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MT - ACC-Kongress 2004 in New Orleans
Medical Tribune AG



Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





 

Willkommen bei unserer Berichterstattung an der 53rd Annual Scientific Session of the American College of Cardiology (ACC), New Orleans 2004

 

 

 

12.3.2004

 

Ezetimibe-Studie mit 3000 Patienten

LDL in den Griff bekommen

NEW ORLEANS - Die grösste Studie, die je mit Ezetimibe durchgeführt worden ist, stellte Professor Dr. Thomas Pearson, University of Rochester Medical School, am 53. Jahreskongress des American College of Cardiology vor. Die Kombination von Ezetimibe mit einer stabilen Statinmedikation senkte das LDL-Cholesterin um weitere 26 %.

"Aus verschiedenen Gründen schaffen es manche Patienten nicht, unter einer Statin-Monotherapie, die emfohlenen LDL-Zielwerte zu erreichen," sagte Prof. Pearson. "Mit unseren Ergebnissen bietet sich dem behandelnden Arzt eine Möglichkeit, die LDL-Zielwerte tatsächlich zu erreichen," so der Studienleiter des EASE-Trails (Ezetimibe Add-On Statin of Effectiveness). Mit der Kombination von Statin und Ezetimibe gelingt die duale Inhibition zweier Cholesterin-Quellen: der Leber und des Dünndarms.

Die Untersuchung lief über 6 Wochen, war randomisiert und multizentrisch. Aufgenommen wurden 3030 Patienten mit LDL-Cholesterinwerten, die über den amerikanischen NCEP ATP III - Richtlinien lagen, nämlich zwischen 123 und 167 mg/dl (3,2 bis 4,3 mmol/l). Als Statine wurden die bekannten Lipidsenker wie Atorvastatin, Simvastatin, Pravastatin und andere verordnet. 62 % der Studienteilnehmer erhielten ihr Statin in normaler Dosierung. Viele Patienten litten unter Diabetes (38 %) und metabolischem Syndrom (60 %). Im Schnitt waren die Patienten 62 Jahre alt.

Die Studienergebnisse zeigen, dass Ezetimibe zu einer stabilen Statinmedikation dazugegeben, das LDL-Cholesterin um weitere 26% senkt, versus 3% im Plazeboarm. "Ezetimibe zu einem Statin hinzufügen heisst, das LDL-Cholesterin signifikant zu senken; und davon profitieren vor allem Risikopatienten wie Diabetiker und Patienten mit metabolischem Syndrom," sagte Prof. Pearson.

Ezetimibe kann alleine oder kombiniert mit einem Statin verordnet werden. Wird es kombiniert, sollten Leberfunktionstest gemäss der Medikamenteninformation des Statins gemacht werden. Eine Leberkontrolle bei Ezetimibe-Monotherapie ist nicht nötig. In den klinischen Studien ist zu keiner erhöhten Inzidenz von Rhabdomyolyse oder Myopathie in Verbindung mit Ezetimibe gekommen.

Seit November 2002 wurde Ezetimibe allein in den USA über 6 Millionen Mal verordnet. Derzeit ist es neben den USA in Deutschland, der Schweiz, Gossbritannien, Schweden und Holland auf dem Markt.

Pow


Atherosklerose gezielt angehen

NEW ORLEANS – Das Risiko eines Schlaganfalls bleibt auch heute noch in der Therapie vaskulärer Erkrankungen viel zu häufig unberücksichtigt. Und dabei gibt es präventive Massnahmen, die richtig eingesetzt das Risiko drastisch senken können, so das Fazit eines Expertengesprächs, das mit der freundlichen Unterstützung von MSD anlässlich des diesjährigen ACC stattfand.

Die Hypertonie ist heute immer noch unter behandelt – dies trägt nicht zuletzt wesentlich dazu bei, dass der Schlaganfall heute weltweit die Todesursache Nummer zwei darstellt. Fünf Millionen Patienten sterben jährlich daran. Eine Erhebung aus dem Norden Schwedens, deren Ergebnisse sicher auch über Schweden hinaus zutreffen, hat gezeigt, dass nur bei einem von 129 Schlaganfallpatienten die Hypertonie mit ausreichenden Ergebnissen behandelt wurde, wie Professor Dr. Björn Dahlöf, University of Göteborg, Schweden, berichtete. Und dabei geht es nicht nur um massiv überhöhte Werte, die es zu senken gilt. Noch immer haben viele Patienten einen Blutdruck zwischen 140 bis 159 zu 90 bis 99 mmHg – und aus dieser Gruppe kommt die Mehrheit. Einen Hinweis darauf, wie wichtig die adäquate Einstellung ist, gibt auch die Tatsache, dass die Hypertonie zwar in den USA häufiger ist als in Europa, aber dort eine bessere Einstellung zu erfolgen scheint: Und dies schlägt sich in einer deutlich höheren Schlaganfallhäufigkeit und Mortalität in Europa als in den USA nieder.

Einen Weg zur Reduktion des Schlaganfallrisikos zeigt beispielsweise LIFE (The Losartan Intervention For Endpoint Reduction in Hypertension Study). In dieser Studien war unter 100 mg Losartan eine 50%ige Gesamtrisikoreduktion und bezüglich Schlaganfall eine Abnahme des Risikos um 25 % versus der Vergleichssubstanz Atenolol zu verzeichnen, bei vergleichbarer Blutdrucksenkung beider Therapien. Anhand eines konkreten Beispiels verdeutlichte der Experte die Grössenordnung: Umgelegt auf Europa könnten so in fünf Jahren etwa 125 000 Schlaganfälle vermieden werden.

