Berlin, 8. Oktober 2008
Chronischer HustenAn diese Therapieoptionen sollten Sie denken
BERLIN – Chronischer Husten kann die Lebensführung sehr beeinträchtigen, so beispielsweise das Bewegen in Gesellschaft. Wer schätzt schon beim Opern- oder Theaterbesuch einen hustenden Nebenmann. Auch Inkontinenzepisoden oder vagale Synkopen können die Folge sein. Verschiedene Referate befassten sich am 18. Jahreskongress der European Respiratory Society mit der Frage, wie man heute und morgen den chronischen Husten hochwirkungsvoll bekämpft. Neben Antitussiva gibt es noch einige gute Optionen, die teils sogar gezielter wirken.
Bei lästigem chronischem Husten sollte man erst einmal fragen, ob der Patient einen ACE-Hemmer einnimmt. Wenn ja, sollte man diese Medikation umsetzen. Ein Raucherhusten sollte ebenfalls an der Ursache angegangen werden, indem man einen Rauchstopp empfiehlt.
Es gibt jedoch zahlreiche Fälle, bei Frauen häufiger als bei Männern, bei denen weder eine Raucheranamnese noch eine ACE-Hemmermedikation vorliegen, und auch das Röntgenbild des Thorax zeigt keine Auffälligkeit, die sich direkt behandeln liesse.
Häufig liegt hier ein Reflux als Ursache vor. Selbst wenn eine Asthmadiagnose vorliegt, kann der Reflux die Hustenursache sein. Die Bronchoobstruktion allein führt nicht zu Husten.
Wirksame Verhaltensmodifikation
Professor Dr. Alyn Morice, Universität Hull, berichtete über exzellente Erfolge in der Hustenbeherrschung mit einer Verhaltensmodifikation: Der Patient soll den Husten durch Ablenkung, Schlucken oder Befeuchten der Atemwege bestmöglich unterdrücken. Man sollte hierzu dem Patienten erklären, dass der Husten nicht nutzt, dass er aber schaden kann. Ausserdem sollte der Patient alles unternehmen, um eine Larynxreizung auf ein Minimum zu beschränken – kein Räuspern, rauchfreie Umgebung, befeuchtete Atemluft usw. sind hier dienlich.
In seiner Studie zeigte Prof. Morice, dass damit der Husten bei 38 von 43 Patienten wirkungsvoll beherrscht wurde, im Vergleich zu 6/44 Patienten, die als Plazebo- bzw. Kontrollgruppe dienten. Sie hatten ein Entspannungstraining durchlaufen.
Wenn asthmaartiger Husten vorliegt, sind Asthmamedikationen angezeigt. Wirken sie nicht ausreichend, so ist eine gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD) wahrscheinlich. „Reflux ist der wichtigste Grund für chronischen Husten,“ so Prof. Morice.
Falls sich dieser Reflux nicht mit einer erhöhten Dosis an Protonenpumpenblockern beherrschen lässt, bringt eine Fundoplicatio häufig eine Besserung. An Prof. Morices Klinik wurden bereits 80 solche Eingriffe durchgeführt und waren mit Ausnahme zweier Fälle, bei denen eine Ösophagusdysmotilität vorlag, auch erfolgreich. Eine solche Dyskinesie ist daher Kontraindikation, ebenso wie ein deutlich erhöhter Body Mass Index. Hier kann die Kombination einer bariatrischen Operation mit einer Fundoplicatio nennenswerte Erfolge bringen.
Neuentwicklungen in der Pipeline
„Heute arbeitet fast jede grosse Pharmafirma an einem Antitussivum“, berichtete Dr. Brendan Canning, Johns Hopkins Asthma and Allergy Center in Baltimore. Sie zielen auf die Husteninitiierung oder die Signalweiterleitung. Diese Medikamente sind die Hoffnung des kleinen Patientenanteils, deren Husten trotz der beschriebenen Massnahmen nicht ausreichend beherrscht wird. Häufig betrifft das Frauen im mittleren Alter. Heute stehen hierfür Antitussiva (wie Dextrometorphan) oder Codein bzw. andere Opiate zur Verfügung. Die Forschung versucht, deren Wirkung noch stärker auf den hustenstillenden Effekt einzugrenzen.
UNo
Die Overnight Reportagen vom Jahreskongress der ERS können wir dank der freundlichen Unterstützung im Sinne des unrestricted educational grant von Boehringer Ingelheim (Schweiz) realisieren.
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