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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





München, den 2. September 2008

Depressive Herzpatienten in Todesgefahr

Warum Antidepressiva nichts nützen

Herzpatienten erleiden erschreckend oft eine Depression. Die Prävalenz bei KHK-Patienten liegt bei 23%, nach einem Infarkt klettert sie auf bis zu 45%, nach erfolgtem Bypass ereilt es jeden Vierten. Das drückt auf die Prognose, das Mortalitätsrisiko ist doppelt so hoch. Antidepressiva haben die in sie gesetzte Hoffnung leider nicht erfüllt. Was lässt sich tun?

Die Idee, die traurige Prognose bei Herzinsuffizienten oder bei Patienten nach Herzinfarkt zu bessern, ist zwar theoretisch gut, praktisch hat es aber zu wenig gebracht. Studien mit Sertralin und Mirtazapin haben in puncto Depression nur einen bescheidenen Effekt gebracht, kardiovaskulär gar nichts. „Das mag vielleicht daran liegen, dass die Depression bei Herzkranken anders ist als bei Depressiven ohne kardiale Probleme,“ mutmasst Dr. Elisabeth Martens, Tilburg Universität, Catharinaspital Eindhoven, Holland, am Jahreskongress 2008 der European Society of Cardiology.

Zu dieser Vermutung führten zwei holländische Studien mit 2466 Herzinfarktpatienten, die noch im Spital auf Depressionsymtome hin untersucht und danach während 2,5 Jahren nachbeobachtet wurden. Die Erkenntnisse daraus ergaben, dass erstens eine Depression die Mortalität dann erhöht, wenn sie nach der Herzerkrankung neu auftritt. Rückfälle einer vorbestehenden Depression oder gleichzeitig bestehende Depressionen beeinflussen die Postinfarkt-Mortalität dagegen nicht.

Zweitens kommt es darauf an, ob kardiotoxische Depressionssymptome die Oberhand haben. Dazu gehören die somatisch-affektiven Symptome wie z.B. Schlaflosigkeit, Fatigue oder Schwierigkeiten mit der Arbeitsleistung.

Die untersuchten Herzpatienten litten mehrheitlich an solchen kardiotoxischen Symptomen. Kognitiv-affektive Depressionssymptome, wie z.B. Schuldgefuhle, Hoffnungslosigkeit oder traurige Stimmung, wie sie beim “psychiatrisch” Depressiven ohne Herzprobleme vorherrschend sind, kamen bei ihnen eher weniger vor. Das mag ein Grund sein, warum die klassischen Antidepressiva bei der Depression nach Herzereignis nicht funktionieren.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Ein ganz anderer Ansatz wird in der noch laufenden UPBEAT-Studie untersucht. Das Konzept dieser Studie geht davon aus, dass Bewegung depressive Symptome lindert und gleichzeitig auch einem angeschlagenen Herzen nützt. Dafür werden in der Studie 200 stabile, aber depressive KHK-Patienten randomisiert drei möglichen Verfahren ausgesetzt: vier Monate Sertralin, aerobes Training oder Plazebo. Als primäre Endpunkte sind Depressionsparameter anhand der Hamilton-Disease-Skala und kardiale Biomarker definiert. Ob und wieviel das Training depressiven Herzpatienten im Vergleich zur Sertralintherapie bringt - darauf darf man gespannt sein. Solange jedoch kein taugliches Mittel gefunden ist, lautet das Credo: Compliance und Lebensqualität erhöhen. Das gelingt nur, indem Sie die kardialen Symptome so gut wie nur möglich lindern, betont Dr. John Parissis, Cardiology Department, General Hospital G. Genimmatas, Athen, eindringlich. Wenn es den Patienten kardial besser geht, besteht eine Chance, dass es ihnen auch sonst besser gehen könnte.

vh


Die Overnight Reportagen vom Jahreskongress der ESC können wir dank der freundlichen Unterstützung im Sinne eines unrestricted educational grant von Servier/Procoralan® realisieren.

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