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Dienstag, 07.02.2012     Medical Tribune Group





Berlin, 8. Oktober 2008

Neue Hoffnung für die Behandlung des schweren Emphysems

Debüt eines minimal invasiven Metallimplantats am Berliner Kongress

BERLIN – Ein neuartiges Implantat zur Behandlung des schweren Emphysems, das mittels einer einfachen, nicht-invasiven Methode platziert werden kann, wurde während des 18. Jahreskongresses der European Respiratory Society in Berlin vorgestellt. Diese Vorrichtung, auch wenn sie bisher nur an einer Handvoll Patienten getestet wurde, könnte eine Alternative für die invasiven Behandlungsmethoden von heute darstellen, als da sind operative Reduktion des Lungenvolumens und Lungentransplantation.

Allein in Europa leiden mehr als 13,5 Millionen Menschen an einer obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Dieser Sammelbegriff umfasst sowohl die chronische Bronchitis als auch das Emphysem, Erkrankungen die mit der Zeit zu einer invalidisierenden Atemnot führen und alljährlich zum Tod von 145'000 Europäer führen. Während für die leichteren Fällen der Erkrankung eine Anzahl von Medikamenten und anderen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, stellt das schwere Emphysem eine grosse Herausforderung dar. Im fortgeschrittenen Stadium besteht die Therapie der Wahl in einer operativen Entfernung der erkrankten Teile der Lunge, ein extrem invasives Verfahren mit einem hohen Mortalitätsrisiko. Eine weitere Option ist die Lungentransplantation, die aber aus Mangel an Spenderorganen nur selten durchgeführt werden kann. Deshalb hat es in den letzten Jahren verschiedene Versuche gegeben, Implantate zu entwickeln, aber der Erfolg war nur bescheiden, hauptsächlich weil bei der befallenen Lunge eine Vielzahl von kollateralen Luftwegen das Implantat umgeht.

Superelastisches Implantat

Nun hat eine neue Vorrichtung, vorgestellt von amerikanischen und deutschen Arbeitsgruppen ein viel versprechendes Debüt erlebt. Dieses Implantat, das den normalen Atmungsmechanismus des Patienten verbessern beziehungsweise wiederherstellen soll, ist aus Nitinol, einer superelastischen Metalllegierung, gefertigt. Es soll das Lungengewebe komprimieren, seine Elastizität wiederherstellen und die exzessive Schwellung der vom Emphysem betroffenen Lunge reduzieren. Anders als die heutigen invasiven Operationsmethoden wird das Implantat lediglich mittels einer Bronchoskopie platziert und eine kleiner, flexibler Tubus durch den Mund in die Lungen eingesetzt, ohne dass es einer Operation oder Inzision bedarf. Das Endziel ist das gleiche wie das mit der Standardoperation, nämlich das Lungenvolumen zu reduzieren, aber ohne Lungenareal zu exzidieren und ohne die Mortalitäts- und Morbiditätsrisiken einer Operation.

Nach den spektakulären Ergebnissen zu urteilen, die in Berlin von Felix Herth, Universitäts-Thoraxklinik in Heidelberg, und seinen amerikanischen Kollegen bekannt gegeben wurden, nachdem sie die neue Vorrichtung an fünf Patienten mit schwerem Emphysem eingesetzt hatten, scheint sich ein Hoffnungsschimmer für solche Patienten abzuzeichnen. Bisher wurde das neue Implantat bei fünf Patienten mit schwerem Emphysem eingesetzt. Dabei wurde jeweils nur ein Lungenflügel behandelt, der nächste soll in drei Monaten folgen.

Sicher und gut verträglich

Das ganze Verfahren, so Herth, erwies sich als sicher und wurde von den Patienten, die im Durchschnitt 61 Jahre alt waren, gut vertragen. Nach drei Tagen konnten sie nach Hause gehen. Sie blieben nur deshalb 72 Stunden in der Klinik, um ihren Gesundheitszustand umfassend zu beobachten, „aber in Zukunft werden die Patienten bereits am nächsten Morgen nach Hause gehen können“, so Herth. „An Nebenwirkungen, die möglicherweise dem Implantat anzulasten waren, traten bei drei der fünf Patienten Kurzatmigkeit beziehungsweise Husten auf. Doch verschwanden diese spontan beziehungsweise nach einer Standardtherapie.“

In der dreimonatigen Nachbeobachtungszeit wurde eine Verbesserung der Lungenfunktion und der Lebensqualität aller fünf Patienten beobachtet. So stieg beispielsweise bei manchen Patienten die FEV1 um 18 Prozent und die Patienten konnten im Sechs-Minuten-Gehtest im Durchschnitt 38 m weiter gehen. „Diese Studie ist hoch bedeutsam“, sagte Armin Ernst von Beth Israel Deaconess Medical Center, Boston, der die amerikanischen Arbeitsgruppen vertrat. „Es ist das erste Mal, dass eine Technologie entwickelt wurde, um die Elastizität der Bronchiolen wiederherzustellen. In Zukunft wird dies Tausenden von Emphysempatienten Nutzen bringen.“

Auf Grund der Ergebnisse, die in Berlin präsentiert wurden, werden jetzt Zentren über ganz Europa ähnliche Studien unternehmen.

AS

Die Overnight Reportagen vom Jahreskongress der ERS können wir dank der freundlichen Unterstützung im Sinne des unrestricted educational grant von Boehringer Ingelheim (Schweiz) realisieren.

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