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Overnight-Reports
vom 63. Jahreskongress
der American Academy of Dermatology (2005)
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Freitag,
25.02.2005
Sex,
Teens und der Arzt
Predigen Sie Enthaltsamkeit?!
NEW ORLEANS - Abwägen heisst die Parole. Was machen Sie lieber:
Einen Teenager auf sexuell übertragbare Krankheiten ansprechen
oder ihn später deshalb behandeln? Professor
Dr. Kim K. Dernovsek, Universität Colorado, gab am 63.
Jahreskongress der American Academy of Dermatology handfeste Ratschläge
und Argumente, warum und wie Sie sich diesem heiklen Thema stellen sollten.
Einer von vier Patienten mit sexuell übertragbaren Krankheiten (STD, sexually
transmitted diseases) ist in den USA ein Teenager. Diese Altersgruppe hat zwar
einiges über Safer Sex gehört, aber unter den 12- 17-Jährigen
glaubte beispielsweise jeder Dritte, dass Oralsex zu "Safer Sex" gehört.
Was für die Schwangerschaftsverhütung zutrifft. Nicht jedoch für
STD. Und bei diesen ist nicht nur an Herpes, Papillomaviren und HIV zu denken,
sondern die Liste umfasst auch die Hepatitiden A, B und C, Chlamydien, immer
noch die klassischen Krankheiten Syphilis, Gonorrhoe und weicher Schanker sowie
zahlreiche weitere.
Prof. Dernovsek
schlägt ihren jungen Patienten, die beispielsweise wegen einer Aknebehandlung
in die Praxis kommen, Enthaltsamkeit vor bis zu dem Zeitpunkt, an dem man auf
den Partner trifft, mit dem man den Rest des Lebens teilen möchte. Kondome
seien in der Theorie, nicht jedoch in der Praxis sicher.
Unmöglich
ist es nicht, zumindest einige Zeit noch enthaltsam zu bleiben: Trotz der Sexualisierung
der Gesellschaft nimmt der Trend zum frühen Sex ab. In einer US-Studie
gaben 2001 16% weniger Jugendliche als 1991 an, bereits Geschlechtsverkehr geübt
zu haben. 92% wünschten starke Signale aus der Gesellschaft, dass es in
Ordnung sei, wenigstens bis Ende der Schulzeit mit Sex warten zu können,
und nach Prof. Dernovseks Erfahrung ist seiner Praxis noch kein junger Patient
ferngeblieben, weil er sich mit dem Vorschlag befassen sollte, enthaltsam zu
bleiben.
Wie das Ganze umsetzen? Prof. Dernovsek entwarf aus ihrer Alltagserfahrung ein
Szenario (Kasten). Ansprechen sollte man alle jungen Leute, egal ob sie wegen
einer Impfung, einer Hautbehandlung oder einer Erkältung kommen, sofern
man sie als sexuell aktiv einschätzt.
So könnte
es in der Praxis ablaufen
Arzt/Ärztin (im Folgenden "Arzt") und Jugendlicher (im Folgenden
mit "du" angeredet, je nach Alter auch "Sie") sollten sitzen
und der Arzt nonverbal signalisieren, dass er Zeit hat und dass ihm die Sache
wichtig ist. Auf unangenehme Gesprächspausen sollte man vorbereitet sein.
Der Teenager muss Zeit für Antworten haben. Manchmal macht er den Mund auf,
wenn man es am wenigsten erwartet ...
Arzt: Hast du schon einmal von sexueller Enthaltsamkeit gehört? (Händigt
ein Merkblatt aus)
Teenager: Schaut weg, betrachtet sich das Merkblatt.
Arzt: Ich weiss, das hat jetzt nichts mit Deiner Akne/Impfung/xy ... zu tun. Aber
warum ich das Thema anspreche: Ich wäre möglicherweise auch derjenige,
der Dich behandeln müsste, wenn es zu einer sexuell übertragbaren Krankheit
kommt. Ich spreche alle Patienten in Deinem Alter darauf an, auch die, die noch
gar keine Erfahrung mit Sex haben. Habt Ihr In der Schule über Kondome gesprochen?
