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Dienstag, 07.02.2012     Medical Tribune Group





Berlin, 7. Oktober 2008

Lungeninfektion mit Pseudomonas aeruginosa

Antibiotikum mit Zusatzwirkung

BERLIN – Manche Keime zeichnen sich durch spezielle Virulenzfaktoren aus, die es nachwachsenden Bakterien ermöglichen, sich noch leichter auszubreiten. Pseudomanas aeruginosa verfügt über solche Faktoren. Das Antibiotikum Azithromycin wirkt nicht nur bakterizid, sondern gezielt auch gegen bestimmte Virulenzfaktoren.

Diese neue Erkenntnis präsentiere Dr. Dr. Robert Bals, Universität Marburg, am 18. Jahreskongress der European Respiratory Society.

Die Tight Junctions zwischen den Zellen spielen eine wichtige Rolle für die epitheliale Barriere in der Lunge. Pseudomonas aeruginosa, ein Keim, der bei schwierigen Lungeninfektionen eine zentralen Rolle spielt, beispielsweise bei der Mukoviszidose, kann diese Tight junctions mit einem Rhamnolipid auflösen. Dem Eindringen weiterer Pseudomonaden sind damit Tür und Tor geöffnet.

Für Azithromycin zeigten schon frühere Studien einen günstigen Effekt auf die Lungenfunktion bei Mukoviszidose, selbst in Konzentrationen, die die Keimzahl nicht reduzieren. Dass dies unter anderem durch eine direkte Wirkung auf die Rhamnolipide erzielt wird, zeigte nun die Arbeit von Dr. Dr. Bals. In Kulturmedien exponierte er Bronchialepithelzellen gegenüber Azithromycin, bevor er sie in einer Versuchsreihe mit einer P. aeruginosa-Kultur und in einer zweiten Reihe mit reinen Rhamnolipiden impfte. Parallel liess er jeweils azithromycinfreie Kontrollen mitlaufen.

Bereits nach einer Stunde war der transepitheliale Widerstand (TER) in der Azithromycin-exponierten Zellkultur signifikant verändert. Dieser Effekt hielt über 24 Stunden an.

Diese Daten deuten darauf hin, dass diese gegen P. aeruginosa-Virulenzfaktoren gerichteten Mechanismen die Erklärung für die günstigen Ergebnisse mit Azithromycin bei Mukoviszidose oder auch anderen durch P. aeruginosa verursachten Besiedelungen der Lunge sein könnten.

Weitere Arbeiten befassten sich mit möglichen antientzündliche Mechanismen. Dr. Gabriella Bergamini, Verona, wies eine antioxidative Wirkung des Azithromycins über einen veränderten Glutathion-Transport nach. Glutathion ist das wesentliche zelleigene lösliche Antioxidans.

UNo

Die Overnight Reportagen vom Jahreskongress der ERS können wir dank der freundlichen Unterstützung im Sinne des unrestricted educational grant von Boehringer Ingelheim (Schweiz) realisieren.

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