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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





Overnight Report vom







DAVOS, 12. Februar 2007

Nach World Economic Forum

Meeting der Welt-Herzspezialisten

Alle zwei Jahre, jeweils im Anschluss an das World Economic Forum treffen sich in Davos weltweit führende Herzspezialisten. Unter Leitung von Professor Thomas F. Lüscher, Leiter des HerzkreislaufZentrums am UniversitätsSpital Zürich, findet vom 12. bis 16. Februar das Cardiology Update statt.

Mit über 800 TeilnehmerInnen, einem wissenschaftlichen Komitee von über 90 weltweit führenden Spezialisten und BesucherInnen aus über 40 Ländern, gilt das Cardiology Update als einer der führenden europäischen Herzkongresse. Schwerpunktthemen dieses Jahr sind neue Medikamente, welche über eine breitere Risikoabdeckung zur Verhinderung von Herzkrankheiten und Herzinfarkt führen sollen, medikamentöse Möglichkeiten, welche dem Diabetiker möglicherweise die Insulinspritze ersetzen, aber auch neuste Entwicklungen zur Eröffnung verstopfter Gefässe aufgrund einer Arteriosklerose.




Tagesschau mit Prof. Noll: Im Fokus standen heute die Rolle der Entzündung bei Arteriosklerose, die Rolle des CAP-Screenings, das Lebensrisiko, die Identifikation hoher Risiken und das Übergewicht (Apfel gegen Birne).



Zentrales Thema auch dieses Jahr ist die erschreckende Zunahme an übergewichtigen Menschen, insbesondere auch an übergewichtigen Kindern und Jugendlichen. So wurde erstmals auch eine Studie der Schweizerischen Herzstiftung vorgestellt, die zeigt, dass bisher nur einer von drei Schweizer Ärzten den Bauchumfang routinemässig misst, obwohl die sogenannte Apfelbauchform ein wesentlicher Risikofaktor für Herzkreislauf-Erkrankungen darstellt.

Am diesjährigen Cardiology Update in Davos, einem der wichtigsten Medizinkongresse in Europa, werden über 800 Herzspezialisten aus mehr als 40 Ländern der Welt erwartet. Die TeilnehmerInnen – darunter rund die Hälfte aus der Schweiz – nutzen alle zwei Jahre die Möglichkeit, sich mit Kollegen aus allen Spezialgebieten der Kardiologie auszutauschen sowie Errungenschaften und Fortschritte aus erster Hand zu erfahren.

Das Neuste aus den Bereichen Prävention, Diagnose, Therapie und Intervention wird den Besuchern während den fünf Tagen Kongressdauer von weltweit führenden Herzspezialisten vermittelt. Über 90 Fakultätsmitglieder aus Europa, den USA und Australien halten Referate über ihr Spezialgebiet und führen Expertenrunden durch. Eine eindrückliche Zahl, die allerdings in Anbetracht des Stellenwerts von Herzkreislauf Erkrankungen nicht überrascht. So sind diese Erkrankungen nach wie vor an erster Stelle der Todesursachen.

Das Cardiology Update wendet sich an Kardiologen, Internisten und Allgemeinpraktiker. „Durch die Wissensvermittlung,“ so Professor Dr. Thomas Lüscher, Leiter des HerzKreislaufZentrums am UniversitätsSpital Zürich „soll eine Brücke zwischen Forschung und Praxis geschlagen werden.“ Prof. Lüscher leitet zusammen mit Professor Bertram Pitt, Herzspezialist und Vice-Chair Internal Medicine University of Michigan, USA, die wissenschaftliche Organisation des Kongresses.

Fettleibigkeit und das Risiko für Herzkreislauferkrankungen

Ein erhöhter Körperfettanteil ist seit langem ein bekannter und entscheidender Faktor für das kardiometabolische Risiko. Es hat jedoch den Anschein, dass dieser Zusammenhang komplexer ist, als bisher angenommen. Untersuchungsresultate deuten darauf hin, dass die anatomische Fettverteilung eine bedeutendere Rolle spielt, als die Gesamtfettmenge. So wurde die abdominale oder zentrale Fettablagerung, unabhängig vom Gesamtfettgehalt, einheitlich mit einem weiten Bereich kardiovaskulärer und metabolischer Veränderungen in Verbindung gebracht.

