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München, den 1. September 2008
Neue Herzbremse rettet Koronarkranke, keine Statin-Giesskanne für Herzinsuffiziente
Neuste Therapie-Erkenntnisse vom Europäischen Herzkongress
MÜNCHEN – Hochgespannt in der ersten „Hot Line“: Taufrische Studiendaten v.a. zur Prognose-verbesserung bei KHK und Herzinsuffizienz wurden einem erwartungsvollen Publikum präsentiert.
Koronarkranke mit linksventrikulärer Dysfunktion und einer Herzfrequenz über 70/min profitieren signifikant von einer Behandlung mit dem If-Kanalblocker Ivabradin, lautete das Ergebnis der BEAUTIFUL(1)-Studie. Diese Untersuchung, die fast 11 000 Teilnehmer rekrutierte, verdeutlichte, dass Patienten mit erhöhter Pulsfrequenz ein erheblich vermehrtes Mortalitätsrisiko tragen oder ein weiteres kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden. Der „Zuwachs“ betrug 34% für den Herz-Kreislauf-Tod, 46% für einen Herzinfarkt, 56% für Herzinsuffizienz und 38% für eine Revaskularisation. Die frequenzsenkende Ivabradin-Therapie konnte bei diesen Patienten die Rate für Infarkt bzw. Revaskularisation um 36% bzw. 30% senken, wie Professor Dr. Kim Fox vom Brompton Hospital in London berichtete. Der If-Inhibitor war zumeist zusätzlich zu einer optimalen Herzinsuffizienz-Therapie verordnet worden. 94% der Kranken erhielten eine plättchenhemmende Substanz, 91% ACE-Hemmer oder ein Sartan, 87% Betablocker und 76% lipidsenkende Substanzen.
Herzinsuffizienz-Patienten nicht über einen Kamm scheren, diese Mahnung resultiert aus der Time-CHF(2)-Studie. Diese prüfte an rund 500 Patienten über 60 Jahre, ob intensivierte BNP-gesteuerte Therapie die Prognose bessert. Insgesamt ergab sich kein Vorteil gegenüber der Standardtherapie, der fehlende Profit betraf aber überwiegend die älteren und multimorbiden Kranken in dem durchschnittlich 77-jährigen Kollektiv - welches den Alltagspatienten in der Praxis eher entspricht als viele andere selektionierte Kollektive. Eine Herzinsuffizienz-Therapie bei Hochbetagten oder Multimorbiden bis an die Grenzen hochzupowern, empfiehlt sich also offenbar nicht, folgerte Professor Dr. Hans-Peter Brunner von der Universitätsklinik Basel. Die Patienten im unteren Altersbereich wiesen unter intensivierter Therapie jedoch erniedrigte Raten für Tod und kardial bedingte Hospitalisationen auf.
Mit der Beeinflussung des Stoffwechsels bei kardialer Pumpschwäche hatte sich GISSI-HF(3) beschäftigt. Wie im Kollektiv von fast 7'000 NYHA II-IV-Patienten belegt wurde, stellt die Gabe von 1 g Omega-3-Fettsäuren eine sichere und kostengünstige Methode dar, um im Hinblick auf Mortaliät und Klinikeinweisungen einen moderaten Vorteil zu erzielen, wie Professor Dr. Luigi Tavazzi, Fondatione Policlinico San Matteo, Pavia, kommentierte. Die Gabe von Rosuvastatin 10 mg täglich übte keinen signifikanten Effekt auf die Prognose aus. Zwar erwies sich die lipidsenkende Therapie als sicher, doch eine Statine-für-alle-Strategie untermauert GISSI-HF nicht.
Professor Dr. Salim Yusuf, Ontario, Canada stellte die Daten der TRANSCEND(4)-Studie vor: Der AT1-Blocker Telmisartan kann Herzkreislauftod, Herzinfarktrate und Schlaganfallinzidenz bei Patienten mit hohem Herzkreislaufrisiko und ACE-Hemmer-Intoleranz moderat mindern. Trotz des eher mässigen Effektes hält der Experte das Resultat angesichts der verbreiteten ACE-Hemmer-Unverträglichkeit (etwa 20% der Patienten mit klarer Indikation für die Substanz) für bedeutend.
CG
1)morBidity-mortality EvAlUaTIon of the if Inhibitor ivabradin in patients with CAD and left ventricULar dysfunction
(2)Trial of intensified BNP-guided versus standard (symptom-guided) Medical Therapy in elderly Patients with Congestive Heart Failure)
(3)Gruppo Italiano per lo Studio della Sopravvivenza nell’Infarto miocardico – Insufficienza cardiaca
(4)Telmisartan Randomized Assessment Study in ACE intolerant Subjects with Cardiovascular disease.
Die Overnight Reportagen vom Jahreskongress der ESC können wir dank der freundlichen Unterstützung im Sinne eines unrestricted educational grant von Servier/Procoralan® realisieren.
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