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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





66th Annual Meeting of the American College of Rheumatology

29.10.2002

Morbus Bechterew

Hypersomnolenz unabhängig von Krankheitsaktivität

NEW ORLEANS – Die häufig im Zusammenhang mit einer ankylosierenden Spondylitis berichtete Müdigkeit scheint unabhängig von der Krankheitsaktivität zu sein. Zu diesem Fazit kommen Dr. Trevor N. Duffy und Kollegen aus Dublin.

An der Jahrestagung des American College of Rheumatology berichteten sie von 50 Männern und 26 Frauen mit Morbus Bechterew, die auf einer Müdigkeits-Skala (Epworth Sleepiness Skale) einen erhöhten Score erzielten. Im Vergleich zur Normalbevölkerung, in der 2 bis 6 % der Männer mittleren Alters unter einer obstruktiven Schlafapnoe leiden, klagten in dieser Untersuchung 29,3 % der Patienten über eine übermässige Tagesmüdigkeit.

Dies könnte eine grössere Prävalenz der Schlafapnoe unter Bechterew-Patienten bedeuten, mutmassen die Forscher. Eine Kontrolle der Entzündung allein mag dabei nicht ausreichen, die Müdigkeit in den Griff zu bekommen – gezielte Massnahmen gegen die Hypersomnolenz könnten sich als nützlicher erweisen.

 

Rheumatoide Arthritis verhindern

Besser Kaffee oder Tee trinken?

NEW ORLEANS – Kaffeetrinker können aufatmen. Noch unlängst hiess es, der Genuss von Kaffee sei mit einem erhöhten Risiko einer rheumatoiden Arthritis assoziiert. Tee trinken war die Devise – zumindest was diesen Aspekt anging. Ein solcher Zusammenhang liess sich in einer diesbezüglichen Auswertung der Daten der Nurses Health Study jedoch nicht bestätigen.

Die als Poster an der Jahrestagung des American College of Rheumatology von Dr. Elizabeth W. Karlson, Brigham and Women’s Hospital, Boston, präsentierten Daten basieren auf regelmässiger Befragung der 121 701 in der Studie eingeschlossenen Frauen. Von 1984 bis 1996 wurden deren Ernährungsgewohnheiten alle vier Jahre per Fragebogen erhoben, immerhin 81 757 nahmen bis zum Ende an dieser Befragung teil. Zwischen 1985 und 2000 entwickelten 328 der Frauen eine rheumatoide Arthritis. Bei diesen wurden nun genauer die Trinkgewohnheiten vor Beginn der Erkrankung in Augenschein genommen.

Unter Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren ergab sich dabei kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Genuss von bis zu vier Tassen Kaffee am Tag – unabhängig davon, ob dieser Koffein enthielt oder nicht. Auch diejenigen, die mehr als drei Tassen Tee täglich konsumierten, wiesen kein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer rheumatoiden Arthritis auf. Mü

 

Schützt Stillen vor rheumatoider Arthritis?

NEW ORLEANS – Welche Rolle spielen die im Zusammenhang mit der Fortpflanzung stehenden weiblichen Hormone bei der Entwicklung einer rheumatoiden Arthritis? Dieser Frage nahm sich die Arbeitsgruppe um Dr. Elizabeth W. Karlson vom Brigham & Women Hospital in Boston an.

Nach einer Auswertung der Daten der Nurses Health Study konnte sie zeigen, dass insbesondere dem Stillen eine schützende Funktion zukommt. Der Ausmass des Schutzes ist abhängig von der Stilldauer, wie sie an der Jahrestagung des American College of Rheumatology berichteten. Ab einer Stillzeit von über 12 Monaten bezifferten sie das Relative Risiko mit 0,7. Kinderlose Frauen hingegen wiesen ein relatives Risiko von 1,3 auf, eine rheumatoide Arthritis zu entwickeln. Weitere Parameter, wie Zeitpunkt der Menarche, Anzahl der Kinder, die Einnahme oraler Kontrazeptiva oder eine Hormonersatztherapie hingegen waren nicht mit einem erhöhten Risiko assoziiert.

 

Morbus Bechterew

TNF-alpha Blocker vielversprechend

NEW ORLEANS – Auch Bechterew-Patienten scheinen von einer Behandlung mit dem TNF-alpha Blocker Etanercept profitieren zu können. Eine deutsche Arbeitsgruppe um Dr. Jan Brandt, Benjamin Franklin Hospital, Freie Universität Berlin, überprüfte die Wirksamkeit der Substanz bei 30 Patienten mit akutem Schub eines Morbus Bechterew.

