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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





Annual Meeting of the American College of Rheumatology (2003)

30.10.2003

Neues Therapieprinzip bei der Rheumatoiden Arthritis:

Immunzellen gezielt deaktivieren

ORLANDO – Eine neuer Immunmodulator scheint vielversprechend in der Therapie der schweren Rheumatoiden Arthritis zu sein. Das bereits in der Psoriasisbehandlung zugelassene Fusionsprotein Alefacept verhindert die Interaktion zwischen Antigen-präsentierender Zelle und T-Zelle, indem es an CD2-Rezeptoren an der Oberfläche der T-Zellen bindet. Das Besondere an der Substanz: Sie zielt direkt auf die pathogene T-Zell-Subpopulation von Memory-Zellen, während "naive", noch nicht aktivierte T- Zellen unbehelligt bleiben und damit die natürliche Immunabwehr erhalten bleibt.

Eine Studie zum Einsatz der Substanz bei Patienten mit rheumatoider Arthritis stellte Professor Matthias Schneider von der Universitätsklinik Düsseldorf am Jahreskongress des American College of Rheumatology vor. Doppelblind wurden 36 Patienten mit schwerer rheumatoider Arthritis zu einer Therapie mit Alefacept in zwei Dosierungen (3.75 mg oder 7.5 mg) oder in eine Plazebogruppe (n=12) randomisiert.   Prof. Schneider
Prof. Schneider am ACR 2003

Neben der Basismedikation Methotrexat wurde bei insgesamt 24 Patienten das Fusionsprotein einmal wöchentlich über 12 Wochen intravenös appliziert. Zusätzlich waren in allen Gruppen NSAR und niedrig dosierte Kortikosteroide zugelassen.

Die Krankheitsaktivität wurde nach den Kriterien des American College of Rheumatology erfasst: So war beispielsweise nach einer Beobachtungszeit von 14 Wochen (von insgesamt 24 Wochen) war die klinische Erfolgsquote ACR-20 unter der Therapie mit 3.7 5mg Alefacept von 33 % der Patienten erreicht worden. Unter 7.5 mg des Fusionshemmers wurde bei 42 % der Patienten die Funktionsverbesserung um 20 % gegenüber dem Ausgangswert erreicht. Unter Plazebo erreichten nur 8 % der Patienten den ACR-20.

So folgert denn auch Prof. Schneider, dass "eine 12-wöchige Alefacept-Therapie eine anhaltende Besserung der Symptome über mindestens weitere drei Monate bringt".

Dr. med. Anka Stegmeier-Petroianu


Ist es Rheumatoide Arthritis?

Serologischer Marker erlaubt Frühdiagnose

ORLANDO – Neue, gegen die Zytokinkaskade der rheumatoiden Arthritis gerichtete Therapien verbessern die Lebensqualität der Patienten und vermindern den Grad der Behinderung. Um so wichtiger ist es, die Diagnose früh zu stellen. Das scheint jetzt mit Hilfe eines Antikörpers möglich, berichtet Dr. Floris A. van Gaalen, Universitätsklinik Leiden, am Jahreskongress des American College of Rheumatology.

Zum Arsenal der Labordiagnostik bei rheumatoider Arthritis gehören jetzt Autoantikörper gegen zitrullinierte Peptide. Sie sind spezifischer als der Rheumafaktor und auch vor Symptombeginn nachweisbar. Sie richten sich gegen zitrulliniertes Fibrin, das bei RA im Gelenk gebildet wird. Der Nachweis dieser Antikörper könnte zu einer Diagnose im Frühstadium einer RA herangezogen werden, noch bevor die ACR-Kriterien erfüllt sind.

  Dr. van Gaalen
Dr. Floris A. van Gaalen am ACR 2003

Eine Anti-CCP-Bestimmung wurde bei 318 Patienten mit unspezifischer, neu aufgetretener Arthritis durchgeführt. Sie war bei 69 Patienten positiv und bei 249 Patienten negativ. Die Patienten wurden über einen Zeitraum von drei Jahren beobachtet und auf ACR-Kriterien für RA untersucht.

