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29.10.2002
Morbus Bechterew
Hypersomnolenz unabhängig
von Krankheitsaktivität
NEW ORLEANS – Die häufig
im Zusammenhang mit einer ankylosierenden Spondylitis berichtete Müdigkeit
scheint unabhängig von der Krankheitsaktivität zu sein. Zu diesem
Fazit kommen Dr. Trevor N. Duffy und Kollegen aus Dublin.
An der Jahrestagung
des American College of Rheumatology berichteten sie von 50 Männern
und 26 Frauen mit Morbus Bechterew, die auf einer Müdigkeits-Skala
(Epworth Sleepiness Skale) einen erhöhten Score erzielten. Im Vergleich
zur Normalbevölkerung, in der 2 bis 6 % der Männer mittleren
Alters unter einer obstruktiven Schlafapnoe leiden, klagten in dieser
Untersuchung 29,3 % der Patienten über eine übermässige
Tagesmüdigkeit.
Dies könnte eine grössere
Prävalenz der Schlafapnoe unter Bechterew-Patienten bedeuten, mutmassen
die Forscher. Eine Kontrolle der Entzündung allein mag dabei nicht
ausreichen, die Müdigkeit in den Griff zu bekommen – gezielte Massnahmen
gegen die Hypersomnolenz könnten sich als nützlicher erweisen.
Rheumatoide Arthritis
verhindern
Besser Kaffee oder Tee trinken?
NEW ORLEANS – Kaffeetrinker können
aufatmen. Noch unlängst hiess es, der Genuss von Kaffee sei mit einem
erhöhten Risiko einer rheumatoiden Arthritis assoziiert. Tee trinken
war die Devise – zumindest was diesen Aspekt anging. Ein solcher Zusammenhang
liess sich in einer diesbezüglichen Auswertung der Daten der Nurses
Health Study jedoch nicht bestätigen.
Die als Poster an der Jahrestagung des
American College of Rheumatology von Dr. Elizabeth W. Karlson,
Brigham and Women’s Hospital, Boston, präsentierten Daten basieren
auf regelmässiger Befragung der 121 701 in der Studie eingeschlossenen
Frauen. Von 1984 bis 1996 wurden deren Ernährungsgewohnheiten alle
vier Jahre per Fragebogen erhoben, immerhin 81 757 nahmen bis zum
Ende an dieser Befragung teil. Zwischen 1985 und 2000 entwickelten 328
der Frauen eine rheumatoide Arthritis. Bei diesen wurden nun genauer die
Trinkgewohnheiten vor Beginn der Erkrankung in Augenschein genommen.
Unter Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren
ergab sich dabei kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Genuss von
bis zu vier Tassen Kaffee am Tag – unabhängig davon, ob dieser Koffein
enthielt oder nicht. Auch diejenigen, die mehr als drei Tassen Tee täglich
konsumierten, wiesen kein erhöhtes Risiko für die Entwicklung
einer rheumatoiden Arthritis auf. Mü
Schützt
Stillen vor rheumatoider Arthritis?
NEW ORLEANS – Welche
Rolle spielen die im Zusammenhang mit der Fortpflanzung stehenden weiblichen
Hormone bei der Entwicklung einer rheumatoiden Arthritis? Dieser Frage
nahm sich die Arbeitsgruppe um Dr. Elizabeth W. Karlson vom Brigham &
Women Hospital in Boston an.
Nach einer Auswertung der
Daten der Nurses Health Study konnte sie zeigen, dass insbesondere dem
Stillen eine schützende Funktion zukommt. Der Ausmass des Schutzes
ist abhängig von der Stilldauer, wie sie an der Jahrestagung des
American College of Rheumatology berichteten. Ab einer Stillzeit von
über 12 Monaten bezifferten sie das Relative Risiko mit 0,7. Kinderlose
Frauen hingegen wiesen ein relatives Risiko von 1,3 auf, eine rheumatoide
Arthritis zu entwickeln. Weitere Parameter, wie Zeitpunkt der Menarche,
Anzahl der Kinder, die Einnahme oraler Kontrazeptiva oder eine Hormonersatztherapie
hingegen waren nicht mit einem erhöhten Risiko assoziiert.
Morbus Bechterew
TNF-alpha Blocker vielversprechend
NEW ORLEANS – Auch Bechterew-Patienten
scheinen von einer Behandlung mit dem TNF-alpha Blocker Etanercept profitieren
zu können. Eine deutsche Arbeitsgruppe um Dr. Jan Brandt, Benjamin
Franklin Hospital, Freie Universität Berlin, überprüfte
die Wirksamkeit der Substanz bei 30 Patienten mit akutem Schub eines Morbus
Bechterew.