Ein Klasseneffekt ist bislang nicht bewiesen, eine Rolle könnte laut Prof. Dahlöf unter anderem die urikosurische Wirkung des Losartans spielen. Ganz wichtig ist es aber, die richtige Dosis einzusetzen: Nimmt man statt der in der Studie verwendeten 100 mg nur 50 mg Losartan, wird man den Blutdruck zwar in ähnlicher Weise senken können, aber die additiven Effekte, die zur Risikoreduktion hinsichtlich des Schlaganfalls führen, sind so nicht zu erreichen, warnte Prof. Dahlöf.

Aber auch die Wirkung der Statine macht sich nicht nur am Herzen bemerkbar, wie Professor Dr. Roger Darioli, CHUV, Lausanne, erinnerte. Nicht die kardiovaskuläre Prävention, sondern die Prävention der Atherosklerose sollte heute im Mittelpunkt der Bemühungen stehen. Und zwar sowohl von Seiten des Patienten (z.B. gesunde Lebensweise) als auch der behandelnden Ärzte: Eine individuelle Einschätzung des vaskulären Risikos gehört heute unbedingt dazu, und bei erhöhtem Risiko auch eine lipidsenkende Therapie.

Ein Argument dafür liefert beispielsweise die neue Subgruppenanalyse der Heart Protection Study (HPS). Unter Simvastatin 40 mg/d konnte bei Hochrisikopatienten eine Reduktion des Schlaganfallrisikos um etwa ein Drittel erzielt werden, und das unabhängig vom Ausgangswert des Cholesterins. Untersucht wurden 20 536 Patienten mit verschiedensten kardiovaskulären Risikofaktoren, von koronarer Herzerkrankung über Diabetes bis zu peripherer Gefässerkrankung oder Bluthochdruck. Im ersten Jahr zeichnete sich bereits ein Trend hinsichtlich reduktion des Schlaganfallrisikos ab, ab dem zweiten Jahr waren die Resultate hochsignifikant.

HPS-Studie zeigt Senkung des Schlaganfallrisikos

  • um 25 % über alle Patienten (Simvastatin 40 mg (4,3%) vs. Plazebo (5,7%))
  • um 34 % bei Patienten ohne vorbestehende zerebrovaskuläre Erkrankung
  • um ein Viertel bei Patienten mit oder ohne koronare Erkrankung, mit oder ohne Diabetes.
  • eine 23%ige Senkung des Risikos für grössere vaskuläre Ereignisse bei Patienten mit zerebrovaskulärer Erkrankung ohne klinische Anzeichen einer Koronarerkrankung bei Studienbeginn.

 


First Lady in Rot am ACC

NEW ORLEANS - In diesem Jahr beehrte First Lady Laura Bush den ACC . Mit ihrem Auftritt im symbolträchtigen roten Kostüm wollte die Präsidentengattin einem zentralen Thema der Veranstaltung mehr Gewicht verleihen: "Frauen und ischämische Herzerkrankung". Mit roten Designerkleidern von Top-Modeschöpfern und Anstecknadeln in Form roter Kleider, der "Red Dress"-Kampagne, soll für mehr Beachtung des Themas in der Bevölkerung und bei Ärzten gesorgt werden.

Nach wie vor unterschätzen sowohl die Frauen selbst, aber oft auch ihre Ärzte die gesundheitliche Gefährdung durch den Herzinfarkt, betonte ACC-Präsident Professor Dr. Carl J. Pepine, University of Florida, bei seiner Begrüssung der Kongressteilnehmer. Krebserkrankungen wie das Mammakarzinom sehen 80 bis 90 % der Frauen Umfragen zufolge als Hauptbedrohung an. Doch, so Prof. Pepine, tatsächlich fallen zweimal so viele Frauen kardiovaskulären Erkrankungen zum Opfer.  

Laura Bush
Die First Lady am ACC

Geschlechtsspezifische Muster in Symptomatik und Therapie der "weiblichen KHK" werden oft nicht ausreichend berücksichtigt, so der Kardiologe. Erkenntnisse, die in Studien fast ausschliesslich bei Männern gewonnen wurden, werden einfach auf Frauen übertragen. Doch gibt es signifikante Unterschiede. So findet man bei Frauen mit Angina-Symptomatik z.B. zu 62 % im Angiogramm gar keine oder nur minimale Stenosen. Trotzdem liegt die Zwei-Jahressterblichkeit in dieser Gruppe bei knapp 1 0%, wie Ergebnisse der ebenfalls beim ACC präsentierten WISE-Studie (Women`s Ischemia Syndrome Evaluation) belegen. Den Grund der schlechten Prognose enthüllen Untersuchungen mit intravasalem Ultraschall (IVUS): Damit sind bei 80 % der Frauen multiple Plaques nachzuweisen, die im Angiogramm nicht zu sehen waren.

Diese Besonderheit führt dazu, dass die KHK bei Frauen oft nicht diagnostiziert und dementsprechend auch nicht adäquat behandelt wird, erläuterte Prof. Pepine. Kommt es dann zum koronaren Akutereignis, haben Frauen wiederum eine deutlich schlechtere Prognose als Männer.

Um die "Awareness" für die Problematik der ischämischen Herzerkrankung sowohl bei den Frauen als auch bei ihren Ärzten zu steigern, haben ACC, AHA (American Heart Association) und das National Heart, Lung and Blood Institute die "Red Dress"-Kampagne ins Leben gerufen. Top-Designer wie Donna Karan, Calvin Klein und Oscar de la Renta haben Kleider in der Warnfarbe Rot entworfen, die während des Kongresses ausgestellt sind. Und die Teilnehmer des Galadinners sind ebenfalls aufgefordert, als Frau im roten Kleid oder als Mann mit roter Krawatte zu erscheinen, um ihre Unterstützung für die Aktion zu demonstrieren. bös

 

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