Die 22 Männer und 8 Frauen litten im Schnitt bereits 13 Jahre an ihrer Erkrankung. Sie erhielten nun randomisiert 6 Wochen lang entweder Etanercept (n=14, 25 mg/ 2 mal pro Woche) oder Plazebo (n=16). Nach sechs Wochen bekamen die Patienten der Plazebo-Gruppe dann bis Woche 18 den TNF alpha-Blocker, die Verum-Gruppe führte ihre Behandlung fort bis Woche 12. Insgesamt wurden die Patienten über 30 Wochen beobachtet.

Nach den ersten 6 Wochen zeigten 57 % der Patienten unter Etanercept eine 50%ige Minderung der Krankheitsaktivität gegenüber 6 % der mit Plazebo Behandelten – erkennbar beispielsweise an einer verbesserten Funktion oder einer reduzierten Anzahl geschwollener Gelenke. Aber auch das C-reaktive Protein sank unter Etanercept signifikant ab. Sechs Wochen nach dem Wechsel der Plazebo-Gruppe auf das Verum sprachen die Patienten in ähnlicher Weise auf die Therapie an (56,3 ). Bis hin zur Woche 30 waren keine ernsthaften Nebenwirkungen oder Infekte zu verzeichnen.

Alles in allem, so das Fazit der Autoren an der Jahrestagung des American College of Rheumatology, profitierten die Patienten von der 3-monatigen Behandlung. Zwar verbesserte sich das Befinden der Patienten im Vergleich zu Infliximab unter Etanercept langsamer und die Besserung hielt nach Absetzen der Substanz weniger lange an, dafür waren aber auch weniger Nebenwirkungen zu verzeichnen. Sie bezeichneten Etanercept als eine weitere vielversprechende Option für Bechterew-Patienten.


Zytokine bändigen bei Rheumakranken

Länger fit und arbeitsfähig durch IL-1-Blockade

NEW ORLEANS - Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis läuft die Zytokin-Maschine auf Hochtouren. Eine Hauptrolle spielt dabei Interleukin-1, wie man heute weiß. Durch Blockade dieses Entzündungs-Treibers lässt sich die Gelenkzerstörung aufhalten.

Zytokine als Hauptakteure bei rheumatoider Arthritis: Während TNFalpha Mediator der Entzündung zu sein scheint, ist Interleukin-1 (IL-1) offenbar zudem hauptverantwortlich für den destruktiven Gelenkprozess, erklärte Professor Dr. Charles A. Dinarello von der University of Colorado bei einem Symposium der Firma Amgen auf der Tagung der American Congress of Rheumatology (ACR).

Die Entwicklung des ersten rekombinanten humanen IL-1-Rezeptorantagonisten Anakinra (Kineret(r)) stellte daher einen vielversprechenden Therapieansatz dar. Mittlerweile wurden Wirksamkeit und Sicherheit der Substanz in mehreren plazebokontrollierten Studien überprüft, die Professor Dr. Barry Bresnihan vom St. Vincent's University Hospital, Dublin vorstellte.  Die drei größte Wirksamkeitsstudien hatten als primären Endpunkt den Anteil der Patienten, die laut ACR-Symptomscore eine Besserung von mindestens 20 % erfuhren.

Dass der IL-1-Blocker die Knochen- und Knorpelzerstörung aufhält, habe u.a. eine Studie an rund 900 schwer kranken Polyarthritiskranken gezeigt, die aktuell auf diesem Kongress präsentiert wurde, berichtete der Kollege. Einen signifikanten Vorteil hinsichtlich der Sharp Scores als Mass für die Gelenkzerstörung sei sogar bei Patienten ohne klare klinische Besserung festgestellt worden.

In der European Monotherapy Study mit 472 Teilnehmern, die verschiedene Dosen von Anakinra gegen Plazebo testete, war die Verumpatienten aus der 150 mg-Gruppe nach 24 Wochen klar im Vorteil gegenüber der Plazebogruppe, was in der weiteren Nachbeobachtung anhielt. Das schlug sich auch auf die Ausfälle am Arbeitsplatz nieder: Im Mittel waren die Patienten unter Anakinra 2,3 Tage pro Monat weniger krankgeschrieben, ein Gewinn von knapp zwei Wochen schon im ersten halben Jahr, betonte Prof. Bresnihan. Im zweiten halben Jahr waren dies sogar 3,7 Tage pro Monat entsprechend drei Wochen. Mehr Energie und Mobilität, besserer Schlaf, sowie weniger Schmerz und emotionale Reaktionen lauteten weitere Befunde in der Verumgruppe.

