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MT - ACC-Kongress 2002 in Atlanta
Medical Tribune AG



Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





 

Willkommen bei unserer Berichterstattung an der 51st Annual Scientific Session of the American College of Cardiology (ACC), Atlanta 2002
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Freitag, 22. März 2002
 

Kongestives Herzversagen
Bluttest verspricht Ergebnis in 15 Minuten

ATLANTA – In einer multinationalen Untersuchung mit fast 1600 Patienten konnte die Diagnose eines kongestiven Herzversagens in der Notfallaufnahme in 9 von 10 Fällen korrekt gestellt werden. Und das ohne grosse Kosten und zeitlich aufwendige Untersuchungen.

Wie das gehen soll? Ganz einfach, mit einem Bluttest. Der Triage BNP Test®, entwickelt von der Firma Biosite, kann erhöhte Level des B-type natriuretic peptide (BNP) erkennen, wie es bei erhöhtem intraventrikulärem Druck als Zeichen eines Herzversagens vorkommt. Der bereits in einer Pilotstudie vor zwei Jahren als effektiv befundene Test wird mittlerweile an mehr als 300 Krankenhäusern in den USA verwendet.

Kommt beispielsweise ein Patient mit Atemnot - eines der Schlüsselsymptome des kongestiven Herzversagens – müssen ohne den BNP-Test vor einer Diagnose die Ergebnisse verschiedenster Untersuchungen abgewartet werden. "Bei Einsatz des Bluttestes reichen ein paar Tropfen Blut und 15 Minuten", so Professor Dr. Alan Maisel, der Direktor der Coronary Care Unit des Department of Veterans Affairs, La Jolla, California, der die Ergebnisse am 51. ACC präsentierte.

An den sieben in dieser Studie* beteiligten Zentren in den USA, Frankreich und Norwegen, konnte allein mit Hilfe des Bluttestes in gut 81 % der Fälle die richtige Diagnose gestellt werden. In Kombination mit anderen klinischen Markern stieg die Rate auf über 90 % an.

"Dabei stellte sich der BNP-Wert als der akkurateste Prädiktor heraus, der klinischen Einschätzung deutlich überlegen. Die Höhe des BNP-Wertes korreliert mit der Schwere der Erkrankung. Ausgeschlossen ist eine kardiale Ursache der Luftnot bei einem BNP-Wert unter 100 pg/ml. Auch der negative Vorhersagewert des Testes ist hoch: Bei einem negativen Testergebnis konnten die Studienärzte in bis zu 98 % der Fälle ein kongestives Herzversagen zu Recht ausschliessen. Die Forderung des Experten: "Die BNP-Bestimmung sollte in die Richtlinien aufgenommen werden, wie es in Europa bereits geschehen ist."

In Europa sind derzeit zwei BNP-Testverfahren auf dem Markt, der Bedside-Test der Firma Biosite und der NT-proBNP Test der Firma Roche (seit Ende letzten Jahres), der über das Zentrallabor durchgeführt wird. Aber auch hier können die Ergebnisse innerhalb einer Stunde bereit sein. Die Kosten beider Teste sind im Vergleich zu den sonst notwendigen Untersuchungen mit ca. 30 Franken vergleichsweise niedrig.

* Primary results of the "Breathing not properly" Multinational Study: B-Type Natriuretic Peptide in the Emergency Diagnosis of Heart Failure

Dr. Christine Mücke


Trial of Invasive vs. Medical Therapy in the Elderly (TIME)
Ältere Frauen sind schlechter dran

ATLANTA – Frauen höheren Alters mit koronarer Herzerkrankung profitieren von einer antiischämischen Behandlung ebenso wie Männer. Ihre Erkrankung ist objektiv leichter ausgeprägt. Und dennoch, Frauen empfinden ihre Lebensqualität als schlechter. Aber da scheint mehr als nur eine andere Einstellung zur Krankheit dahinter zu stecken – korreliert doch das Gefühl mit den Fakten: Nach sechs Monaten sind die Frauen auch objektiv schlechter dran als die männlichen Studienteilnehmer.

