Aktuelles vom ACC.08
Chicago, 4. April 2008
VICTORY-Studie mit Typ-2-Diabetikern
Rosiglitazon auf dem Weg zur Rehabilitation?
CHICAGO – Der Insulin-Sensitizer Rosiglitazon, in jüngster Zeit als Auslöser für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko in Verdacht geraten, scheint den fortschreitenden Verschluss von koronaren Bypassen bei Typ-2-Diabetikern wirksam zu verhindern. Das ist das Ergebnis einer multizentrischen Untersuchung, der VICTORY (VeIn-Coronary aTherOsclerosis and Rosiglitazone after bypass surgerY)-Studie der Arbeitsgruppe um Dr. Olivier F. Bertrand, Laval University, Quebec, Kanada, die am ACC.08 vorgestellt wurde.
Weltweit mehr als eine halbe Million Typ-2-Diabetiker unterziehen sich jährlich einer Bypass-Operation, wobei in der Regel die Transplantate aus der V. saphena entnommen werden. Und die Tendenz für solche Operationen ist im Steigen begriffen. Die Transplantate haben jedoch die fatale Eigenschaft, sich bei der Hälfte der Patienten zehn Jahre nach der Operation wieder zu verschliessen.
Nutzen und Sicherheit von Rosiglitazon
An der VICTORY-Studie, durchgeführt in acht Zentren in Spanien und in Kanada, nahmen 193 Typ-2-Diabetiker, eingeteilt in einen Verum- und einen Plazebo-Arm, nach einer koronaren Bypass-Operation teil.
Ziel der VICTORY-Studie war es, den Nutzen und die Sicherheit von Rosiglitazon zur Verhinderung einer atherosklerotischen Progression bei Typ-2-Diabetikern ein bis zehn Jahre nach einer Bypass-Operation festzustellen. Dazu wurde sofort nach der Bypass-Operation sowie ein Jahr danach mittels intravaskulärem Ultraschall das atherosklerotische Geschehen in einem Venentransplantat aus der V. saphena und in einer Koronararterie gemessen.
Verbesserte Kontrolle
Ein Jahr nach Studienbeginn war der Blutzucker der Rosiglitazon-Patienten im Vergleich zu den Plazebo-Patienten unter einer besseren Kontrolle. Darüber hinaus wiesen die Verum-Patienten niedrigere Cholesterin-Werte, weniger Zeichen einer Entzündung der Blutgefässe und einen niedrigeren Blutdruck auf als die Patienten unter dem Scheinmedikament.
Bei kardiovaskulären Ereignissen dagegen gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Behandlungsgruppen.
Sicher und ohne Nebenwirkungen
„Rosiglitazon erwies sich als sicher und hatte keine Nebenwirkungen“, stellt der Studienleiter Dr. Betrand fest.
Ihm entgegnete Dr. Steven Nissen, Department of Cardiovascular Medicine an der Cleveland Clinic Foundation, der als erster über Herzinfarktrisiken unter Rosiglitazon berichtet hatte: „Wie genau kann man die Sicherheit von Rosiglitazon in einer Kurzzeit-Studie mit weniger als 100 Verum-Patienten feststellen? Es handelte sich um eine intravaskuläre Ultraschallstudie, aber um keine Studie zu Morbidität und Mortalität.“
Diesem Argument pflichtete Dr. Bertrand bei und sagte: „Weitere Studien mit Rosiglitazon mit grösseren Patientenzahlen sind bereits auf dem Wege. Sie werden dann weiter die Rolle dieses Wirkstoffs bei dieser wichtigen Patientengruppe mit Typ-2-Diabetes und koronarer Arterienerkrankung definieren.“
|