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Dienstag, 07.02.2012     Medical Tribune Group





Desinfektion von Containern auf dem Prüfstand

Globalisierung bedroht indirekt die Lungen

BERLIN – Millionen von Frachtcontainern, die kreuz und quer über unseren Planeten reisen, werden mit giftigen Chemikalien desinfiziert. Das könnte ein echtes Risiko nicht nur für die Frachtarbeiter, sondern auch für die allgemeine Öffentlichkeit darstellen. Dies wenigstens meint eine deutsche Studie, welche dieses bisher nicht beachtete Risiko der Marktglobalisation untersucht hat. Die Ergebnisse wurden am diesjährigen ERS-Kongress vorgestellt.

Das Wachstum des internationalen Handels hat zu einer explosionsartigen Vermehrung der Frachtcontainer geführt, die um die Welt reisen. Als Antwort darauf haben viele Länder strenge Desinfektionsmassnahmen für Frachten eingeführt, die in ihren Häfen anlanden, um den Eintritt von unerwünschten Tier- oder Pflanzenspezies und gefährlichen Mikroorganismen zu verhindern. Das geschieht in der Regel mit toxischen Gasen, einschliesslich Pestiziden. Und diese Substanzen stellen ein Risiko für die menschliche Gesundheit dar, sowohl in der Frontlinie für das Hafenpersonal als auch für die Endverbraucher der importierten Güter.

Deshalb hat nun ein Arbeitsgruppe um Lygia Therese Budnik und Xaver Baur, Zentralinstitut Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universität Hamburg, eine Serie von Tests in den Häfen von Hamburg und Rotterdam durchgeführt, um die Risiken zu prüfen, die aus solchen Massnehmen entstehen, die paradoxerweise die Bevölkerung schützen sollen. Zweieinhalb Jahre prüften sie die Qualität von Luftproben aus den Containern. Vorher hatte sie anhand von 2'100 Containern im Hamburger Hafen äusserst sensitive Messmethoden entwickelt, mit denen sie Konzentration toxischer Substanzen von eins zu einer Milliarde (ppb) feststellen konnten.

Alarmierende Ergebnisse

Die Ergebnisse, die in Berlin gezeigt wurden, sind alarmierend. 97 Prozent der Container zeigten Spuren von Desinfektionsmitteln, hauptsächlich von 1,2-Dichlorethan und Brommethan (22 bis 28 Prozent). Bei fast einem Fünftel der Container (19 Prozent) überstieg der 1,2-Dichlorethan-Gehalt die zulässigen Werte und bei Brommethan waren es 11 Prozent.

Aber das Schlimmste kommt noch. „Diese Desinfektionsmittel und andere toxische Produkte in der Luft von Containern, wie Benzol und Toluol, kontaminieren die transportierten Güter, dringen in sie ein und setzen sich darin fest. Ihre Halbwertszeit beträgt von einem bis zu mehreren Monaten, womit sie eine zusätzliche Bedrohung darstellen. Darüber hinaus gab es an den Containern selbst keine Warnhinweise“, so Budnik.

Die Konsequenzen für die Gesundheit sind offensichtlich, so die deutschen Wissenschafter. Sie können Hautallergien hervorrufen und selbst in geringen Dosen die Schleimhäute von Nase und Hals angreifen. Ferner können sie zu Atembeschwerden und Asthma-Attacken führen. In höheren Konzentrationen können sie zu einer Pneumonie und sogar zu einem Lungenödem führen. Für Hafenarbeiter, die einem Dauerkontakt mit diesen Gasen ausgesetzt sind, muss ferner deren kumulative Wirkung in Betracht gezogen werden, sind doch Brommethan, 1,2-Dichlorethan und Benzol karzinogen.

Das Risiko für Endabnehmer machten die deutschen Forscher an dem Beispiel von Schuhen fest, die containerweise vor allem aus China importiert werden und alarmierende Werte von Benzol enthalten, einer karzinogenen Substanz, die in den meisten westlichen Ländern verboten ist, und die in den Schuhen manchmal doppelt so hoch ist als in den Containern selbst.

„Die nächsten begasten Güter werden wahrscheinlich Möbel, Haushaltswaren und sogar Lebensmittel sein“, warnte Baur. „Bis dahin müssen die Lehren aus dieser Studie gezogen werden, dass es nämlich nicht reicht, die Werte der Begasungsmittel zu messen, sondern dass alle anderen toxischen Substanzen auch erfasst werden müssen, die häufig farb- und geruchlos sind, aber dennoch selbst in geringen Dosen gefährlich sind.

Alexander Schulz

Die Overnight Reportagen vom Jahreskongress der ERS können wir dank der freundlichen Unterstützung im Sinne des unrestricted educational grant von Boehringer Ingelheim (Schweiz) realisieren.

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