Overnight Report vom Kongress der American Heart Association 2007
ORLANDO, 7. November 2007
Operationen bei Herzkranken: Bieten Betablocker Schutz?
Patienten mit koronarer Herzkrankheit haben bei nichtkardialen Operationen ein höheres Risiko als Herzgesunde, per- oder postoperativ ein kardiales Ereignis zu erleiden. Ob Betablocker dieses Risiko herabsetzen können, prüfte eine grosse randomisierte Studie, die am Jahreskongress der Amercian Heart Association vorgestellt wurde.
Die POISE-Studie* schloss 8351 Patienten ein, die sich einem nichtkardialen chirurgischen Eingriff unterziehen mussten. Bei den mindestens 45 Jahre alten Patienten (Durchschnittsalter: 69 Jahre) war innerhalb der letzten drei Jahre eine Koronarsklerose, eine periphere arterielle Verschlusskrankheit, ein Apoplex, eine Herzinsuffizienz diagnostiziert oder ein Gefässeingriff vorgenommen worden.
Das Protokoll sah die Einnahme von 100mg Metoprolol CR zwei bis vier Stunden vor dem Eingriff und 0 bis 6 Stunden nach dem Eingriff vor. 12 Stunden nach Operation begann dann über 30 Tage die Einnahme von 100 mg Metoprolol täglich; war keine orale Einnahme möglich, wurde eine wirkungsäquivalente Menge intravenös gegeben. Die Patienten wurden randomisiert diesem Schema oder einem entsprechenden Plazebo-Schema zugeordnet.
Primärer Endpunkt war ein Komposit aus kardiovaskulärem Tod, nichttödlicher Herzinfarkt und nichttödlicher Herzstillstand innerhalb von 30 Tagen nach Operation. Dieser Endpunkt wurde signifikant gesenkt (5,8% vs. 6,9%, p=0,04).
Professor Dr. P. Devereaux, McMaster Universität in Hamilton/Ontario, berichtete dementsprechend, dass die Studie eine klare Evidenz dafür erbrachte, dass dieses perioperative Metoprolol-Schema akute kardiale Ereignisse verhindern konnte, aber gleichzeitig gab es Hinweise, dass das Risiko für einen Todesfall oder Schlaganfall, also einzelne Ereignisse innerhalb des primären Endpunktes, erhöht war (nichttödlicher Herzinfarkt: hochsignifikant durch Metoprolol gesenkt, 3,6% vs. 5,1%, aber Gesamtmortalität 3,1% vs. 2,3% und Schlaganfall 1,0% vs. 0,5%). Das Risiko für Vorhofflimmern sank, wie auch das Risiko für eine koronare Revaskularisation, aber auf der anderen Seite lag das Risiko für klinisch signifikante Hypotonie und Bradykardie höher.
Der mögliche Nutzen müsste also bei diesem Vorgehen individuell genau gegen das potenzielle Risiko abgewogen werden, resümierte Prof. Deveraux, und dabei sollte man auch die Meinung des Patienten einbeziehen. Einer von 15 dieser Risikopatienten erlitt ein grösseres kardiovaskuläres Ereignis. Unter 1000 Patienten, die nach diesem perioperativen Schema bei nichtkardialen Operationen behandelt werden, würde Metoprolol CR bei 15 Patienten einen Herzinfarkt, drei kardiale Revaskularisationen und 7 neue Fälle von Vorhofflimmern verhindern, zum Preis von 8 Todesfällenm, 5 Schlaganfällen, 53 Fällen von Hyopotonie und 42 Fällen von Bradykardie. Uno
* Perioperative ischemic evaluation trial
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