Die 22 Männer und
8 Frauen litten im Schnitt bereits 13 Jahre an ihrer Erkrankung. Sie erhielten
nun randomisiert 6 Wochen lang entweder Etanercept (n=14, 25 mg/
2 mal pro Woche) oder Plazebo (n=16). Nach sechs Wochen bekamen die Patienten
der Plazebo-Gruppe dann bis Woche 18 den TNF alpha-Blocker, die Verum-Gruppe
führte ihre Behandlung fort bis Woche 12. Insgesamt wurden die Patienten
über 30 Wochen beobachtet.
Nach den ersten 6 Wochen
zeigten 57 % der Patienten unter Etanercept eine 50%ige Minderung
der Krankheitsaktivität gegenüber 6 % der mit Plazebo Behandelten
– erkennbar beispielsweise an einer verbesserten Funktion oder einer reduzierten
Anzahl geschwollener Gelenke. Aber auch das C-reaktive Protein sank unter
Etanercept signifikant ab. Sechs Wochen nach dem Wechsel der Plazebo-Gruppe
auf das Verum sprachen die Patienten in ähnlicher Weise auf die Therapie
an (56,3 ). Bis hin zur Woche 30 waren keine ernsthaften Nebenwirkungen
oder Infekte zu verzeichnen.
Alles in allem, so das
Fazit der Autoren an der Jahrestagung des American College of Rheumatology,
profitierten die Patienten von der 3-monatigen Behandlung. Zwar verbesserte
sich das Befinden der Patienten im Vergleich zu Infliximab unter Etanercept
langsamer und die Besserung hielt nach Absetzen der Substanz weniger lange
an, dafür waren aber auch weniger Nebenwirkungen zu verzeichnen.
Sie bezeichneten Etanercept als eine weitere vielversprechende Option
für Bechterew-Patienten.
Zytokine
bändigen bei Rheumakranken
Länger
fit und arbeitsfähig durch IL-1-Blockade
NEW
ORLEANS - Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis läuft die Zytokin-Maschine
auf Hochtouren. Eine Hauptrolle spielt dabei Interleukin-1, wie man heute
weiß. Durch Blockade dieses Entzündungs-Treibers lässt sich die Gelenkzerstörung
aufhalten.
Zytokine
als Hauptakteure bei rheumatoider Arthritis: Während TNFalpha Mediator
der Entzündung zu sein scheint, ist Interleukin-1 (IL-1) offenbar zudem
hauptverantwortlich für den destruktiven Gelenkprozess, erklärte Professor
Dr. Charles A. Dinarello von der University of Colorado bei einem
Symposium der Firma Amgen auf der Tagung der American Congress of Rheumatology
(ACR).
Die
Entwicklung des ersten rekombinanten humanen IL-1-Rezeptorantagonisten
Anakinra (Kineret(r)) stellte daher einen vielversprechenden Therapieansatz
dar. Mittlerweile wurden Wirksamkeit und Sicherheit der Substanz in mehreren
plazebokontrollierten Studien überprüft, die Professor Dr. Barry Bresnihan
vom St. Vincent's University Hospital, Dublin vorstellte. Die drei größte
Wirksamkeitsstudien hatten als primären Endpunkt den Anteil der Patienten,
die laut ACR-Symptomscore eine Besserung von mindestens 20 % erfuhren.
Dass
der IL-1-Blocker die Knochen- und Knorpelzerstörung aufhält, habe u.a.
eine Studie an rund 900 schwer kranken Polyarthritiskranken gezeigt, die
aktuell auf diesem Kongress präsentiert wurde, berichtete der Kollege.
Einen signifikanten Vorteil hinsichtlich der Sharp Scores als Mass für
die Gelenkzerstörung sei sogar bei Patienten ohne klare klinische Besserung
festgestellt worden.
In
der European Monotherapy Study mit 472 Teilnehmern, die verschiedene
Dosen von Anakinra gegen Plazebo testete, war die Verumpatienten aus der
150 mg-Gruppe nach 24 Wochen klar im Vorteil gegenüber der Plazebogruppe,
was in der weiteren Nachbeobachtung anhielt. Das schlug sich auch auf
die Ausfälle am Arbeitsplatz nieder: Im Mittel waren die Patienten unter
Anakinra 2,3 Tage pro Monat weniger krankgeschrieben, ein Gewinn von knapp
zwei Wochen schon im ersten halben Jahr, betonte Prof. Bresnihan. Im zweiten
halben Jahr waren dies sogar 3,7 Tage pro Monat entsprechend drei Wochen.
