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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





Unsere Berichterstattung aus Chicago an der
Jahrestagung 2002 der American Heart Association

 

21.11.2002 Interview (im Real-Format)am AHA 2002 mit Professor Dr. Georg Noll zu Viagra, bitte hier klicken

Nach HERS, WHI und WAVE: Keine Hormone für alternde Frauenherzen?

CHICAGO - So ganz mag die American Heart Association der Hormonersatztherapie wohl die Tür noch nicht zuschlagen. Aber die neuen Empfehlungen besagen klipp und klar: Weder in der Primär- noch in der Sekundärprävention der KHK gibt es derzeit einen Platz für Hormone.

Nachdem zunächst die HERS-Studie für die Postinfarktpatientinnen ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko unter Hormonersatztherapie gezeigt hatte, schlug kürzlich die WHI-Studie in dieselbe Kerbe: Auch Frauen, die noch keine KHK haben, bringt die HRT keinen Schutz, sondern eher Harm. Das gilt jedenfalls für die Östrogen-Gestagen-Kombinationen, so Dr. Julia Hsia von der George Washington University.

Möglicherweise erhöht die kombinierte Hormongabe das Risiko für KHK und Apoplex; das legte die Zwischenauswertung nach gut fünf Jahren nahe. Daraufhin wurde der Kombi-Arm eilends abgebrochen. Der Arm mit hysterktomierten Frauen, die nur Östrogen bekommen, läuft weiter.

Ähnlich enttäuschend fiel die WAVE-Studie aus, die den Arteriosklerose-Verlauf unter Hormonersatz angiografisch verfolgte (zusätzlich wurde auch der Effekt antioxidativer Vitamine geprüft). Das Risiko, dass sich die zu Studienbeginn bestehenden Koronarstenosen sich weiter verengten, war unter Hormonen definitiv, unter Vitaminen im Trend grösser als unter Plazebo, berichtete Dr. David Waters aus San Francisco.

Die American Heart Association hat schon nach HERS die Empfehlung herausgegeben, dass koronarkranke Frauen eine Hormonersatztherapie weder beginnen noch fortsetzen sollten, allein um ihr Herz zu schützen. Nun wurde die Empfehlung auf Frauen mit gesundem Gefässbett erweitert, die eine Hormonkombination brauchen, weil sie noch einen Uterus besitzen. Ob für Patientinnen mit reiner Östrogentherapie etwas anderes gilt, wird der Rest-Arm von WHI zeigen, der in drei bis vier Jahren auslaufen soll. ara

 

Übergewicht und Hypertonie bedrohen Kinderherzen

CHICAGO - Seit die Epidemie des metabolischen Syndroms immer mehr Kinder und Jugendliche erfasst, fragen sich Experten: Wann treten die ersten Schäden an Herz und Gefässen ein? Die Antwort: sehr früh! In zwei Studien haben schwedische und amerikanische Forscher geprüft, was Hochdruck und überschüssige Pfunde am Kinderherzen anrichten. Die Ergebnisse haben sie jetzt am AHA präsentiert.

Professor Dr. Peter Friberg aus Göteborg untersuchte 19 dicke und 20 normalgewichtige 13-Jährige mit Labortests, Blutdruckmessung und - erstmals in dieser Altersgruppe- Kernspintomografie des Herzens. Die übergewichtigen Kinder wiesen bereits alle Zeichen des metabolischen Syndroms auf: Hochdruck, Hyperinsulinämie, Dyslipidämie.

Wirklich alarmierend sind aber die Ergebnisse der kardialen NMR. Die kleinen Pummel zeigten bereits erste Befunde eines Herzschadens, nämlich eine linksventrikuläre Hypertrophie, allerdings noch bei normaler Ejektionsfraktion. Trotzdem: "Diese Kinder sind kardiovaskulär hochgefährdet", warnte Prof. Friberg.

Auch die Jugendlichen, die Dr. William Border aus Cincinnati untersucht hat, wird wohl eher früher als später eine Herzinsuffizienz bekommen, wenn sie nicht konsequent behandelt wird. Die 50 kleinen Hypertoniker, im Schnitt ebenfalls 13 Jahre alt, wurden ebenso wie 53 Gleichaltrige mit modernster echokardiografischen und Dopplertechnologie untersucht.

