Overnight Report von der 44. Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft
DRESDEN, 26. April 2007
Wenn Haarausfall zum Problem wird
Das raten Experten bei "haarigen" Patienten
Für Hautärzte ist Haarausfall ein wichtiges Alltags-Thema. Emotionale und psychologische Faktoren sind in aller Regel entscheidend für die Wunschbehandlung, so Privatdozent Dr. Wolfgang Harth, Vivantes Klinikum in Berlin. An der 44. Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft thematisierte eine Sitzung den Umgang mit den zuweilen schwierigen Patienten.
Ein Haarausfall ist zumindest bei Männern eher physiologisch denn pathologisch: Jeder zweite Mann ist früher oder später von der androgenetischen Alopezie betroffen. Entscheidend ist das Dihydrotestosteron, dessen Umwandlung durch die alpha-Reduktasen I und II durch Finasterid blockierbar ist, das medikamentös in Frage kommt, wenn sich ein Mann nicht mit dem männlichen Haarverlust arrangieren möchte. Männer, die unter der „harmlosen“ Erscheinung stärker leiden, erreichen nicht selten vergleichsweise hohe Werte in psychologischen Skalen, z.B. zur Hilflosigkeit oder Depressivität. Hier sollte der Arzt neben der somatischen Therapie mit Geduld darauf hinarbeiten, dass auch ein psychologischer Hintergrund bestehen kann und angegangen werden sollte.
Aber bei aller Psychologie: Das „psychogene Pseudoeffluvium“, von dem besonders bei Frauen mit Haarausfall häufig ausgegangen wird, betrifft nach Ausschluss organischer Ursachen nur noch 30% der Patientinnen. Von „psychogenem Haarausfall“ zu sprechen, findet selbst Dr. Harth als Psychosomatiker obsolet. Wenn, dann handelt es sich um eine heterogene psychosomatische Störung, bei der die Komorbiditäten geklärt werden sollten. Dass der Hausarzt zunächst eine somatisch ausgerichtete Therapie einleitet, finden die Dermatologen ganz in Ordnung. Es sollte aber gut dokumentiert werden, wie lange welcher Therapieversuch unternommen wurde. UNo
|