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Dienstag, 07.02.2012     Medical Tribune Group





Berlin, 9. Oktober 2008

Nächtliches Asthma

Lunge mit Rhythmusgefühl

BERLIN – Asthmatiker sind nicht nur tagsüber durch ihre Krankheit beeinträchtigt, nein, auch nachts reissen die Symptome sie oft aus dem Schlaf, was ihre Lebensqualität massgeblich einschränkt. Deshalb gebührt dem nächtlichen Asthma immer mehr Beachtung.

Definiert wird das nächtliche Asthma durch einen Abfall der FEV1 um mindestens 15% zwischen dem Zeitpunkt des Zubettgehens bis zu dem des Aufwachens. Die Verminderung der nächtlichen Lungenfunktion ist mit einer vermehrten Entzündungsreaktion sowie Hyperreagibilität der Luftwege assoziiert. Diese physiologischen Veränderungen bringen die Patienten durch nächtliches Husten oder Atemnot um ihren Schlaf, berichtete Professor Dr. Monica Kraft, Duke University Medical Center, Durham, North Carolina, am 18. Jahreskongress der European Respiratory Society.

Beste Funktion um vier Uhr nachmittags

Die Lungenfunktion verzeichnet beim Menschen einen zirkadianen Rhythmus. Die besten Werte erreichen wir gegen vier Uhr nachmittags, die schlechtesten gegen vier Uhr nachts. Bei Lungengesunden beträgt der Unterschied lediglich 3 bis 5%, bei Asthmatikern kann diese Differenz bis zu 20% betragen. Wie aber entstehen diese Unterschiede in der Lungenfunktion?

Rezeptoren zeigen Veränderung

Der Beta2-Rezoptor verändert sich im Verlauf von 24 Stunden. Die Zahl der Rezeptoren wie auch die Funktionalität nehmen von vier Uhr nachmittags bis vier Uhr nachts kontinuierlich ab. Dasselbe wurde auch für den Glukokortikoid-Rezeptor wie auch für Noradrenalin beobachtet. Gegensätzlich, also eine Zunahme bis vier Uhr früh kann für Histamin verzeichnet werden.

Durch bronchoskopisch erlangte Biopsien wurde die Zahl der eosinophilen Granulozyten im alveolären Gewebe gezählt. Bei Patienten, die unter nächtlichem Asthma litten, zeigte sich ein signifikanter Anstieg in der Probe von vier Uhr nachts verglichen mit der um vier Uhr nachmittags entnommenen. Und nicht nur das, verglich man die Proben mit denjenigen von Asthmatikern, die keine nächtlichen Symptome aufweisen, blieb die signifikante Erhöhung an Eosinophilen bestehen.

Melatonin scheint neben der Steuerung zirkadianer Abläufe auch mit der Reduktion von Entzündungsreaktionen zusammenzuhängen. So kann bei allen Asthmatikern, verglichen mit Kontrollen, ein erhöhter nächtlicher Melatonin-Spiegel festgestellt werden. Bei Patienten mit nächtlichen Symptomen ist er am stärksten erhöht. Korreliert man die Höhe des Melatonin-Spiegels wie auch die Zahl der Eosinophilen mit der Lungenfunktion, kann beobachtet werden, dass sich mit dem Anstieg des Melatonins bzw. mit der erhöhten Zahl an Entzündungszellen die Lungenfunktion verschlechtert.

Das Hypophysenhormon Kortikotropin ACTH ist in der Nacht bei Asthmatikern mit nächtlichen Symptomen gegenüber Asthmatiker ohne nächtliche Störungen deutlich erhöht. Das durch ACTH gesteuerte Kortison zeigt jedoch diesen Anstieg nicht. Das heisst, dass die ACTH/Kortison-Steuerung bei nächtlichem Asthma nicht optimal funktioniert.

Prof. Kraft empfiehlt basierend auf diesen zahlreichen Erkenntnisse, die zweite Steroiddosis nicht erst um acht Uhr abends zu geben, sondern bereits zwischen drei und fünf Uhr nachmittags. „Dieser Zeitpunkt ist aufgrund der zirkadianen Schwankungen effektiver.“

np

Die Overnight Reportagen vom Jahreskongress der ERS können wir dank der freundlichen Unterstützung im Sinne des unrestricted educational grant von Boehringer Ingelheim (Schweiz) realisieren.

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