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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





 

Willkommen bei unserer Berichterstattung an der 52nd Annual Scientific Session of the American College of Cardiology (ACC), Chicago 2003

 

 

 

31.3.2003

 

Studie zur Homocystein-Senkung mit Folsäure

Kurz nach Stentimplantation lässt man’s besser bleiben

CHICAGO – Gibt man Patienten nach einer PTCA Folsäure (in Kombination mit den Vitaminen B6 und B12), halbiert dies deren Restenose-Risiko, ergab kürzlich eine Schweizer Studie. Doch eine in Chicago präsentierte deutsch-holländische Untersuchung zeigt nun, dass es besser ist, auf eine solche Vitamingabe zu verzichten: Die Folat-Gabe förderte hier sogar signifikant die Restenosierungen nach Stentimplantation.

"Eigentlich wollten wir die Schweizer Studie, deren Ergebnisse im Jahr 2001 im New England Journal of Medicine publiziert wurden, bei unseren Stent-Patienten bestätigen", berichtete Dr. Helmut W. Lange von der Paracelcus-Kurfürstenklinik, Bremen, beim Kongress des American College of Cardiology (ACC) in Chicago. Immerhin war aufgrund der Swiss Heart Study an einigen Herzzentren bereits begonnen worden, allen Patienten nach einer Koronarintervention routinemässig Folsäure zu geben, um ihre Homocysteinspiegel zu senken. Dies macht auch deswegen Sinn, dachte man, weil erhöhtes Homocystein ein anerkannter Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse ist.

In der deutsch-holländischen FACIT-Studie (Folat After Coronary Intervention Trial) erhielten 626 Patienten nach einer Stent-Implantation randomisiert und doppelblind 1,2 mg Folsäure plus 48 mg Vitamin B6 und 0,06 mg Vitamin B12 täglich über sechs Monate sowie zusätzlich direkt nach der Prozedur einen Vitaminbolus.

Die Überraschung war gross, als am Ende der sechs Monate genau das Gegenteil der Erwartungen eintrat, räumte Dr. Lange in Chicago ein: Im primären Endpunkt, dem mittleren Lumendurchmesser des dilatierten Gefässes, ergab sich ein signifikanter Nachteil für die Folsäure-Behandelten. Die Restenoserate lag ohne Vitamingabe bei 27 %, mit dagegen bei 35 %. Eine erneute PTCA war bei 16 % der Patienten nötig, die Folsäure genommen hatten, aber nur bei 11 % unter Plazebo.

Das Fazit von Dr. Lange: "Wir sollten eine Folsäure-Gabe nach einer Stentimplantation besser vermeiden." Und eine Erklärung für das Studienresultat hat er im nachhinein auch: Es sei bekannt, dass – wenn zuvor eher ein Folsäure-Mangel bestand – die Substitution dieses Mangels Zellteilung und Zellwachstum deutlich fördere; ein Effekt, den man sich nach einer Koronarintervention aber eigentlich nicht wünsche.

Allerdings sollte man die Folsäuregabe bei Patienten mit hohem kardiovaskulären Risiko aufgrund dieser Studie, die nur den Zeitraum kurz nach einer Koronarintervention untersucht hat, nicht in Bausch und Bogen verdammen, schränkte der Bremer Kardiologe im Gespräch mit MEDICAL TRIBUNE ein. Die durch die Vitamineinnahme erzielte Senkung der Homocysteinspiegel, die in der Studie auch gemessen wurde, könne sich langfristig durchaus günstig auf das Risiko von Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall auswirken. bös


Beim Herzinfarkt so rasch wie möglich ins Katheterlabor

In den ersten drei Stunden ist die Prognose besonders gut

CHICAGO – Natürlich zählt beim Herzinfarkt jede Minute – doch gilt dieser Satz, der noch aus Zeiten der routinemässigen Lysetherapie des Koronarverschlusses stammt, auch heute noch?

Mehr und mehr hat sich die primäre Koronarintervention im Katheterlabor als bevorzugte Infarktbehandlung durchsetzt. Ist aber bei der mechanischen Aufdehnung der Zeitfaktor ebenso entscheidend für die Prognose wie bei der Behandlung mit dem Thrombolytikum? Eine Antwort darauf gaben US-Kardiologen jetzt am ACC-Kongress in Chicago anhand von Daten aus der CADILLAC-Studie: Auch auf dem Weg ins Katheterlabor tut Eile not. Gelingt die Reperfusion innerhalb der ersten drei Stunden, so ist die 30-Tages-Mortalität mit 0.9 % signifikant geringer, als wenn es länger als drei Stunden dauert; dann beträgt die Sterberate in den ersten 30 Tagen nämlich 2,2 %.

Hat man die Dreistundenfrist bereits verpasst, bleibt allerdings nach wie vor unklar, welchen Einfluss weitere Verzögerungen haben: Zwischen denjenigen, die innerhalb von drei bis sechs Stunden reperfundiert wurden und denjenigen, bei denen dies länger als sechs Stunden in Anspruch nahm, gab es in dieser Untersuchung bei der 30-Tages-Mortalität absolut keinen Unterschied, wie Dr. Thomas Stuckey von der Cardiovascular Research Foundation in Greensboro N.C. berichtete. bös


Therapieergebnisse im Katheterlabor sind werktags am besten

Beim Wochenend-Infarkt schlechtere Chancen

CHICAGO – Wer an Werktagen tagsüber einen Herzinfarkt erleidet und eine perkutane koronare Intervention (PCI) benötigt, ist besser dran als derjenige, den dieses Schicksal am Wochenende oder zu nachtschlafender Zeit ereilt.

Patienten, die wegen des Infarktes am Wochenende im Katheterlabor behandelt werden, haben ein um 48 % höheres Risiko für ein schwerwiegendes kardiales Ereignis (MACE = Major Adverse Cardiac Event) wie Tod, Bypass-Op, Schlaganfall oder Reinfarkt als diejenigen Infarktpatienten, die an einem Werktag dort behandelt werden.

Dies belegen die Outcome-Daten von mehr als 25 000 PCIs, die prospektiv in acht verschiedenen Kliniken in den USA über vier Jahre gesammelt wurden. Wie Dr. Mauro M. Moscucci vom University of Michigan Medical Center in Ann Arbor am ACC-Kongress in Chicago berichtete, war das Risiko der Wochenend-Patienten, die Klinik nicht mehr lebend zu verlassen, um 47 % erhöht.

Etwas besser schnitten diejenigen Infarktpatienten ab, die während der Nacht (definiert als Zeitraum zwischen 18 und 8 Uhr) mit einem Infarkt eingeliefert wurden. Sie hatten um 24 % vermehrt kardiale Ereignisse, doch war dies nur ein Trend und verfehlte knapp die statistische Signifikanz. Die Untersuchung zeigt, so Dr. Moscucchi, dass es notwendig ist, die Qualität ärztlicher Arbeit ausserhalb der offiziellen Zeiten an den Kliniken zu überprüfen. bös

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