezeigt hat und auch ein Effekt
auf die Progression der Atherosklerose zu beobachten ist.
Ob diese Veränderungen sich auch in einem klinischen
Benefit niederschlagen, kann mit dieser Studie nicht gezeigt
werden.
©
Medical Tribune-Online Schweiz, BE
Pioglitazone
und Rosiglitazone im Direktvergleich
NEW ORLEANS – Typ-2-Diabetiker haben neben erhöhten
Blutzuckerwerten meist auch eine Dyslipidämie mit erhöhten
Triglyzeriden, erniedrigtem HDL-Cholesterin und erhöhtem
LDL-Cholesterin. Prof. Ronald Goldberg, University of Miami,
präsentierte die Resultate einer Studie, die den Effekt
von zwei verschiedenen Glitazonen, Pioglitazon (PIO) und
Rosiglitazon (ROSI), auf die Lipide untersuchte.
In
einer kontrollierten, doppelblinden Multizenterstudie wurden
735 Typ-2-Diabetiker mit Dyslipidämie während
24 Wochen mit einem Insulin-Sensitizer, Pioglitazon oder
Rosiglitazon behandelt. Sonst hatten die Patienten entweder
nur eine Diät zu befolgen oder sie bekamen höchstens
ein orales Antidiabetikum. Statine oder andere Cholesterinsenker
waren nicht erlaubt, um nicht das Resultat zu verfälschen.
Beide
Glitazone senkten den Blutzucker praktisch gleich effizient.
Das HbA1c sank unter PIO um 0,7 %, unter ROSI um 0,6 %.
Pioglitazon hatte jedoch eine vorteilhaftere Wirkung auf
die Lipide. Das HDL stieg unter PIO um 15 %, unter ROSI
um 8%. Die Triglyzeride sanken unter PIO um 12 %, während
sie unter ROSI um 15 % anstiegen. Das LDL stieg unter beiden
Medikamenten an, unter PIO mit 16 % allerdings geringer
als unter ROSI mit 23 %.
Diese Studie zeigt einen Vorteil von Pioglitazon gegenüber
Rosigilazon bezüglich der Wirkung auf die Lipide. Ob
sich dieser Vorteil bei den Surrogateparametern auch in
einem klinischen Benefit äussert, bleibt abzuwarten.
©
Medical Tribune-Online Schweiz, BE
|
|