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Dienstag, 07.02.2012     Medical Tribune Group





Berlin, den 8. Oktober 2008

Atemberaubende Schweizer Studie

Schon die Babys leiden unter Luftverschmutzung

BERLIN – Atmet eine Schwangere verschmutzte Luft ein, leidet der Fetus mit. Das ist das Ergebnis einer schweizerischen Studie, die am Jahreskongress der European Respiratory Society präsentiert wurde. Sie zeigt das erste Mal, dass das Baby und seine Atmung ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn die Mutter einer Luftverschmutzung ausgesetzt ist.

Nach den Untersuchungen der Arbeitsgruppe um Philipp Latzin von der Universität Bern scheint eine Feinstaub-Exposition von weniger als 10 Mikrometer Veränderungen in den Atmungsparametern von Neugeborenen zu bewirken. Je verschmutzter die Luft, desto grösser die Atemfrequenz, expiratorischer Fluss und Minutenvolumen. Für jede 1 µg/m3 Erhöhung des Durchschnitts-PM10 in der Luft, den die Mutter während der Schwangerschaft einatmete, erhöhte sich die Atmung des Neugeboren um durchschnittlich 24,9 ml/min. Diese Erhöhung war noch grösser (39,2 ml/min) wenn die Mutter weniger als 150 Meter von einer Hauptstrasse entfernt wohnte, die mindestens sechs Meter breit war.

Im Vergleich zu Neugeborenen von Müttern, die weniger Feinstab ausgesetzt waren, atmeten die exponierten Babys im Durchschnitt 48 mal pro Minute anstatt 42 mal. „Diese Beobachtung könnte besonders für Neugeborene von klinisicher Bedeutung sein, die bereits eine reduzierte Atemkapazität aufweisen oder denen es sonst nicht gut geht.

Stärkere inflammatorische Reaktion

Die Ergebnisse von Berlin zeigen aber auch, dass eine vorgeburtliche Stickstoffdioxid (NO2)-Exposition mit einer deutlich erhöhten Stickoxid-Ausatmung assoziiert ist, einem Marker für eine Atemwegsentzündung. Jede Erhöhung des mittleren NO2 um 1µg/m3 während der Schwangerschaft war verbunden mit einer Erhöhung um 0,98 ppb des ausgeatmeten Stickoxids beim Neugeborenen.

Als Erklärung für diese Mechanismen nimmt Latzin einen oxidativen Stress und eine Inflammation in der mütterlichen Lunge an, welche die Durchblutung der Plazenta mindert, wo der Austausch zwischen dem mütterlichen Blut und dem des Babys stattfindet, und wodurch die Nährstoffversorgung reduziert wird. Die Partikel könnten aber auch direkt wirken, indem sie in den Blutkreislauf des Feten eintreten und den Atmungsrhythmus reduzieren.

Wie dem auch sei, die Luftverschmutzung hat einen beträchtlichen Einfluss auf das ganz frühe Stadium der Lungenentwicklung. Und dies korreliert mit der „Barker-Hypothese“, wonach Einflüsse im Mutterleib einen Langzeiteinfluss auf die Gesundheit haben. Wenn diese Hypothese wahr ist, „werden diese frühen Einflüsse auf das Atmungssystem zu vermehrten Lungenerkrankungen in späteren Jahren führen und damit die Lebenserwartung verkürzen. Das kann nur vermieden werden, wenn die Bemühungen um eine Verringerung der Luftverschmutzung verstärkt werden“, schloss Philipp Latzin.

AS

Die Overnight Reportagen vom Jahreskongress der ERS können wir dank der freundlichen Unterstützung im Sinne des unrestricted educational grant von Boehringer Ingelheim (Schweiz) realisieren.

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