Im Rahmen der neuen INTERHEART-Studie sagte ein erhöhter Taille-Hüft-Quotient (eine Messung der Körperfettverteilung) auf jedem Niveau des Body-Mass-Index (BMI) einen akuten Herzinfarkt voraus – ein grosser Hüftumfang schien präventiv zu sein. Weshalb das so ist, wird noch nicht ganz verstanden. Vieles deutet darauf hin, dass Leute mit einem grossen Bauchumfang mit grösserer Wahrscheinlichkeit Fett in anderen Organen und Geweben akkumulieren, wobei signifikante Stoffwechsel-Veränderungen entstehen. Bauchfett-Gewebe ist heute als ein hochaktives, endokrines Organ bekannt, das eine grosse Anzahl von Molekülen abgibt (insgesamt als Adipokine bezeichnet), die direkt oder indirekt den Fett-, Zucker- und Energiestoffwechsel beeinflussen.

Einige dieser Faktoren können darüber hinaus direkte Auswirkungen auf die Funktion des Herzkreislaufs haben. Während umfangreiche Evidenz dafür vorliegt, dass Gewichtsreduktion kardiometabolische Risikofaktoren reduziert, fehlen Studienergebnisse die belegen, dass durch starken Gewichtsverlust die Sterblichkeit abnimmt. Derzeit laufen mehrere grosse Studien zur Untersuchung der Wirkung von Lebensweise, medikamentöser und chirurgischer Behandlungen auf die Herzkreislauf-Ereignisse.

Apfel- oder Birnenform? Weshalb Ärzte häufiger den Bauchumfang ihrer Patienten messen sollten

Übergewicht ist eines der grössten Probleme in der Schweiz. Rund 40 Prozent der Bevölkerung und bereits jedes fünfte Kind bringt zuviel Gewicht auf die Waage, Tendenz steigend. Die gesundheitlichen Folgen wiegen schwer: Übergewichtige haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Erkrankungen der Atemwege. Eine wissenschaftliche Erkenntnis der jüngsten Zeit verlangt nun ein Umdenken in der täglichen Praxis des Arztes. Bisher wurde Übergewicht mit Hilfe des sogenannten Body Mass Index (BMI) bestimmt.

Die neuen Erkenntnisse zeigen aber, dass die Verteilung des Fettes für die Beurteilung des Übergewichts eine entscheidendere Rolle spielt. So haben Übergewichtige mit mehr Fett am Bauch ein grösseres Risiko für einen Herzinfarkt als solche mit mehr Fett an den Hüften und den Oberschenkeln. Eine „Apfelform“ ist also viel schlechter und gefährlicher für die Gesundheit, als eine „Birnenform“. Durch die Messung des Bauchumfangs bekommt der Arzt wichtige Informationen, was das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes seiner übergewichtigen Patienten betrifft.

Die Schweizerische Herzstiftung hat in einer Umfrage Ärzte nach ihrem Wissensstand und ihrer täglichen Praxis bezüglich dieser Erkenntnisse befragt. Die Resultate zeigen, dass nur rund ein Drittel aller Ärzte den Bauchumfang der Patienten routinemässig misst. Dies obwohl grossteils bekannt ist, dass die Apfelbauchform ein wesentlicher Faktor für Herzkreislauf-Erkrankungen darstellt. Das bedeutet weiter, dass die Anzahl Patienten, die wegen ihrer „Apfelform“ behandelt werden, noch immer viel zu tief ist, weshalb weitere Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Ärzte auf die „Apfel-Birnen-Problematik“ zu sensibilisieren und die Behandlungsroutine in der Arztpraxis zu verbessern.

