Overnight Report vom Jahreskongress der American Heart Association 2007
ORLANDO, 5. November 2007
Stents: Mit dem Stent lösen sich die Probleme auf?
Die Schweizer Firma Biotronik stellt einen sich selbst auflösenden Stent her, der am Jahreskongress der American Heart Association für Aufsehen sorgt. Das Konzept bioresorbierbarer (Metall-)Stents wird geprüft, weil ein nichtresorbierbarer Stent Spät-Stentthrombosen hervorrufen kann, selbst wenn er dagegen gerichtete Medikamente absondert. Professor Dr. Ron Waksman, Georgetown Universität in Washington, präsentierte am Kongress Ein-Jahres-Ergebnisse.
Ein Stent soll ein Gefäss offen halten, das während perkutaner koronarer Intervention wieder eröffnet wird. Aber der Einheilungsprozess kann sechs Monate dauern, und wenn der Stent permanent liegen bleibt, kann er – wenn er sich nicht bereits früh verschloss – durch Entzündungsprozesse zu Stenosierungen führen; ausserdem behindert er die spätere bildgebende Diagnostik.
Mehrere Firmen stellen nun abbaubare Stents her. Biotronik entwickelte einen Stent aus Magnesium (93%) und seltenen Erden. Letztere verzögern die Resorption, denn Magnesium allein wäre zu schnell aufgelöst. Insgesamt ging man von einer Resorptionszeit von 2 Monaten aus.
Unter der Leitung von Professor Waksman fand die erste Studie beim Menschen statt, eine prospektive nichtrandomisierte Multizenterstudie, an der in der Schweiz Privatdozent Dr. Franz Eberli und Professor Dr. Thomas Lüscher, Zürich, sowie Professor Dr. Paul Erne, Luzern, teilnahmen.
Rekrutiert wurden 63 Patienten. Alle wurden zu Studienbeginn und nach 4 Monaten mit IVUS (Gefässultraschall) untersucht; die längste Beobachtungsdauer lag mit 28 Monaten vor. Frühverschlüsse fanden vor allem im Monat 4 nach Implantation statt; im Anschluss daran traten kaum noch ischämische Ereignisse auf, sodass tatsächlich die Spätkomplikationen durch den bioresorbierbaren Stent geringer sein dürften.
Die Stents waren nach vier Monaten im Durchschnitt resorbiert und zeigten geringe Neointima-Bildungen als die konventionellen Metallstents. Dass der Stent verschwunden ist, bringt nicht nur Vorteile hinsichtlich der Gefahr eines Spätverschlusses: Persistierende Stents verhindern auch, dass das Gefäss im Querschnitt noch reagieren kann. Zudem ist die Bildgebung ebenfalls nur über eine begrenzte Zeit beeinträchtigt. In der Pädiatrie haben die Stents den Vorteil, dass sie nicht zu klein werden können, denn wenn das Kind gewachsen ist, gibt es den Stent nicht mehr.
Die Wissenschaftler wünschen sich jetzt noch einen Stent, der sich nicht ganz so schnell auflöst. Hierzu ist bereits eine neue Studie geplant. In Arbeit sind zudem abbaubare Stents, die auch Medikamente abgeben, die am Ende aber ebenfalls keine Spuren mehr hinterlassen sollen. Bei mittleren bis grossen Gefässen könnte diese neue Stent-Generation die reinen konventionellen Metallstents ablösen, sieht Feldman für die Zukunft. UNo
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