Mehr Energie und Mobilität, besserer Schlaf, sowie weniger Schmerz und
emotionale Reaktionen lauteten weitere Befunde in der Verumgruppe.
Die
MTX-Combination Study mit 419 Teilnehmern ermittelte eine signifikante
Dosis-Wirkungsbeziehung bei Patienten, die Anakinra zusätzlich zu Methotrexat
erhielten. Bei einer Dosierung von 1 mg/kg KG ließen sich klare Vorteile
- sogar im ACR 50 und ACR 70-Score - gegenüber Plazebo ermitteln. Anhaltende
Besserung des ACR 20 war das Fazit der Confirmatory Efficacy Study an
501 Patienten. Als optimale Dosis haben sich den bisherigen Daten zu Folge
100 mg erwiesen, so der Experte.
In
der Wide-Ranging Safety Study an knapp 1400 Patienten über etwa drei Jahre
erwies sich die Substanz zudem als sicher; insbesondere traten nicht vermehrt
opportunistische Infektionen, Tuberkulose oder Sepsis auf, wie Professor
Dr. Joseph Markenson vom New York Hospital, New York berichtete. Die häufigste
Nebenwirkung bestand in Reaktionen an der Injektionsstelle. Diese erlebten
rund 70 % der Patienten mindestens einmal. Insgesamt 7 % der Patienten
brachen die Behandlung deshalb ab. In der Regel waren Schmerz, Schwellung
und Rötung aber vorübergehend, ließen sich topisch mit Eis und Steroiden
behandeln, und traten in der Regel nach vier bis sechs Therapiewochen
nicht mehr auf.
Nicht
erfüllt hat sich indes die Hoffung, durch Kombination von IL-1- und TNFalpha-Antagonismus
das Krankheitsgeschehen noch effizienter zu unterdrücken. In der "Combination
Efficacy Study", die Professor Dr. Larry W. Moreland von der
University of Alabama, Birmingham, präsentierte, beeinflusste die Kombination
Anakinra/Etanercept zwar die BSG-Reaktion besser als der TNFalpha-Blocker
allein. In Sachen ACR-Score zeigte sich jedoch kein Vorteil der doppelten
Antizytokin-Therapie. CG
Gewichtsabnahme
gegen Kniearthrose
Männer
profitieren mehr als Frauen
NEW ORLEANS
– Von einer Gewichtsabnahme scheinen Männer mehr als Frauen zu profitieren,
wenn es um die Kniegelenksarthrose geht. So das Ergebnis einer an der
Jahrestagung des American College of Rheumatology präsentierten
Studie.
Bekanntermassen
gilt Übergewicht insbesondere hinsichtlich einer Kniegelenksarthrose
als Risikofaktor. Die Empfehlung zur Gewichtsabnahme gehört zum Repertoire,
wenn es darum geht, Schmerzen und Progression der Erkrankung zu vermindern.
Der Untersuchung von Dr. Margarat Lethbridge-Cejku, CDC, Atlanta,
und Kollegen zufolge, wirkt sich eine solche aber bei Männern und
Frauen verschieden aus. Gegenstand der Untersuchung waren sowohl Gewicht
und Gewichtsveränderungen im Zusammenhang mit der Inzidenz einer
Kniearthrose als auch die Beeinflussung einer bestehenden Arthrose durch
Gewichtsabnahme.
Daten von
179 Männer und 110 Frauen mit einem mittleren BMI von 25 plus minus
vier wurden dafür genauer unter die Lupe genommen und über 10
Jahre verfolgt. Sowohl Inzidenz als auch Progression einer Kniegelenksarthrose
wurden in dieser Studie radiologisch beurteilt, und dies von zwei unabhängigen
erfahrenen Experten.
Nach Berücksichtigung
diverser Parameter wie beispielsweise Alter, Rauchverhalten, hormonellem
Status, zeigte sich Unterschiedliches für Männer und Frauen:
Eine Zunahme um 2 kg oder 2 Einheiten im Bodymass/Index innerhalb der
10 Jahre war bei den Frauen signifikant mit der Entwicklung einer Kniegelenksarthrose
assoziiert, nicht aber bei den Männern. Eine Gewichtsabnahme um 10
% des Ausgangsgewichts oder Einstiegs-BMI reduzierte das Risiko der Männer
signifikant, nicht aber das der Frauen.
"Die
Ergebnisse unserer Untersuchung legen nahe, dass sich Übergewicht
bei Männern und Frauen diesbezüglich verschieden niederschlägt,
und das sowohl bei bestehender Erkrankung als auch in der Prävention",
fasste die Autorin ihre Ergebnisse zusammen. Mü
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