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Overnight Report vom Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology 2007


CHICAGO, 5. Juni 2007

Therapiewahl beim Prostatakarzinom

Spezialisten stellen die Weichen voreingenommen

Die Analyse von mehr als 85'000 Krankengeschichten macht darauf aufmerksam, wie stark die Wahl des Spezialisten, an den sich Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom wenden, die schliesslich eingesetzte Therapie vorausbestimmt. „Die meisten Männer mit Prostatakarzinom, die neben dem Urologen auch einen Radioonkologen aufsuchen, wählen die Bestrahlung und ein grosser Teil der operierten Patienten hat nie einen Radioonkologen beigezogen“, kommentierte Thomas Jang, Urologe am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, New York, der die Studienresultate am ASCO-Jahreskongress 2007 vorstellte.

Die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten bei lokalisiertem, frühem Prostatakrebs (Prostatektomie, Bestrahlung, Androgenentzug, watchfull waiting) unterscheiden sich nicht bezüglich der Erfolgschancen, aber bezüglich der Nebenwirkungen und des erforderlichen Aufwandes. Eine interdisziplinäre, ausgewogene Beratung kann am besten sicherstellen, dass die Patienten die individuell am besten passende Therapieform wählen.

Die Analyse deckte auf, dass in der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen in 70% eine radikale Prostatektomie durchgeführt wurde, wenn die Patienten nur einen Urologen konsultierten. Wenn sie aber sowohl die Meinung eines Urologen als auch eines Radioonkologen einholten, entschieden sich 78% in dieser Altersgruppe für die Bestrahlung und nur 15% für die Prostataoperation. Die Behandlung von Patienten derselben Altersgruppe, die sich von einem Urologen und einem internistischen Onkologen beraten liessen, bestand in 53% aus einer radikalen Prostatektomie, in 17% aus der Bestrahlung, in 14% aus einer Androgenentzugsbehandlung und in 16% aus Abwarten und Beobachten. Wenn alle drei Spezialisten zu Rat gezogen wurden, betrug der Anteil der Therapieformen: 19% Operation, 70% Bestrahlung, 6% Hormonentzug, 5% Zuwarten.

Meistens kommen Patienten mit Prostatakrebs zuerst mit dem Urologen in Kontakt, weil dieser die Biopsien durchführt und die Diagnose stellt. Bevor aber die Therapieform festgelegt wird, sollten Betroffene interdisziplinär über Vor- und Nachteile der Therapien umfassend informiert werden, forderte der Referent. (Abstract 6506) Alfred Lienhard





 
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