Medical Tribune AG



Dienstag, 07.02.2012     Medical Tribune Group





Overnight Report vom Kongress der American Heart Association 2007


ORLANDO, 6. November 2007

Schweizer Vorreiter:

Hypertonie-Impfung als Lösung der Compliance-Probleme

Professor Dr. Juerg Nussberger, Universitätsspital in Lausanne, ist Erstautor einer kleinen Studie, die einen „Impfstoff gegen Hypertonie“ prüfte. Dass trotz wirksamer Medikamente nur jeder dritte bis vierte Hypertoniker gut eingestellt ist, geht auf das hinlänglich bekannte Compliance-Problem zurück. Eine Impfung alle paar Monate könnte es entschärfen, lautet die Hoffnung.

Der Impfstoff richtet sich im Prinzip wie die ACE-Hemmer und die Angiotensinrezeptorblocker gegen Angiotensin II. Man nimmt nichtinfektiöse, virusförmige Partikel und koppelt sie chemisch mit Angiotensin II. Das Immunsystem attackiert daraufhin das natürlich vorkommende Angiotensin II. Die von der Firma Cytos Biotechnology (Zürich) hergestellte Vakzine wurde bei 72 Hypertonikern (65 Männer) geprüft. Sie litten an milder bis mässiger Hypertonie und erhielten entweder eine 100mg-, eine 300-mg-Injektion der Vakzine oder Plazebo.

Innerhalb von 12 Wochen nach Vakzination war eine klare Antikörper-Antwort zu verzeichnen, die in der Gruppe mit der höheren Dosis signifikant stärker ausfiel. Ein weiterer Endpunkt war der Blutdruck nach 14 Wochen. Bei den mit 300mg Vakzine Geimpften war der systolische Druck im Schnitt um 5,6 mmHg reduziert, der diastolische um 2,8 mmHg. Eher unerwartet war die Wirkung genau dann am deutlichsten, wo sie am stärksten gebraucht wird: am Morgen – denn morgens ist das Risiko für Schlaganfall und Herzattacken am grössten. Um 8 Uhr morgens lag der systolische Druck 25 mmHg niedriger als in der Plazebogruppe, der diastolische um 13 mmHg.

Da nachts die Angiotensin-Bildung gering ist, können die neu gebildeten Antikörper das am frühen Morgen ausgeschüttete Angiotensin in einem grossen Volumen aufsaugen, erklärte Dr. Martin Bachmann, Cytos Biotechnologie, dieses Phänomen.

Ein Vorteil der Impfung wäre nicht nur darin zu sehen, dass die Problematik der unregelmässigen oder völlig ausbleibenden Tabletteneinnahme umgangen wird, sondern im Vergleich zu ACE-Hemmern und Angiotensinrezeptorblockern kommt es unter der Vakzine auch weniger deutlich zum Reninanstieg. Auf weitere Daten mit längerer Nachbeobachtung und variierten Dosierungen darf man gespannt sein. UNo





 
[ Home ] [ Sitemap ]
 
hosted by bit-heads GmbH