(Pause, um dem Teen Zeit für die Antwort zu lassen)
Teen: (brummt oder nickt)
Arzt: Du weisst ja, dass man heute ein Kondom benutzen muss, wenn man sexuell
aktiv wird, um eine Schwangerschaft und um AIDS zu verhüten. Haben sie in
der Schule aber auch erwähnt, dass man dabei aber auch Krankheiten bekommen
kann an Stellen, die das Kondom nicht schützt? (Schweigen, um die Aussage
wirken zu lassen)
Teen: Brummt oder nickt, schaut jetzt den Arzt wieder an.
Arzt: ... Ausserdem, ob du es glaubst oder nicht, einer von fünf sexuell
aktiven Leuten hat Genitalwarzen oder Herpes und ich sehe gar nicht gern, wenn
meine Patienten das bekommen. Denn man bekommt die Viren, die das verursachen,
im Prinzip nie mehr ganz weg. Und es gäbe noch viel mehr zum Thema zu sagen.
Falls Du darüber mal ausführlicher sprechen willst, können wir
das mal tun. Denk einfach mal darüber nach. Man kann sich einen Haufen Schwierigkeiten
ersparen, wenn man mit Sex wartet, bis man jemanden gefunden hat, mit dem die
Beziehung dauerhaft sein soll. Macht das Sinn für dich?
Teen: Keine Ahnung. (Zuckt mit den Schultern)
Arzt: Das ist natürlich ein ganz schöner Anspruch in einer Zeit, wo
man den Fernseher anschaltet und da sieht, wie sich jeder mit jedem durch die
Laken wühlt. Aber immer mehr Kids warten noch eine Weile. Überleg dir
das einfach mal. Ich möchte nur nicht, dass auch nur einer meiner Patienten
Grund zum Vorwurf hat, niemand hätte ihm jemals gesagt, was man machen soll,
um solche Krankheiten nicht zu bekommen. Jetzt aber zurück zu deiner Akne
... UNo
Body Dysmorphic Disorder
Alt, fett und komische Fussnägel
NEW ORLEANS - Eindrucksvolle Patientenfotos konnte Dr. Lucinda S. Buescher, Southern
Illionois Universität in Springfield, nicht mitbringen, denn Menschen mit
Body Dysmorphic Disorder (BDD) sehen ebenso blendend oder durchschnittlich aus
wie jede andere Population auch. Der Arzt sollte BDD-Patienten jedoch erkennen
können, denn dermatologische Behandlungen führen bei den Betroffenen
nicht zum Erfolg oder schaden sogar.
Am 63. Jahrestreffen der American Academy of Dermatology gab Dr. Buescher
eine Übersicht über die wichtigsten Gesichtspunkte der Body Dysmorphic
Disorder, mit der beispielsweise bei jeder vierten Patientin (in 23%) zu rechnen
ist, die um eine Botulinumtoxin-Therapie ersucht. Bei einem Screening in Hautarztpraxen
war die Diagnose bei 10 - 14% wahrscheinlich.
Das Kennzeichen:
Die Betroffenen - die sich über beide Geschlechter gleichmässig verteilen
- befassen sich exzessiv mit ihrem Äusseren und leiden darunter. Zwanzigjährige
sportliche Frauen klagen beispielsweise, sie sähen alt und feist aus, und
ausserdem seien sie wegen ihrer hässlich aussehenden Fussnägel besorgt.
Es handelt sich um eine ernst zu nehmende Krankheit, auch wegen der Komorbiditäten:
67% haben Suizidphantasien, 21% setzen sie sogar in einen Suizidversuch um.
60% leiden an einer Depression, 38% an einer sozialen Phobie, 20% an Vermeidungsverhalten,
das bei Jüngeren beispielsweise zum Schulabbruch führen kann. Das
Durchschnittsalter liegt bei 34 Jahren.
Bei Body Dysmorphic Disorder (BDD) hält Dr. Buescher einen ästhetisch-korrigierenden
Eingriff für kontraindiziert: Zwei Drittel solcher Patienten gaben hinterher
an, der Eingriff habe nichts geändert oder die Situation sogar verschlechtert.