Bei den Hochdruckkindern fanden die Untersucher ebenfalls eine linksventrkuläre Hypertrophie und zusätzlich eine diastolische Dysfunktion. "Hochdruckfolgen am Herzen manifestieren sich schon in sehr jungen Jahren", folgerte Dr. Border. Diese Altersgruppe muss daher unbedingt aggressiv behandelt werden. ara

 

Albumin im Urin identifiziert besonders gefährdete Infarktpatienten

CHICAGO - Bei allen Infarktpatienten sollte routinemässig die Albuminausscheidung im Urin gemessen werden, und zwar vorzugsweise am dritten Tag nach dem Ereignis. Die Proteinexkretion steigt nämlich beim Infarkt deutlich an und markiert ein erhöhtes Sterberisiko, bei Diabetikern wie bei Patienten mit intaktem Glukosestoffwechsel.

Eine italienische Arbeitsgruppe um Professor Dr. Giuseppe Berton aus Conegliano hat bei gut 500 Infarktpatienten, davon ein Viertel Diabetiker, das Albumin im Urin am ersten, dritten und siebten Tag nach dem Infarkt gemessen. Die Mortalität stieg in beiden Gruppen mit der renalen Proteinausscheidung. Auffallend: Nicht-Diabetiker und Diabetiker hatten dasselbe Sterberisiko, wenn sie eine Mikroalbuminurie aufwiesen. Ohne Mikroalbuminurie war die Mortalität der Diabetiker höher als die der Stoffwechselgesunden. Am besten liessen sich Risiko- und weniger gefährdete Gruppe unterscheiden, wenn die Messwerte des dritten Tages herangezogen wurden.

Die Mikroalbuminurie ist nicht nur ein Mass für die renale Funktion, sondern auch für die Hämodynamik und die Endothelfunktion, erinnerte der Experte. Deshalb ist sie als Risikomarker auch besser geeignet als andere Nierenfunktionsparameter wie z.B. die Kreatininclearance, obwohl auch das Serumkreatinin beim Infarkt ansteigt.

Die Mikroalbuminurie war in dieser Studie der stärkste Prädiktor für das Sterberisiko - mehr noch als Alter, Diabetes oder andere Risikofaktoren, so Prof. Berton. Deshalb plädiert er dafür, die Proteinmessung im Urin als Standard in die Betreuung von Infarktpatienten einzuführen. ara

 

Gefässschutz mit Weinersatz gefällig?

CHICAGO - Mit dem "French Paradox" hat die mediterrane Lebensweise verwirrende Berühmtheit erlangt. Gutes Essen, keine Bewegung, täglich Alkohol - damit erreichen die Franzosen eine höhere kardiale Lebenserwartung. Das Geheimnis steckt im Rotwein, vielmehr in seinen gefässchützenden Flavonoiden. Den Rotweinkonsum deshalb breit zu propagieren, findet Professor Dr. Roger Corder, William Harvey Research Institute, University of London, problematisch und hat sich auf die Suche nach Ersatz gemacht.

Die endothelschützenden Flavonoide stecken vor allem in der Haut und im Kern der Traube. Der Gehalt ist in diesen Fruchtteilen viel höher als im Endprodukt Wein, den man übrigens jung trinken sollte. Lagert man den Wein nämlich, nimmt der Flavonoidgehalt infolge Umwandlung zu Tannin ab.

Eine Alternative zum täglichen Weinkonsum stellt der Traubenkernextrakt dar. 400 mg diese Extraktes entsprechen, so Prof. Corder, zwei Gläsern Rotwein. Damit lässt sich der Gefässchutz genauso gut erreichen, so Prof. Corder.

Die Alternative tut Not. Denn Studien haben gezeigt, dass Herzerkrankungen bei Rotweingeniessern weniger vorkommen und die allgemeine Mortalität bis zu 40% sinkt. Eine wahrhaftige Einladung zum Alkoholgenuss zu medizinischen Zwecken. Je höher der Flavonoidgehalt des guten Tropfen ist, desto länger lebt man, impliziert auch eine Studie mit zwei ausgewählten Populationen in Georgien und Sardinien, berichtet Prof. Corder. Diese Populationen fielen durch die Tatsache auf, dass unter ihnen dreimal mehr über 100-Jährige leben als sonst wo auf der Welt. Bei der näheren Begutachtung des Weines dieser beiden Gegenden ergab sich für den Tropfen eine stärkere Hemmung der Endothelinsynthese als bei Rotwein anderer Provenienz.

Wer weder Alkohol noch Tabletten mag, seine Gefässe aber trotzdem auf ein langes Leben trimmen will, kann es mit Cranberrysaft (Moosbeere/Vaccinium oxycoccos L.) versuchen. Auch da stecken diese Flavonoide in höherem Masse drin. Da jedoch dieser Saft nur in verdünnter Form zu haben ist, brauchts davon etwa einen Liter täglich. Ein kräftiger Durst ist da also Voraussetzung. vh

 

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