|
|
Overnight
Reports aus San Diego vom 69.
Jahreskongress des American College of Rheumatology (ACR) 2005
17.11.2005
|
|
 |
Risikofaktor
rheumatoide Arthritis
ASS nicht vergessen!
SAN DIEGO - Patienten mit rheumatoider Arthritis haben ein erhöhtes Herzinfarktrisiko.
Die im Rahmen der Arthritis vorliegende Entzündung stellt einen wichtigen
Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen dar. Dennoch nehmen
zu wenige Patienten mit rheumatoider Arthritis prophylaktisch niedrigdosierte
Acetylsalicylsäure ein, ergab eine am 69. Jahreskongress des American
College of Rheumatology vorgestellte Studie.
Für Patienten mit erhöhtem Risiko für ein Myokardinfarkt wird
eine niedrigdosierte medikamentöse Prophylaxe mit Acetylsalicylsäure
empfohlen, erinnerte Dr. Christopher Colglazier, Rheumatologe aus Kentucky.
Dr. Colglazier und Kollegen untersuchten über einen Zeitraum von drei Jahren
Daten von 14114 Patienten mit rheumatoider Arthritis.
Trotz eines 1,7
fach erhöhen Herzinfarktrisikos nahmen nur 18,4% der RA-Patienten eine
ASS-Prophylaxe ein, ein geringerer Prozentsatz als Patienten ohne entzündliche
rheumatische Erkrankung. Als Kontrollgruppe dienten Patienten (n=4009) mit nicht-entzündlichen
rheumatischen Erkrankungen, etwa Arthrose. In dieser Gruppe hatte ein Viertel
der Patienten eine niedrigdosierte ASS-Prophylaxe.
"Primärversorger
sollten die kardiovaskulären Risiken einer rheumatoiden Arthritis im Auge
behalten", so der amerikanische Rheumatologe.
©
Medical Tribune-Online Schweiz, Dr. med. Anka Stegmeier-Petroianu
Lymphomtherapie gegen therapierefraktäre
rheumatoide Arthritis
SAN DIEGO - Für Patienten mit rheumatoider Arthritis, die auf eine Therapie
mit einem TNF-alpha-Blocker nicht oder nicht ausreichend ansprechen, gibt es eine
neue Therapieoption. Der monoklonale Antikörper Rituximab ist gegen das CD20-Antigen
auf B-Lymphozyten gerichtet. Das CD20-Antigen spielt eine wichtige Rolle bei der
Aktivierung und Proliferation der B-Lymphozyten.
Dr. Stanley B. Cohen, Texas, stellte am 69. Jahrestreffen des American
College of Rheumatology die REFLEX-Studie vor, eine Phase-III-Studie, in der
RA-Patienten zusätzlich zu ihrer Methotrexat-Therapie den Antikörper
oder Plazebo erhielten. Die Studie schloss 520 Patienten mit rheumatoider Arthritis
ein, die auf eine Therapie mit einem Biological (Etnercept, Adalimumab oder Infliximab)
plus Methotrexat unzureichend angesprochen hatten.
Die Therapie bestand
aus Kortikosteroiden plus 1000 mg Rituximab intravenös am Tag 1 und 15
oder Plazebo.
Primärer Endpunkt war das Ansprechen gemäss der Kriterien des American
College of Rheumatology (ACR 20) nach 24 Wochen. Ein Therapieerfolg war unter
der Kombination von Rituximab und Methotrexat nachweisbar:
Den ACR-20 erreichte die Hälfte der Patienten unter Rituximab und 18% der
Patienten unter Plazebo. In der Verum-Gruppe erreichten 27% der Patienten den
ACR-50 im Vergleich zu 5% unter Plazebo.
80% der Patienten
hatten einen positiven Rheumafaktor, aber -entgegen Berichten aus dem letzten
Jahr- scheinen auch Patienten mit negativem Rheumafaktor anzusprechen, so der
Experte.
©
Medical Tribune-Online Schweiz, Dr. med. Anka Stegmeier-Petroianu
Fibromyalgie
Antidepressivum gegen Schmerzen & Fatigue
SAN DIEGO - Der duale Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin
ist bei Patientinnen mit Fibromyalgiesyndrom analgetisch wirksam, berichtete
Dr. Lesley M. Arnold, Universität Cincinnati, am 69. Jahreskongress
des American College of Rheumatology.
In zwei randomisierten Doppelblindstudien über 12 Wochen war eine Behandlung
der Fibromyalgie mit Duloxetin, gemessen an Scores im Fibromyalgia Impact Questionnaire,
signifikant wirksamer als Plazebo, unabhängig davon, ob die Fibromyalgie-Patientinnen
Kriterien einer Depression erfüllten oder nicht.