In der im vergangenen Jahr vorgestellten TIME-Studie wurden 301 Patienten über 75 Jahren mit chronischer koronarer Herzerkrankung entweder invasiv oder medikamentös behandelt. Dabei hatte trotz des erhöhten Alters die invasiv behandelte Gruppe gegenüber denen, die nur Medikamete erhielten, einen Vorteil. Männer wie Frauen gleichermassen. Dieser scheint aber für die Frauen nicht von Dauer zu sein, wie eine neue Subgruppenanalyse nun ergab. In der Nachbeobachtungszeit waren die Frauen nicht nur weniger mit ihrer Lebensqualität zufrieden als die Männer, sondern es traten auch mehr schwere Nebenwirkungen und Todesfälle auf.

Professor Dr. M.E. Pfisterer, Universitätsspital Basel, der die Ergebnisse am 51. ACC präsentierte, konnte noch nicht genauer sagen, woran das im einzelnen liegen mag. An der Schwere der Erkrankung jedenfalls nicht. Eine weitere Evaluation der Daten kann vielleicht mehr verraten und hoffentlich einen Anhaltspunkt geben, wie diese Ergebnisse in der Praxis auch therapeutisch berücksichtigt werden können.


Lipidsenkende Therapie zum Zeitpunkt des Herzinfarkts?
Das kann das Ausmass des Infarkts begrenzen helfen

ATLANTA - Dass Lipidsenker mehr können als nur Lipide senken, tönt es am 51. ACC von überall her. Auch die Infarktgrösse scheinen sie positiv beeinflussen zu können. So das Ergebnis einer Analyse von Dr. Herbert D. Aronow, Cleveland Clinic, die als Poster am 51. ACC vorgetellt wurde.

Diese Aussage basiert auf der Auswertung von Daten aus zwei grossen Herzinfarktstudien mit zusammen mehr als 10 000 Patienten. Bei denen, die zum Zeitpunkt ihres Infarktes einen Lipidsenker einnahmen, fand sich signifikant seltener eine Erhöhung der CK-MB als Hinweis auf eine ausgedehntere Herzmuskelschädigung. Den Forschern aus der Cleveland Clinic zufolge waren die Herzinfarkte, die unter lipidsenkender Therapie auftraten, auch kleiner als ohne eine solche Mediaktion. "Hiermit haben wir ein weiteres Argument für die Bedeutung der Lipidsenker in der Behandlung des akuten Koronarsyndroms."


Herzspezialist oder Herzspezialistin
Bei wem sind Patienten besser aufgehoben?

ATLANTA – Eine Gruppe aus Zürich widmete sich der Frage, ob es in der diagnostischen Genauigkeit einen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Kollegen gibt. Sie wollten wissen, ob Frauen besser in der Lage sind, die Anamnese ihrer Geschlechtsgenossinnen zu erheben, als Männer. 144 Patienten wurden sowohl von Männern als auch von Frauen abgeklärt. Die diagnostische Genauigkeit beider Geschlechter war mit 79 % insgesamt identisch.

Kleine Unterschiede zeigten sich bei genauerer Betrachtung: Die Frauen waren in der Beurteilung der männlichen Patienten (korrekte Diagnose gestellt) mit 85 % erfolgreicher als bei ihren Patientinnen (66 %). Dr. Barbara Buergi Wegmann vermutet in erster Linie, dass die Kardiologinnen die Häufigkeit einer koronaren Herzerkrankung bei den Patientinnen überschätzt haben. Auch Männer scheinen bei der Befragung des anderen Geschlechts ein wenig besser zu sein, als beim eigenen.

Wo Sie besser aufgehoben sind, könnte also damit zusammen hängen, ob Sie selber Männlein oder Weiblein sind.

 

 

 


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