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Overnight Report von der 44. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft


DRESDEN, 27. April 2007

Sinn und Unsinn des Wundberaters

Die Wundbehandlung ist und bleibt ärztliche Domäne

Die Behandlung chronischer Wunden ist zeit- und kostenintensiv, die Compliance der Patienten oft schlecht, die Rezidivrate hoch. Um die Versorgung zu verbessern, wurde in Deutschland (wie auch in der Schweiz) das Berufsbild der Wundberater geschaffen. Professor Dr. Uwe Wollina, Dresden, diskutierte an der 44. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft die Nützlichkeit dieser neuen Berufsgruppe.

Eine grundsätzliche Verbesserung von Wunden, die zur Chronifizierung prädisponieren, ist besonders im Frühstadium zu erreichen. Wenn unqualifizierte Kräfte eine inkorrekte Behandlung vornehmen, dann verschlechtert dies die Prognose, und die „Wundkarriere“ ist vorgebahnt. Um das zu verhindern, werden in Deutschland Wund-„Experten“ ausgebildet; bis Ende 2007 erwartet man 4000 solche Profis mit abgeschlossener Ausbildung. Viele von ihnen verstehen tatsächlich mehr über Wundverbände und Ähnliches als die Ärzte, die ihrerseits auch von Apothekern Konkurrenz bekommen – „auch die Apotheker haben entdeckt, dass sie Wundexperten sind“, so Prof. Wollina.

Die häufigsten chronischen Wunden beruhen auf venösen und diabetischen Ulzera. Bei venösem Ulkus besteht das Ziel in 100% Abheilung und Rezidivprophylaxe, bei diabetischem Ulkus in der Amputationsvermeidung. Das sind Ziele, die der Arzt erreichen muss. Der Wundexperte kann hier unterstützen, weil er die Klaviatur der diversen konservativen Verbände spielen kann. Aber es gibt etliche Wunden, z.B. die ulzerierte Atrophie blanche, die Wunde mit Kalziphylaxie, bei der die lokale Therapie gar nichts bringt. Eine Kalziphylaxie wurde unter 212 Patienten in 18% nachgewiesen.

Bei venösen Ulzera kommt es auf die Kompression an, bei diabetischen Ulzera auf ein Débridement – chirurgisch, nicht nur enzymatisch, betonte Prof. Wollina - , bei arteriellen Ulzera auf eine Gefässoperation und bei Dekubitus auch auf pflegerische Massnahmen wie Mobilisierung etc.

Interdisziplinäre Wundzentren sind das, was Prof. Wollina als erstrebenswert ansieht, weniger einzelne Wundexperten, die nicht in Pflegedienste eingebunden sind. In Deutschland sind es offenbar häufig Angestellte von Firmen, welche Verbandmaterial herstellen, oder von Sanitätshäusern.

Der Wundberater setzt dort an, wo die wissenschaftliche Evidenz am schwächsten ist, bei den Wundauflagen, gibt Prof. Wollina zu bedenken. Entsprechend fiel auch das Ergebnis einer Studie sehr mager aus, welche eine deutsche Krankenkasse zur Effektivität der Wundversorgung mit Wundmanagern beauftragte: Bei 289 Teilnehmern wurde nur bei jedem Vierten eine Wundfreiheit erreicht. 35% der Patienten brachen die Therapie ab. Das Fazit des Experten: Die Ärzte müssen die „Wundexperten“ bleiben. UNo





 
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