Exzellente Sensitivität

Nach drei Jahren wurde bei 127 (40 %) Patienten eine Rheumatoide Arthritis diagnostiziert. 97% der Patienten mit Antikörpern gegen zitrulliniertes Peptid hatten die Diagnosekriterien für RA erfüllt. Auch in der negativen Anti-CCP-Gruppe hatten 25 % eine RA entwickelt. Ein positiver Anti-CCP-Test hat einen hohen prädiktiven Wert (93%) für eine Rheumatoide Arthritis, folgert Dr. van Gaalen.

Weiterhin liefern Anti-CCP Antikörper Hinweise auf einen möglicherweise schwereren Verlauf der Erkrankung. Derzeit laufen Studien, um festzustellen, ob dieser Marker geeignet ist, um diejenigen Patienten zu identifizieren, die besonders von einer frühen Therapie profitieren.

Dr. van Gaalen‘s Take-home message an die Hausärzte: Mit einer Spezifität von 98 % ist dieser Test als Screening-Methode bei Arthritis geeignet.

Dr. med. Anka Stegmeier-Petroianu


Kardiologie beim Rheumakongress:

Was verbindet Rheuma und Atherosklerose?

ORLANDO - COX-2-Hemmer verdanken ihre Karriere einer guten Analgesie und Entzündungshemmung bei guter Magenverträglichkeit. Jetzt soll, zumindest das lipophile Celecoxib, auch auf Herz und Gefässe positiv wirken, indem es die endotheliale Funktion verbessert. Das berichtet Dr. Frank Ruschitzka, Kardiologe vom Universitätsspital Zürich, bei einem Pfizer-Symposium im Rahmen des American College of Rheumatology.

Erst kürzlich wurde gezeigt, dass Rheumatiker ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko aufweisen. Ihr Herzinfarktrisiko ist doppelt so hoch wie das der Normalbevölkerung. Rheumatoide Arthritis und KHK haben viel gemeinsam: Entzündung scheint der gemeinsame Nenne, das kranke Endothel das bindende Glied.

Herz profitiert von Celecoxib

Das Isoenzym Cyclooxygenase-2 wird erst bei einer endothelialen Dysfunktion im Blutgefäss exprimiert. Patienten mit Atherosklerose könnten daher von einem COX-2-Hemmer profitieren. Das ist das Ergebnis einer kleinen Studie.

14 Patienten mit koronarer Herzkrankheit erhielten über zwei Wochen 200 mg zweimal täglich des COX-2-Hemmers Celecoxib oder ein Plazebo.

Das hochsensitive C-reaktive Protein wurde unter Celecoxib-Therapie signifikant gesenkt. Das C-reaktive Protein, bisher lediglich als Marker des kardiovaskulären Risikos eingestuft, scheint selbst das KHK-Risiko zu erhöhen, erklärte Dr. Ruschitzka. Weitere Beobachtungen: Die endotheliale Funktion, gemessen an der Fähigkeit zur Vasodilatation, wurde ebenso verbessert.

"Kommen Sie aber nicht auf die Idee, das ASS zu stoppen. Denn die fehlende Wirkung des Celecoxib auf die COX-1-vermittelte Plättchenaggregation könnte mit einem erhöhten thrombotischen Potential einhergehen", betonte Dr. Ruschitzka.

Dr. med. Anka Stegmeier-Petroianu


Doxycyclin bei Gonarthrose

Antibiotikum schont Knorpel

ORLANDO – Doxycyclin soll möglicherweise über eine Hemmung des proteolytischen Enzyms Kollagenase dem Abbau von Knorpel bei Gonarthrose entgegenwirken. Das sind Ergebnisse von Professor Kenneth D. Brandt von der Universität Indiana, vorgestellt am Jahreskongress des American College of Rheumatology.

431 adipöse Frauen mit leichten Schmerzen einer Gonarthrose bekamen über 30 Monate 100 mg Doxycyclin zweimal täglich oder ein Plazebo verabreicht.

Kniegelenksspaltverschmälerungen traten unter Doxycyclin zu 33 % weniger auf als unter Plazebo. Mit der Substanz gelang es - über das Hinauszögern von radiologischen Kniegelenksveränderungen hinaus - die Zeitspanne bis zu einer Verschlimmerung der Knieschmerzen zu verlängern.

Dr. med. Anka Stegmeier-Petroianu


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