Weg mit dem Bauchfett: Ein neuer Weg zur Reduktion des kardiometabolischen Risikos

Epidemologische Studien haben klar belegt, dass das Körpergewicht der Bevölkerung in industrialisierten Nationen in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hat. Der Anteil an übergewichtigen Patienten ist mittlerweile erheblich und stellt ein grosses gesundheitspolitisches Problem dar. Grosse weltweit durchgeführte Untersuchungen haben zudem bewiesen, dass das Übergewicht neben Rauchen, hohem Blutdruck, Dyslipidämie und Diabetes mellitus einen unabhängigen kardiovaskulären Risikofaktor darstellt.

Die Forschung der letzten Jahre hat Licht gebracht in das Verständnis der Appetitregulation und der Energiehomöostase, Systeme, die über komplexe Feedbackmechanismen reguliert werden. Eine Schlüsselrolle scheint dabei das Endocannabinoidsystem zu spielen. Mit der Entdeckung der Cannabinoidrezeptoren und deren Antagonisten beziehungsweise Rezeptorblockern konnte dieses System genauer studiert werden. Cannabinoidrezeptoren wurden in verschiedenen Organen nachgewiesen, wo sie unterschiedliche metabolische Effekte vermitteln. Im Gehirn wurden sie im Hypothalamus beziehungsweise Nucleus accumbens lokalisiert und sind für die Regulation der Nahrungsaufnahme verantwortlich. In peripheren Organen regulieren sie Blutzuckeraufnahme, Fettstoffwechsel und Sättigungsgefühl.

Mit Rimonabant, dem ersten selektiven Cannabinoidrezeptor-blocker, steht eine interessante therapeutische Option zur Behandlung von Übergewicht und den damit verbundenen kardiometabolischen Risikofaktoren zur Verfügung. Unter Rimonabant kommt es bei übergewichtigen Patienten zu einer Gewichtsabnahme, die von einer Reduktion der Triglyzeride sowie einer Erhöhung der HDL-Werte begleitet ist. Im Weiteren verbesserte sich bei diabetischen Patienten die diabetische Stoffwechsellage. Diese Veränderungen können nur ca. 50 % durch die Gewichtsreduktion erklärt werden und kommen zum grössten Teil durch eine direkte Wirkung des Medikaments zustande. Grosse momentan laufende Untersuchungen werden zeigen, ob diese Veränderungen sich auch günstig auf die Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse auswirken werden.

Arteriosklerose: Die bekannte Unbekannte

Das Verständnis über die Vorgänge bei Arteriosklerose hat sich in letzter Zeit dramatisch verändert. Es hat sich gezeigt, dass Entzündungsfaktoren im Rahmen von koronaren Herzkrankheiten bei der Entwicklung von arteriosklerotischen Plaques eine entscheidende Rolle spielen. Dabei nimmt die Entzündung Einfluss auf die Entstehung und das Aufbrechen der Plaques sowie auf die darauffolgenden thrombotischen Ereignisse. Erhöhte Werte von pro-inflammatorischen Proteinmediatoren (Chemokine und Cytokine) fördern die Migration von Monocyten in die Gefässinnenhaut und deren Reifung zu Makrophagen.

Diese Fresszellen nehmen in dem folgenden arteriosklerotischen Prozess vielfachen Einfluss, so z.B. auf die Aufnahme von modifizierten LDL-Partikeln, auf die fortlaufende Leukozyten-Akkumulation, sowie auf die Proliferation der glatten Muskeln wie auch auf die Umbildung der extrazellulären Matrix. Makrophagen tragen zudem zur Rupturneigung der Plaques bei, indem sie Proteasen, welche die fibrösen Plaque-Kappen schwächen, produzieren. Ebenso tragen sie über die Porduktion von Tissue-Faktor zu Thrombosen bei. Die Ablagerung von Blutplättchen und die Aggregation über den aufgebrochenen Plaques scheint zudem die Entzündungsvorgänge zu unterstützen.

Das zunehmende Wissen, was die wichtige Rolle der Entzündung bei der Atherosklerose betrifft, hat theoretische und praktisch-klinische Konsequenzen. Biomarker für Entzündungsvorgänge könnten helfen, Hochrisikopatienten zu identifizieren. Zudem würde die Beherrschung der Entzündungsfaktoren während der Entstehung einer Arteriosklerose neue therapeutische Ansätze ermöglichen.





 
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