Medical Tribune AG



Dienstag, 07.02.2012     Medical Tribune Group





Overnight Report vom Kongress der American Heart Association 2007


ORLANDO, 6. November 2007

Statine bei Herzinsuffizienz?

Erste grosse Studie präsentiert

Bisher wurden Patienten mit Herzinsuffizienz aus plazebokontrollierten Statin-Studien ausgeschlossen. „Ärzte vermuteten, dass die Statine in dieser Situation nützlich sind und mögen sie auch gegeben haben, aber die Datengrundlage dafür lag nicht vor“, berichtete Professor Dr. Ake Hjalmarson vom Wallenberg Labor der Universität Göteborg am Jahreskongress der Amercian Heart Association. Diese Wissenslücke schloss die CORONA-Studie*.

In die Studie wurden explizit ältere Patienten und Herzinsuffizienz aufgenommen. Ihre optimale kardiale Therapie wurde durch Rosuvastatin oder Plazebo ergänzt. Die linksventrikuläre Auswurffraktion betrug unter 40% bei Patienten im Herzinsuffizienzstadium NYHA III oder IV bzw. unter 35% im Stadium II; das Mindestalter lag bei 60 Jahren, der älteste Patient hatte schon 102 Lenze erblickt, das Durchschnittsalter lag bei 73 Jahren. Jeweils etwa 2500 Patienten wurden randomisiert der aktiven Gruppe bzw. der Plazebogruppe zugeteilt; die mittlere Beobachtungsdauer erstreckte sich über 2,7 Jahre. Die Basisüberlegung für das Studiendesign ging davon aus, dass im primären Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, nichttödlicher Herzinfarkt, nichttödlicher Apoplex) ein Vorteil von 16% gegenüber Plazebo gesehen wird.

Dieser primäre Endpunkt wurde nicht signifikant reduziert. Auch in der Gesamtmortalität, koronaren Ereignissen, plötzlichem Tod oder Tod durch Herzinsuffizienz gab es keinen signifikanten Unterschied. Hochsignifikant reduziert wurden jedoch die Spitaleinweisungen wegen kardiovaskulärer Ereignisse und wegen Herzinsuffizienz.

Dass das Ergebnis nicht signifikant war, schrieb Hjalmarson vor allem der Ausgangsannahme einer 16%-igen Reduktion zu: tatsächlich wurde der primäre Endpunkt unter Rosuvastatin um 8% reduziert (27,5% versus 29,3%). Die post-hoc-Analyse ergab ein um 16% reduziertes Risiko für nichttödlichen oder tödlichen Myokardinfarkt oder Schlaganfall (Rosuvastatin 9,0%, Plazebo 10,6%).

Wenn auch die Teilnehmerzahlen nicht ausreichten, um einen signifikanten Unterschied bei 8% Differenz zu zeigen, so gab es doch auch interessante Einblicke zur Sicherheit, die heute bei Statinen heiss diskutiert wird: Die Therapieabbrecher wegen unerwünschter Wirkungen waren in der Plazebogruppe häufiger als unter Rosuvastatin (n= 302 bei Plazebo vs. n=241 unter Rosuvastatin, p=0,004) – „und das bei alten und sehr kranken Patienten“, betonte Prof. Hjalmarson nachdrücklich.

Das, was Rosuvastatin soll, nämlich den LDL-Spiegel senken, erreichte es hochsignifikant. Dass sich dies nicht in einer signifikanten Reduktion des primären Endpunktes niederschlug, erklärte sich die Arbeitsgruppe damit, dass bei diesen alten Patienten die atheromreduzierende Wirkung weniger zum Tragen kommt. Hjalmarson vermutet, dass bei diesen herzinsuffizienten Patienten eher ein Ereignis in der Reizweiterleitung („elektrisches Ereignis“) zum fatalen Ausgang führt, verursacht durch Vernarbung oder Ventrikeldilatation – darauf haben Statine keinen Einfluss.

Denn obwohl die nichttödlichen Myokardinfarkte reduziert waren, bildeten die kardialen Todesfälle den Hauptanteil am primären Endpunkt (68%). Auf jeden Fall bekräftigen die Daten die gute Tolerabilität des Rosuvastatins. Sofern ein älterer Patient ein Statin erhält, kann dies jedenfalls weiter geführt werden, auch wenn er in die Herzinsuffizienz gerät – dieses Vorgehen stützen die Studienergebnisse, resümierte Hjalmarson. UNo

*CORONA: Controlled rosuvastatin multinational trial in heart failure





 
[ Home ] [ Sitemap ]
 
hosted by bit-heads GmbH