Die MTX-Combination Study mit 419 Teilnehmern ermittelte eine signifikante Dosis-Wirkungsbeziehung bei Patienten, die Anakinra zusätzlich zu Methotrexat erhielten. Bei einer Dosierung von 1 mg/kg KG ließen sich klare Vorteile - sogar im ACR 50 und ACR 70-Score - gegenüber Plazebo ermitteln. Anhaltende Besserung des ACR 20 war das Fazit der Confirmatory Efficacy Study an 501 Patienten. Als optimale Dosis haben sich den bisherigen Daten zu Folge 100 mg erwiesen, so der Experte.

In der Wide-Ranging Safety Study an knapp 1400 Patienten über etwa drei Jahre erwies sich die Substanz zudem als sicher; insbesondere traten nicht vermehrt opportunistische Infektionen, Tuberkulose oder Sepsis auf, wie  Professor Dr. Joseph Markenson vom New York Hospital, New York berichtete. Die häufigste Nebenwirkung bestand in Reaktionen an der Injektionsstelle. Diese erlebten rund 70 % der Patienten mindestens einmal. Insgesamt 7 % der Patienten brachen die Behandlung deshalb ab. In der Regel waren Schmerz, Schwellung und Rötung aber vorübergehend, ließen sich topisch mit Eis und Steroiden behandeln, und traten in der Regel nach vier bis sechs Therapiewochen nicht mehr auf.

Nicht erfüllt hat sich indes die Hoffung, durch Kombination von IL-1- und TNFalpha-Antagonismus das Krankheitsgeschehen noch effizienter zu unterdrücken. In der "Combination Efficacy Study", die Professor Dr. Larry W. Moreland von der University of Alabama, Birmingham, präsentierte, beeinflusste die Kombination Anakinra/Etanercept zwar die BSG-Reaktion besser als der TNFalpha-Blocker allein. In Sachen ACR-Score zeigte sich jedoch kein Vorteil der doppelten Antizytokin-Therapie.      CG

 

Gewichtsabnahme gegen Kniearthrose

Männer profitieren mehr als Frauen

NEW ORLEANS – Von einer Gewichtsabnahme scheinen Männer mehr als Frauen zu profitieren, wenn es um die Kniegelenksarthrose geht. So das Ergebnis einer an der Jahrestagung des American College of Rheumatology präsentierten Studie.

Bekanntermassen gilt Übergewicht insbesondere hinsichtlich einer Kniegelenksarthrose als Risikofaktor. Die Empfehlung zur Gewichtsabnahme gehört zum Repertoire, wenn es darum geht, Schmerzen und Progression der Erkrankung zu vermindern. Der Untersuchung von Dr. Margarat Lethbridge-Cejku, CDC, Atlanta, und Kollegen zufolge, wirkt sich eine solche aber bei Männern und Frauen verschieden aus. Gegenstand der Untersuchung waren sowohl Gewicht und Gewichtsveränderungen im Zusammenhang mit der Inzidenz einer Kniearthrose als auch die Beeinflussung einer bestehenden Arthrose durch Gewichtsabnahme.

Daten von 179 Männer und 110 Frauen mit einem mittleren BMI von 25 plus minus vier wurden dafür genauer unter die Lupe genommen und über 10 Jahre verfolgt. Sowohl Inzidenz als auch Progression einer Kniegelenksarthrose wurden in dieser Studie radiologisch beurteilt, und dies von zwei unabhängigen erfahrenen Experten.

Nach Berücksichtigung diverser Parameter wie beispielsweise Alter, Rauchverhalten, hormonellem Status, zeigte sich Unterschiedliches für Männer und Frauen: Eine Zunahme um 2 kg oder 2 Einheiten im Bodymass/Index innerhalb der 10 Jahre war bei den Frauen signifikant mit der Entwicklung einer Kniegelenksarthrose assoziiert, nicht aber bei den Männern. Eine Gewichtsabnahme um 10 % des Ausgangsgewichts oder Einstiegs-BMI reduzierte das Risiko der Männer signifikant, nicht aber das der Frauen.

"Die Ergebnisse unserer Untersuchung legen nahe, dass sich Übergewicht bei Männern und Frauen diesbezüglich verschieden niederschlägt, und das sowohl bei bestehender Erkrankung als auch in der Prävention", fasste die Autorin ihre Ergebnisse zusammen. Mü

 

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