Fünf kurze
Fragen können den Verdacht auf BDD erhärten:
- Sind Sie wegen
Ihres Aussehens besorgt?
- Denken Sie an
Ihr Erscheinungsbild sehr häufig? Wünschen Sie, dass Sie diese Gedanken
besser kontrollieren können?
- Ist Ihre Hauptsorge,
dass Sie Ihr Essverhalten der Figur zuliebe kontrollieren müssen? (Hinweis
auf Bulimie/Anorexie)
- Wie wirken sich
Ihre Gedanken auf Ihren Alltag aus
- Wie viel Zeit
verbringen Sie täglich mit der Kontrolle und Pflege ihres Erscheinungsbildes?
(> 1 Stunde: Hinweis auf BDD)
Die Diagnose ist
wünschenswert, damit eine entsprechende Therapie eingeleitet werden kann.
Sie besteht aus kognitiver Verhaltenstherapie und, falls allein nicht ausreichend,
eventuell in Serotonin-Wiederaufnahmehemmern. Unter Citaprolam seine bei 80%
vollständige oder teilweise Remissionen eingetreten, und die Patienten
öffnen sich darüber hinaus besser der Verhaltenstherapie. Bei Diagnose
BDD sollten die Kollegen aber auch standhaft "nein" zu korrigierenden
ästhetischen Eingriffen sagen. Das sei zugegebenermassen nicht leicht.
Der Arzt sollte erklären, dass der Eingriff nicht helfen wird. Ansonsten
gilt diesen Patienten gegenüber eine strenge Zensur sämtlicher Kritik
am Aussehen - Vorschläge für Lid- oder Nasenkorrekturen, Falten- und
sonstige Hautbehandlungen seien hier wie Öl in die Flammen gegossen, warnte
Dr. Buescher. UNo
Vitiligo
So nehmen die Weissflecken Farbe an
NEW ORLEANS - In der Behandlung der Vitiligo hat sich in den letzten Jahren einiges
bewegt. Professor Dr. Pearl E. Grimes, Direktorin des Vitiligo und Pigmentation
Institute in Los Angeles, gab den Stand der Dinge am 63. Jahrestreffen der
Amercian Academy of Dermatology preis.
Die Fortschritte in der Vitiligo-Behandlung betreffen die topische immunmodulierende
Therapie mit Tacrolimus, die Bestrahlung mit Schmalspektrum-UVB-Licht, die zielgerichtete
Lasertherapie und die Transplantation von Melanozytenkulturen.
Die Tacrolimus-Studien
lieferten inzwischen eine breite Evidenzbasis, dass hiermit eine über 75%-ige
Repigmentierung zu erreichen ist. Vorteil gegenüber der Corticosteroid-Behandlung
sei die "extrem gute Verträglichkeit", so die Referentin, die
zu erzielende homogene Pigmentierung und die Tatsache, dass hier weder Hautatrophie
noch Teleangiektasien zu befürchten seien. Die besten Ergebnisse erreicht
man bei segmentaler Vitiligo im Gesicht. In Zukunft könnten auch Kombinationen
von Tacrolimus und Steroiden interessant werden.
Die Schmalspektrum-UVB-Bestrahlung
hat den Vorteil, dass keinerlei systemische Nebenwirkungen auftreten, aber nachteilig
ist die dreimal wöchentliche Notwendigkeit einer Sitzung. Als neuere Lichtquelle
sei der Xenon-Chlorid-Excimerlaser interessant, der sich in einer Studie bewährte,
die eine Tacrolimus-Therapie mit Laserbestrahlung kombinierte.
Eine sehr hohe
Repigmentierung (84% bei 90 - 100% der Patienten) liess sich durch die Transplantation
einer Suspension von Melanozyten erzielen. Das Bestechende an diesem aufwendigen
Vorgehen: Die Ergebnisse halten von den beschriebenen Verfahren am längsten
an. UNo
Onychomykose
Pulstherapie bringt bessere Resultate
NEW ORLEANS - Zu Beginn dieses Jahrtausends konnte bei jedem Zweiten mit Onychomykose
nach 18 Monaten Therapie als geheilt bezeichnet werden. Dieses eher dürftige
Ergebnis lässt sich durch eine Pulstherapie mit Terbinafin deutlich steigern,
erklärte Professor Dr. Timothy Berger, Universität von Kalifornien
in San Francisco, am 63. Jahrestreffen der American Academy of Dermatology.
