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21.11.2002
Interview
(im Real-Format)am AHA 2002 mit Professor Dr. Georg Noll zu Viagra, bitte
hier klicken
Nach
HERS, WHI und WAVE: Keine Hormone für alternde Frauenherzen?
CHICAGO
- So ganz mag die American Heart Association der Hormonersatztherapie
wohl die Tür noch nicht zuschlagen. Aber die neuen Empfehlungen besagen
klipp und klar: Weder in der Primär- noch in der Sekundärprävention
der KHK gibt es derzeit einen Platz für Hormone.
Nachdem zunächst
die HERS-Studie für die Postinfarktpatientinnen ein erhöhtes
kardiovaskuläres Risiko unter Hormonersatztherapie gezeigt hatte,
schlug kürzlich die WHI-Studie in dieselbe Kerbe: Auch Frauen, die
noch keine KHK haben, bringt die HRT keinen Schutz, sondern eher Harm.
Das gilt jedenfalls für die Östrogen-Gestagen-Kombinationen,
so Dr. Julia Hsia von der George Washington University.
Möglicherweise
erhöht die kombinierte Hormongabe das Risiko für KHK und Apoplex;
das legte die Zwischenauswertung nach gut fünf Jahren nahe. Daraufhin
wurde der Kombi-Arm eilends abgebrochen. Der Arm mit hysterktomierten
Frauen, die nur Östrogen bekommen, läuft weiter.
Ähnlich
enttäuschend fiel die WAVE-Studie aus, die den Arteriosklerose-Verlauf
unter Hormonersatz angiografisch verfolgte (zusätzlich wurde auch
der Effekt antioxidativer Vitamine geprüft). Das Risiko, dass sich
die zu Studienbeginn bestehenden Koronarstenosen sich weiter verengten,
war unter Hormonen definitiv, unter Vitaminen im Trend grösser als
unter Plazebo, berichtete Dr. David Waters aus San Francisco.
Die American
Heart Association hat schon nach HERS die Empfehlung herausgegeben, dass
koronarkranke Frauen eine Hormonersatztherapie weder beginnen noch fortsetzen
sollten, allein um ihr Herz zu schützen. Nun wurde die Empfehlung
auf Frauen mit gesundem Gefässbett erweitert, die eine Hormonkombination
brauchen, weil sie noch einen Uterus besitzen. Ob für Patientinnen
mit reiner Östrogentherapie etwas anderes gilt, wird der Rest-Arm
von WHI zeigen, der in drei bis vier Jahren auslaufen soll. ara
Übergewicht
und Hypertonie bedrohen Kinderherzen
CHICAGO
- Seit die Epidemie des metabolischen Syndroms immer mehr Kinder und Jugendliche
erfasst, fragen sich Experten: Wann treten die ersten Schäden an
Herz und Gefässen ein? Die Antwort: sehr früh! In zwei Studien
haben schwedische und amerikanische Forscher geprüft, was Hochdruck
und überschüssige Pfunde am Kinderherzen anrichten. Die Ergebnisse
haben sie jetzt am AHA präsentiert.
Professor
Dr. Peter Friberg aus Göteborg untersuchte 19 dicke und 20 normalgewichtige
13-Jährige mit Labortests, Blutdruckmessung und - erstmals in dieser
Altersgruppe- Kernspintomografie des Herzens. Die übergewichtigen
Kinder wiesen bereits alle Zeichen des metabolischen Syndroms auf: Hochdruck,
Hyperinsulinämie, Dyslipidämie.
Wirklich
alarmierend sind aber die Ergebnisse der kardialen NMR. Die kleinen Pummel
zeigten bereits erste Befunde eines Herzschadens, nämlich eine linksventrikuläre
Hypertrophie, allerdings noch bei normaler Ejektionsfraktion. Trotzdem:
"Diese Kinder sind kardiovaskulär hochgefährdet", warnte Prof.
Friberg.
Auch die
Jugendlichen, die Dr. William Border aus Cincinnati untersucht
hat, wird wohl eher früher als später eine Herzinsuffizienz
bekommen, wenn sie nicht konsequent behandelt wird. Die 50 kleinen Hypertoniker,
im Schnitt ebenfalls 13 Jahre alt, wurden ebenso wie 53 Gleichaltrige
mit modernster echokardiografischen und Dopplertechnologie untersucht.
Bei den Hochdruckkindern
fanden die Untersucher ebenfalls eine linksventrkuläre Hypertrophie
und zusätzlich eine diastolische Dysfunktion. "Hochdruckfolgen am
Herzen manifestieren sich schon in sehr jungen Jahren", folgerte Dr. Border.
