Hypertonie bei den Älteren
Es ist nie zu spät, mit der Therapie zu beginnen
CHICAGO - Die jetzt aktuell vorgestellte HYVET-Studie bringt endlich Klarheit, was die Therapie der Hypertonie bei den über 80-Jährigen angeht. Man kann und sollte behandeln, denn wie die Daten zeigen, konnte nicht nur Inzidenz von Schlaganfällen um 39 % gesenkt werden. Sogar die Gesamtmortalität wurde signifikant um 21 % reduziert und das in einer Gruppe, in der man bislang dachte, dass die Reduktion der Schlaganfallrate nur mit einer erhöhten Mortalität erkauft werden kann.
"Schlaganfälle und ihre Folgen sind ein grosses Problem bei den Älteren - und sehr gefürchtet. Patienten sind bereit etwas zu tun, um sicherzustellen, dass sie keinen Hirnschlag erleiden." Prof. Dr. Christopher Bulpitt Selbst Guidelines gaben bislang keine klare Handlungsanweisung, erlaubten doch die bisherigen Daten nur begrenzt eine Einschätzung dieser speziellen betagten Klientel. Zwar gibt es viele Studien zur Hypertonie, aber nur wenig Daten zu älteren Patienten. Klar war lediglich, dass man nicht genug weiss. Für jeden verhinderten Schlaganfall musste man bis dahin mit einem nicht schlaganfallbedingten Todesfall rechnen, skizzierte Professor em. Dr. Christopher Bulpitt, Imperial College London, die Ausgangslage. Behandeln oder nicht, diese Frage zu klären war ein Anliegen der Untersuchung, die jetzt zu aller Überraschung viel mehr zeigen konnte:
- Senkung der Gesamtmortalität um 21 % (p=0,019)
- Senkung kardiovaskulärer Ereignisse um 34 % (p<0,001)
- Senkung tödlicher Schlaganfälle um 39 % (p=0,046)
- Senkung der Herzinsuffizienz um 64 % (p=0,0001)
Vor dem Hintergrund zu erwartender struktureller Veränderungen unserer Gesellschaft und der immer älter werden Bevölkerung kommt dieser bemerkenswerten Untersuchung in den Augen von Professor Dr. Brian Williams, University of Leicester School of Medicine, besondere Bedeutung zu und die Ergebnisse werden die klinische Praxis beeinflussen.
Studie vorzeitig gestoppt
Mit 3845 Patienten im Alter von 80 Jahren oder älter ist dies die grösste Untersuchung, in der die Effekte einer Blutdrucksenkung bei Älteren untersucht wurden. Die Patienten, die zu Beginn einen systolischen Blutdruck von 160 mmHg oder mehr hatten, erhielten entweder Plazebo (n=1912) oder Indapamid Slow Release 1,5 mg/d sowie den ACE-Hemmer Perindopril (2 oder 4mg). 11,8 % waren kardiovaskulär erkrankt. Nach zwei Jahren war der mittlere Blutdruck in der Verum-Gruppe um 15,0/6,1 mmHg niedriger als in der Plazebo-Gruppe, obendrein kam es zu weniger ernsthaften Nebenwirkungen (358 vs. 448 unter Plazebo). Aufgrund der überraschend positiven Ergebnisse wurde die Studie bereits im Juli 2007 vorzeitig gestoppt.
Ermutigung zur Therapie
Dazu Studienleiter Prof. Bulpitt: "Vor unserer Studie wussten wir nicht, ob diese alten Patienten mit erhöhtem Blutdruck ebenso von einer Behandlung profitieren wie jüngere. Dass zeigen unsere Resultate jetzt ganz klar. Wir freuen uns, dass wir eine sichere Reduktion der kardiovaskulären Ereignisse erzielen und auch die Gesamtmortalität senken konnten.“ Studienkoordinator Dr. Nigel Beckett, Imperial College London: „Bislang werden etliche dieser Patienten nicht behandelt, da wir unsicher waren, ob wir ihnen mit einer Behandlung wirklich helfen. Wir hoffen nun, dass unsere Ergebnisse die Ärzte ermutigen, diese Patienten zu behandeln.“ Mü
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