"Setzen Sie eine neue Therapie immer ein, bevor sie aufhört zu wirken",
empfahl er, fügte aber auch hinzu: "Am gefährlichsten bin ich
für meine Patienten immer in der ersten Woche nach dieser Akademischen
Woche". Das gilt offensichtlich aber nicht für Patienten mit Onychomykose,
die aufgrund seines Vortrages ab nächster Woche mit einer Terbinafin-Pulstherapie
behandelt werden.
Das ist darunter
zu verstehen: Jeweils für eine Woche pro Monat verordnet man dem Patienten
Terbinafin. Dies wiederholt man in festen Zeitabständen, bis der Nagel
vollständig gesund herausgewachsen ist. Die Effektivität in Einmonats-,
zweimonatlichen, drei- und viermonatlichen Pulsen über ein Jahr wurde in
einer Studie miteinander verglichen. Als positiv war die Pulstherapie bei praktisch
allen (97 %) der Patienten zu beurteilen, die entweder jeden Monat, alle zwei
oder alle drei Monate die Pulstherapie erhalten hatten. Professor Berger empfahl
daher, bei Onychomykose die Pulstherapie in zwei- oder dreimonatigen Abständen
über mindestens ein Jahr. UNo
Laser
zur Hautverjüngung
Goldener Mittelweg gefunden
NEW ORLEANS - 1995 erfasste die ästhetisch-dermatologische Gemeinde Euphorie
ob der Möglichkeit, mit ablativen Lasern Falten im Gesicht gründlich
behandeln zu können. 2000 war man vorsichtiger geworden und setzte das
gebündelte Licht nichtablativ ein. 2005 hat man nun offenbar eine Methode
gefunden, die Vorteile der beiden Verfahren kombiniert, aber ohne deren Nachteile
einher geht.
Professor Dr. Tina Alster, Washington, berichtete am 63. Jahreskongress
der American Academy of Dermatology über die Fraxel-Laser-Therapie,
die "das beste der ablativen und der nichtablativen Welt miteinander verheiratet",
wie es die Referentin formulierte. Mit Fraxel-Laser wird das Gewebe nicht verdampft,
die Epidermis bleibt zu 80 - 83 % intakt, aber es tritt eine gewisse Schuppung
ein. Nach der Behandlung wirkt die Haut wie nach einem Sonnenbrand, aber man
könne sofort dinieren gehen.
Der Erbium-Glasfiber-Laser
setzt rasterförmig Wunden in die Hautoberfläche, die sich mit blossem
Auge nicht erkennen lassen. Dazwischen bleiben Säulen ungestörter
Hautzellen bestehen, von denen die Heilung ausgeht. Die Reepithelisierung findet
innerhalb 24 Stunden statt. Eine Kollagenschrumpfung tritt hier wie bei nichtablativen
Lasern auf, aber anders als die "softe" nichtablative Methode sind
nach Fraxel-Laserung etliche Patienten schon mit einer einmaligen Behandlung
sehr zufrieden, wenn die typische Behandlungsroutine auch 2 Behandlungen in
4 Wochen empfiehlt.
Ein weiterer Vorteil,
den der ablative Laser nicht bieten kann: Auch Hände, Hals und Decolleté
lassen sich damit behandeln. Damit vermeidet man Probleme an den Übergängen,
die beispielsweise eintreten, wenn man Laser- mit Peelingbehandlung kombinieren
muss. Fehlpigmentierungen werden ebenfalls behoben. Prof. Alster hob die hohe
Patientenzufriedenheit hervor und die geringen Nebenwirkungen. Kombinationen
mit Augmentationen sind möglich. UNo
Alle
Berichte vom AAD 2005 in der Übersicht
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