In der ersten Studie wurde bei jeweils 92 Patientinnen das Antidepressivum in
einer Dosierung von 60 mg am Tag mit Plazebo verglichen. In der zweiten Studie
mit insgesamt 354 Patientinnen wurde Duloxetin in zwei Dosierungen (60 mg einmal
täglich und 60 mg zweimal täglich) im Vergleich zu Plazebo untersucht.
Sowohl Werte im Fibromyalgia Impact Questionnaire (FIQ) als auch die Schmerzscores
verbesserten sich nach 12 Wochen Therapie mit Duloxetin signifikant. Insgesamt
konnte bei 30-40% der Patientinnen eine 50% ige Besserung der Schmerzen erzielt
werden. Eine Therapie mit 120 mg des Antidepressivums war aber nicht wirksamer
als die 60 mg Dosis.
Die Wirkung auf
den Parameter Schmerz fand unabhängig von einer Besserung der Stimmungslage
statt. "Duloxetin ist eine sichere Alternative zu den bisher eingesetzten
trizyklischen Antidepressiva", so Dr. Arnold.
©
Medical Tribune-Online Schweiz, Dr. med. Anka Stegmeier-Petroianu
Gonarthrose
Widersprüchliche Datenlage für Chondroprotektiva
SAN DIEGO - Studien am 69. Jahreskongress des American College of Rheumatology
untersuchen erneut die schmerzlindernden Eigenschaften zweier physiologischer
Knorpelbausteine: Glukosamin und Chondroitin.
Die GAIT-Studie (The Glucosamine/Chondroitin Arthritis Intervention
Trial) mit fast 1600 Gonarthrose-Patienten untersuchte die Wirksamkeit
beider Substanzen bei Patienten, die seit mindestens sechs Monaten über
Knieschmerzen klagten und deren Diagnose radiologisch gesichert war, im
Vergleich zu einem Cyclooxygenase-2-Hemmer und Plazebo.
Die Patienten
erhielten randomisiert entweder Glukosaminsulfat 500 mg dreimal täglich,
Chondroitinsulfat 400 mg dreimal täglich, eine Kombination aus beiden
Substanzen, Celecoxib 200 mg einmal täglich oder Plazebo. Zusätzlich
war die Einnahme von bis zu vier Gramm Paracetamol täglich zugelassen.
Das Ergebnis der Studie: Nur die Kombination aus beiden Substanzen reduziert
Knieschmerzen, und das auch nur in einer Subgruppenanalyse bei Patienten
mit mittelschweren bis schweren Knieschmerzen.
Eine Abnahme
der Knieschmerzen um 20 % nach 24 Wochen erreichten mit der Kombination
79,2 % der Patienten mit mittelschweren bis schweren Knieschmerzen. Unter
Celecoxibtherapie besserten sich die Schmerzen in gleichem Ausmass bei etwa
70 % der Patienten, (Plazebo 54,3 %).
Studienleiter
Dr. Daniel O. Clegg, Universität Utah, Salt Lake City, kommentierte
die Ergebnisse: "Für Patienten mit nur leichten Knieschmerzen
konnten wir keinen Benefit der chondroprotektiven Substanzen nachweisen.
Bei mittelschweren bis schweren Knieschmerzen müssen weitere, auf dieses
Patientenkollektiv angelegte Studien die Wirksamkeit der Kombination aus
Glukosamin und Chondroitin belegen." Unter Celecoxib- und der Kombinationstherapie
griffen weniger Patienten auf eine Therapie mit Paracetamol zurück.
Bessere Analgesie als Paracetamol
In der europäischen, über sechs Monate angelegten GUIDE-Studie
(Glucosamine Unum In Die Efficacy) reduzierte
eine Therapie mit 1500 mg Glukosaminsulfat täglich Knieschmerzen effektiver
als 1000 mg Paracetamol dreimal täglich oder Plazebo, berichtete Studienleiter
Dr. Gabriel Herrero Beaumont, Madrid.
An dieser Studie
hatten 318 Patienten mit symptomatischer Gonarthrose teilgenommen. Ein Ansprechen
auf die Therapie zeigte sich nach sechs Monaten bei 40 % der Patienten unter
Glukosamin (n= 106) im Vergleich zu 33,3 % unter Paracetamol (n=108) und
21,2 % unter Plazebo (n=104). Derzeit wird Paracetamol bei Gonarthrose als
Analgetikum der ersten Wahl in den internationalen Leitlinien empfohlen.
"Glukosamin ist wirksamer als Paracetamol, aber eine gute Analgesie
kann erst zwei bis drei Monaten nach der Therapie erwartet werden",
so Dr. Beaumont.
©
Medical Tribune-Online Schweiz, Dr. med. Anka Stegmeier-Petroianu
>>>ACR-Berichte
vom 15.11.2005
>>>ACR-Berichte
vom 16.11.2005
|