|
Studie
zur Homocystein-Senkung mit Folsäure
Kurz
nach Stentimplantation lässt man’s besser bleiben
CHICAGO
– Gibt man Patienten nach einer PTCA Folsäure (in Kombination mit
den Vitaminen B6 und B12), halbiert dies deren Restenose-Risiko, ergab
kürzlich eine Schweizer Studie. Doch eine in Chicago präsentierte
deutsch-holländische Untersuchung zeigt nun, dass es besser ist,
auf eine solche Vitamingabe zu verzichten: Die Folat-Gabe förderte
hier sogar signifikant die Restenosierungen nach Stentimplantation.
"Eigentlich
wollten wir die Schweizer Studie, deren Ergebnisse im Jahr 2001 im New
England Journal of Medicine publiziert wurden, bei unseren Stent-Patienten
bestätigen", berichtete Dr. Helmut W. Lange von der Paracelcus-Kurfürstenklinik,
Bremen, beim Kongress des American College of Cardiology (ACC)
in Chicago. Immerhin war aufgrund der Swiss Heart Study an einigen
Herzzentren bereits begonnen worden, allen Patienten nach einer Koronarintervention
routinemässig Folsäure zu geben, um ihre Homocysteinspiegel
zu senken. Dies macht auch deswegen Sinn, dachte man, weil erhöhtes
Homocystein ein anerkannter Risikofaktor für kardiovaskuläre
Ereignisse ist.
In der deutsch-holländischen
FACIT-Studie (Folat After Coronary Intervention Trial) erhielten 626 Patienten
nach einer Stent-Implantation randomisiert und doppelblind 1,2 mg Folsäure
plus 48 mg Vitamin B6 und 0,06 mg Vitamin B12 täglich über sechs
Monate sowie zusätzlich direkt nach der Prozedur einen Vitaminbolus.
Die Überraschung
war gross, als am Ende der sechs Monate genau das Gegenteil der Erwartungen
eintrat, räumte Dr. Lange in Chicago ein: Im primären Endpunkt,
dem mittleren Lumendurchmesser des dilatierten Gefässes, ergab sich
ein signifikanter Nachteil für die Folsäure-Behandelten. Die
Restenoserate lag ohne Vitamingabe bei 27 %, mit dagegen bei 35 %. Eine
erneute PTCA war bei 16 % der Patienten nötig, die Folsäure
genommen hatten, aber nur bei 11 % unter Plazebo.
Das Fazit
von Dr. Lange: "Wir sollten eine Folsäure-Gabe nach einer Stentimplantation
besser vermeiden." Und eine Erklärung für das Studienresultat
hat er im nachhinein auch: Es sei bekannt, dass – wenn zuvor eher ein
Folsäure-Mangel bestand – die Substitution dieses Mangels Zellteilung
und Zellwachstum deutlich fördere; ein Effekt, den man sich nach
einer Koronarintervention aber eigentlich nicht wünsche.
Allerdings
sollte man die Folsäuregabe bei Patienten mit hohem kardiovaskulären
Risiko aufgrund dieser Studie, die nur den Zeitraum kurz nach einer Koronarintervention
untersucht hat, nicht in Bausch und Bogen verdammen, schränkte der
Bremer Kardiologe im Gespräch mit MEDICAL TRIBUNE ein. Die durch
die Vitamineinnahme erzielte Senkung der Homocysteinspiegel, die in der
Studie auch gemessen wurde, könne sich langfristig durchaus günstig
auf das Risiko von Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall auswirken.
bös
Beim
Herzinfarkt so rasch wie möglich ins Katheterlabor
- In
den ersten drei Stunden ist die Prognose besonders gut
CHICAGO
– Natürlich zählt beim Herzinfarkt jede Minute – doch gilt dieser
Satz, der noch aus Zeiten der routinemässigen Lysetherapie des Koronarverschlusses
stammt, auch heute noch?
Mehr und
mehr hat sich die primäre Koronarintervention im Katheterlabor als
bevorzugte Infarktbehandlung durchsetzt. Ist aber bei der mechanischen
Aufdehnung der Zeitfaktor ebenso entscheidend für die Prognose wie
bei der Behandlung mit dem Thrombolytikum? Eine Antwort darauf gaben US-Kardiologen
jetzt am ACC-Kongress in Chicago anhand von Daten aus der CADILLAC-Studie:
Auch auf dem Weg ins Katheterlabor tut Eile not. Gelingt die Reperfusion
innerhalb der ersten drei Stunden, so ist die 30-Tages-Mortalität
mit 0.9 % signifikant geringer, als wenn es länger als drei Stunden
dauert; dann beträgt die Sterberate in den ersten 30 Tagen nämlich
2,2 %.
Hat man die
Dreistundenfrist bereits verpasst, bleibt allerdings nach wie vor unklar,
welchen Einfluss weitere Verzögerungen haben: Zwischen denjenigen,
die innerhalb von drei bis sechs Stunden reperfundiert wurden und denjenigen,
bei denen dies länger als sechs Stunden in Anspruch nahm, gab es
in dieser Untersuchung bei der 30-Tages-Mortalität absolut keinen
Unterschied, wie Dr. Thomas Stuckey von der Cardiovascular Research
Foundation in Greensboro N.C. berichtete. bös
Therapieergebnisse
im Katheterlabor sind werktags am besten
Beim Wochenend-Infarkt
schlechtere Chancen
CHICAGO
– Wer an Werktagen tagsüber einen Herzinfarkt erleidet und eine perkutane
koronare Intervention (PCI) benötigt, ist besser dran als derjenige,
den dieses Schicksal am Wochenende oder zu nachtschlafender Zeit ereilt.
Patienten,
die wegen des Infarktes am Wochenende im Katheterlabor behandelt werden,
haben ein um 48 % höheres Risiko für ein schwerwiegendes kardiales
Ereignis (MACE = Major Adverse Cardiac Event) wie Tod, Bypass-Op, Schlaganfall
oder Reinfarkt als diejenigen Infarktpatienten, die an einem Werktag dort
behandelt werden.
Dies belegen
die Outcome-Daten von mehr als 25 000 PCIs, die prospektiv in acht
verschiedenen Kliniken in den USA über vier Jahre gesammelt wurden.
Wie Dr. Mauro M. Moscucci vom University of Michigan Medical Center
in Ann Arbor am ACC-Kongress in Chicago berichtete, war das Risiko
der Wochenend-Patienten, die Klinik nicht mehr lebend zu verlassen, um
47 % erhöht.
Etwas besser
schnitten diejenigen Infarktpatienten ab, die während der Nacht (definiert
als Zeitraum zwischen 18 und 8 Uhr) mit einem Infarkt eingeliefert wurden.
Sie hatten um 24 % vermehrt kardiale Ereignisse, doch war dies nur ein
Trend und verfehlte knapp die statistische Signifikanz. Die Untersuchung
zeigt, so Dr. Moscucchi, dass es notwendig ist, die Qualität ärztlicher
Arbeit ausserhalb der offiziellen Zeiten an den Kliniken zu überprüfen.
bös
zur Inhaltsübersicht ACC 2003
|