Overnight Report vom Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology 2007
CHICAGO, 4. Juni 2007
Präventive Kopfbestrahlung bei fortgeschrittenem kleinzelligem Lungenkrebs
Risiko von Hirnmetastasen sinkt massiv
Eine aktuelle europäische Studie zeigt, dass die präventive Kopfbestrahlung bei Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs das Hirnmetastasenrisiko stark senkt, auch wenn bereits ein disseminierter Tumorbefall diagnostiziert wurde. Über die Resultate der im Rahmen der EORTC (European Organisation for Research and Treatment of Cancer) durchgeführten Studie berichtete Ben Slotman, VU University Medical Center, Amsterdam, am ASCO-Jahreskongress 2007.
Bei Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom in fortgeschrittenem Stadium besteht ein grosses Risiko, dass sich symptomatische Hirnmetastasen entwickeln. An der randomisierten Studie beteiligten sich 286 Patienten, die auf Chemotherapie angesprochen hatten (4 bis 6 Zyklen), bei denen aber in der Lunge (75%) oder in anderen Organen (70%) Tumorbefall zurückgeblieben war. Bei der Hälfte der Patienten wurde der Kopf prophylaktisch bestrahlt (in der Regel an 5 Tagen je 4 Gy oder an 10 Tagen je 3 Gy), während die restlichen 143 Patienten die Kontrollgruppe bildeten.
Nach einem Jahr hatten sich bei bestrahlten Patienten signifikant seltener Hirnmetastasen gebildet (14,6%) als in der Kontrollgruppe (40,4%). Auch lebten prophylaktisch bestrahlte Patienten signifikant länger. Nach einem Jahr waren 27,1% noch am Leben verglichen mit 13,3% in der Kontrollgruppe. Die Bestrahlung wurde gut vertragen und beeinträchtigte die Lebensqualität nicht wesentlich. Wie die akuten Nebenwirkungen (Nausea, Erbrechen) waren auch die Spätreaktionen (Kopfschmerzen) nur leicht ausgeprägt.
Aufgrund der überzeugenden Studienresultate regt der Hauptautor der Studie an, allen Patienten mit fortgeschrittenem kleinzelligem Lungenkrebs, die auf die initiale Chemotherapie angesprochen haben, eine prophylaktische Kopfbestrahlung anzubieten. (Abstract 4) Alfred Lienhard
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