Diese Altersgruppe muss daher unbedingt aggressiv behandelt werden. ara
Albumin
im Urin identifiziert besonders gefährdete Infarktpatienten
CHICAGO
- Bei allen Infarktpatienten sollte routinemässig die Albuminausscheidung
im Urin gemessen werden, und zwar vorzugsweise am dritten Tag nach dem
Ereignis. Die Proteinexkretion steigt nämlich beim Infarkt deutlich
an und markiert ein erhöhtes Sterberisiko, bei Diabetikern wie bei
Patienten mit intaktem Glukosestoffwechsel.
Eine italienische
Arbeitsgruppe um Professor Dr. Giuseppe Berton aus Conegliano hat
bei gut 500 Infarktpatienten, davon ein Viertel Diabetiker, das Albumin
im Urin am ersten, dritten und siebten Tag nach dem Infarkt gemessen.
Die Mortalität stieg in beiden Gruppen mit der renalen Proteinausscheidung.
Auffallend: Nicht-Diabetiker und Diabetiker hatten dasselbe Sterberisiko,
wenn sie eine Mikroalbuminurie aufwiesen. Ohne Mikroalbuminurie war die
Mortalität der Diabetiker höher als die der Stoffwechselgesunden.
Am besten liessen sich Risiko- und weniger gefährdete Gruppe unterscheiden,
wenn die Messwerte des dritten Tages herangezogen wurden.
Die Mikroalbuminurie
ist nicht nur ein Mass für die renale Funktion, sondern auch für
die Hämodynamik und die Endothelfunktion, erinnerte der Experte.
Deshalb ist sie als Risikomarker auch besser geeignet als andere Nierenfunktionsparameter
wie z.B. die Kreatininclearance, obwohl auch das Serumkreatinin beim Infarkt
ansteigt.
Die Mikroalbuminurie
war in dieser Studie der stärkste Prädiktor für das Sterberisiko
- mehr noch als Alter, Diabetes oder andere Risikofaktoren, so Prof. Berton.
Deshalb plädiert er dafür, die Proteinmessung im Urin als Standard
in die Betreuung von Infarktpatienten einzuführen. ara
Gefässschutz
mit Weinersatz gefällig?
CHICAGO
- Mit dem "French Paradox" hat die mediterrane Lebensweise verwirrende
Berühmtheit erlangt. Gutes Essen, keine Bewegung, täglich Alkohol
- damit erreichen die Franzosen eine höhere kardiale Lebenserwartung.
Das Geheimnis steckt im Rotwein, vielmehr in seinen gefässchützenden
Flavonoiden. Den Rotweinkonsum deshalb breit zu propagieren, findet Professor
Dr. Roger Corder, William Harvey Research Institute, University of London,
problematisch und hat sich auf die Suche nach Ersatz gemacht.
Die endothelschützenden
Flavonoide stecken vor allem in der Haut und im Kern der Traube. Der Gehalt
ist in diesen Fruchtteilen viel höher als im Endprodukt Wein, den
man übrigens jung trinken sollte. Lagert man den Wein nämlich,
nimmt der Flavonoidgehalt infolge Umwandlung zu Tannin ab.
Eine Alternative
zum täglichen Weinkonsum stellt der Traubenkernextrakt dar. 400 mg
diese Extraktes entsprechen, so Prof. Corder, zwei Gläsern Rotwein.
Damit lässt sich der Gefässchutz genauso gut erreichen, so Prof.
Corder.
Die Alternative
tut Not. Denn Studien haben gezeigt, dass Herzerkrankungen bei Rotweingeniessern
weniger vorkommen und die allgemeine Mortalität bis zu 40% sinkt.
Eine wahrhaftige Einladung zum Alkoholgenuss zu medizinischen Zwecken.
Je höher der Flavonoidgehalt des guten Tropfen ist, desto länger
lebt man, impliziert auch eine Studie mit zwei ausgewählten Populationen
in Georgien und Sardinien, berichtet Prof. Corder. Diese Populationen
fielen durch die Tatsache auf, dass unter ihnen dreimal mehr über
100-Jährige leben als sonst wo auf der Welt. Bei der näheren
Begutachtung des Weines dieser beiden Gegenden ergab sich für den
Tropfen eine stärkere Hemmung der Endothelinsynthese als bei Rotwein
anderer Provenienz.
Wer weder
Alkohol noch Tabletten mag, seine Gefässe aber trotzdem auf ein langes
Leben trimmen will, kann es mit Cranberrysaft (Moosbeere/Vaccinium oxycoccos
L.) versuchen. Auch da stecken diese Flavonoide in höherem Masse
drin. Da jedoch dieser Saft nur in verdünnter Form zu haben ist,
brauchts davon etwa einen Liter täglich. Ein kräftiger Durst
ist da also Voraussetzung. vh
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