Berlin, 6. Oktober 2008
Asthma und gastrointestinaler Reflux
Wann mit einem Protonenpumpenblocker behandeln?
BERLIN – Mindestens jeder dritte Asthmapatient leidet gleichzeitig an einer gastroösophagealen Refluxkrankheit (GORD), und ein Viertel dieser Patienten wiederum ohne spürbare Symptome. Dr. Toni Kiljander, Autor der grössten Studie zum Thema, gab eine Übersicht über die vorliegende Evidenz zur Protonenpumpenblockade bei Asthma und gab Rat für die Praxis.
Asthma kann einen Reflux fördern, aber auch die Asthmamedikation selbst könnte dazu beitragen. Nicht zuletzt kann auch der Reflux das Asthma triggern, über Mikroaspiration oder über vagal vermittelte Reflexe. Epidemiologische Studien gibt es jedenfalls genug, die einen Zusammenhang zwischen beiden Entitäten zeigen.
Die Frage ist nur: Wenn dieser Zusammenhang besteht, verbessert dann die GORD-Behandlung auch das Asthma?
Studien in den neunziger Jahren mit Omeprazol waren klein, die Ergebnisse streuten sehr stark, und es gab auch negative Ergebnisse. Eine Cochrane-Analyse fasste das so zusammen, dass Protonenpumpenblocker, mit denen der Säurereflux behandelt wird, die Asthmakontrolle nicht konsistent verbessern, dass aber einige Patienten durchaus profitieren.
Weitere Untersuchungen ergaben dann, dass der Einsatz von Protonenpumpenblockern vor allem bei den Patienten mit den schwereren Refluxsymptomatiken ein günstigeres Ergebnis der Asthmabehandlung vorhersagt. Dr. Kiljander zitierte eine Studie mit Lansoprazol (30 mg, zweimal täglich), die bei über 200 Patienten mit symptomatischer GORD und mässigem bis schwerem Asthma zeigte, dass unter Lansoprazol-Einnahme nur in 4% Exazerbationen des Asthmas auftraten, in der Kontrollgruppe dagegen in 14%.
Die grösste Studie mit 770 Patienten hat Dr. Kiljander vor zwei Jahren selbst publiziert. Sie prüfte, welche Patienten besonders aus Esomeprazol in höherer Dosis (40 mg zweimal täglich) Nutzen ziehen. Auch sie litten an mässig bis schwer ausgeprägtem Asthma. Eine Gruppe (n=201) hatte jedoch keine Refluxsymptome, aber nächtliche Asthmabeschwerden. Die zweite Gruppe litt zwar an Refluxsymptomen, schlief nachts aber gut (n=219). Die dritte Gruppe hatte sowohl Refluxsymptome als auch nächtliche Asthmaattacken.
In dieser letzteren Gruppe fand sich eine bessere Asthmakontrolle durch Esomeprazol. Der Erfolg war bei den Patienten, die zusätzlich zu einem Kortikosteroid auch langwirkende Betaagonisten erhielten, besonders deutlich.
Für die Patienten mit schwierig zu kontrollierendem Asthma, nächtlichen Symptomen des Asthmas und gastrointestinalem Reflux sollte daher Esomeprazol in dieser höheren Dosis versucht werden. Das Ansprechen lässt teils auf sich warten – teilweise ist erst nach zwei bis drei Monaten mit einem sichtbaren Behandlungserfolg zu rechnen, so der finnische Experte.
UNo
Die Overnight Reportagen vom Jahreskongress der ERS können wir dank der freundlichen Unterstützung im Sinne des unrestricted educational grant von Boehringer Ingelheim (Schweiz) realisieren.
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