Berlin, den 6. Oktober 2008
Online Hustenklinik eröffnet
Expertenrat per Mausklick
BERLIN – Der chronische Husten stellt den Hausarzt vor Probleme, da die Ursachen häufig im Dunkeln liegen und der Husten schwer therapier ist. Ein englisches Team hat nun einen Fragebogen zur Verbesserung von Diagnose und Behandlung entwickelt, der online ausgefüllt wird. Per email erhält der Patient dann das Ergebnis und kann es dem behandelnden Arzt als Gesprächsgrundlage vorlegen. Während des diesjährigen Jahreskongresses der European Respiratory Society in Berlin wurde die Website vorgestellt.
Der chronische Husten wird als ein Zustand beschrieben, der acht und mehr Wochen dauert und den Arzt bei der Diagnose vor Schwierigkeiten stellt, besonders wenn keine offensichtliche Atemwegserkrankung dahinter steckt. Guideslines gibt es von der ERS, die dem Arzt bei der Diagnose und der Therapie helfen sollen, und inzwischen kann man solche Dokumente auch aus dem Netz herunterladen. Dr. Alyn Morice und Kollegen vom Castle Hill Hospital in Cottingham, England, wollten noch ein Weiteres tun und die Guidelines leichter anwendbar gestalten. Das führte zu der Entwicklung ihrer interaktiven Website für Patienten, die sie „Online Cough Clinic“ coughclinic (www.coughclinic.org.uk) nannten.
Mittels eines dreiseitigen Standardfragebogens werden Symptome abgefragt und eine Anamnese erhoben. „Das ist viel detaillierter als während einer Durchschnittskonsultation“, sagte Dr. Morice am Kongress, „weil man da niemals genug Zeit hat, dem Patienten alle relevanten Fragen zu stellen.“
Insgesamt 16 Fragen über die verschiedenen Symptome werden an einen Server geschickt, der einen gewichteten Algorithmus benutzt, der von Experten entwickelt wurde, um die plausibelste Diagnose unter den drei häufigsten Ursachen festzustellen, nämlich gastroösophagealer Reflux, Asthma und Rhinitis.
Der Patient erhält daraufhin ein email mit der wahrscheinlichsten Ursache seines Hustens, die er dann seinen Hausarzt als Diskussionsgrundlage vorlegen kann. Dieses Verfahren erspart dem Arzt viel Zeit, ohne seine Autorität zu untergraben. „Dies soll eine Hilfe für den Patienten und den Arzt sein, die möglicherweise auf eine sonst nicht in Betracht gezogene Diagnose weist“, sagte Dr. Morice.
Hilfe häufig angenommen
Zwischen Januar 2006 und Oktober 2007 haben insgesamt 8'546 Patienten die Online Hustenklinik aufgesucht. Davon waren etwas über die Hälfte (57%) Frauen. Als Vorsichtsmassnahme dürfen nur Patienten über 18 Jahren mit einem normalen Thorax-Röntgen innerhalb des letzten Jahres und ohne Blutspuren im Sputum an der Fragebogenaktion teilnehmen. Das Durchschnittsalter der Nutzer lag bei 45 Jahren.
Ein Drittel der Online Patienten hatte den chronischen Husten schon über ein Jahr, und 13% über fünf Jahre. 41% der Patienten waren Ex-Raucher, bei 11% war in den letzten Jahren eine Atemwegserkrankung festgestellt worden, 21,6% wurden mit Inhalern behandelt (die paradoxerweise häufig zu einem chronischen Husten führen) und 7% standen unter einer antihypertensiven Behandlung mit ACE-Hemmern, die bekanntermassen Husten als Nebenwirkung aufweisen.
Die häufigste Ursache laut Algorithmus war in 46% der Fälle ein gastroösophagealer Reflex. 38% der Fälle wurden als Asthma diagnostiziert und 15% als Rhinitis. „Die Reflux-Prävalenz ist höher als aus epidemiologischen Studien bekannt“, so Dr. Morice. „Vielleicht handelt es sich nur um die Spitze eines Eisberges, und der Rest kommt jetzt zum Vorschein.“
Zur Meinung über die neue Methode befragt, fanden 94% der Teilnehmer die Webseite einfach zu benutzen, und 73% die Ratschläge hilfreich. Für 60% bedeutete sie eine Hilfe bei der Kommunikation mit dem Arzt, und 62% befolgten die empfohlene Behandlung.
Der nächste Schritt ist die Entwicklung eines Follow up-Fragebogens, um Daten über die Wirksamkeit der empfohlenen Behandlungen zu erhalten.
AS
Die Overnight Reportagen vom Jahreskongress der ERS können wir dank der freundlichen Unterstützung im Sinne des unrestricted educational grant von Boehringer Ingelheim (Schweiz) realisieren.
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