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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





Overnight Report von der 74. Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin, Lausanne, Mai 2006


Lausanne, 13. Mai 2006

Syphilis wieder auf dem Vormarsch!

In der Schweiz Zuwachsrate von 176% innerhalb von drei Jahren!

"Chirurgen schnitten perianal Hämorrhoidalknoten" heraus. Doch warum hatte der Patient gleichzeitig Fieber, Gelenkbeschwerden und ein makulöses Exanthem? Dr. Stephan Lautenschläger mahnte, dass den frisch ausgebildeten Ärzten die Vertrautheit mit dem früher so häufigen Krankheitsbild fehlt. Verzögerung der Diagnostik und Fehldiagnosen sind daher ausgesprochen häufig.

"Verlassen Sie sich nicht auf die Anamnese!", so der Referent. Nur in der Politik werde noch mehr gelogen als bei der Sexualanamnese. Ob verheiratet oder Single, wer gibt schon gerne zu, auf fremden Wiesen geweidet zu haben?

Die Lues verläuft in verschiedenen Stadien. Lues I zeichnet sich vorzugsweise durch ein schmerzloses Ulkus am Ort der Inokulation aus. Häufig ist das Ulkus von einem indurierten Ödem umgeben und befindet sich nicht nur an den "klassischen" Orten wie Penis und Vagina, sondern beispielsweise an der Lippe, parasternal oder gar an Fingern.

Die klinische Vielfalt des Erscheinungsbildes der Lues II hat es in sich. Nicht umsonst wird diese Krankheit als Chamäleon bezeichnet. Das flüchtige makulöse Exanthem wird häufig übersehen, zumal der Patient meist symptomlos ist. Das Exanthem kann auch papulös, makulo-papulös, examthematös oder granulomatös sein. Letzteres wird gerne mit dem disseminierten Granuloma anulare verwechselt. Am Gaumen befinden sich häufig muköse Plaques.

Im Stadium I erlaubt ein Abstrich vom Ulkus die Diagnose, im Dunkelfeld sind die Spirochäten ganz besonders schön zu sehen. Im Stadium II ist der VDRL ( veneral disease laboratory research test) als Suchtest indiziert. Als Bestätigungstest dient der TPHA (Treponema pallidum Häm-Agglutinationstest).

Therapie der Wahl ist die einmalige Gabe von Benzathin-Penicillin 2,4 Millionen Einheiten. 50 mg Prednison per os zusätzlich verabreicht erspart die Symptomatik der Herxheimer-Reaktion: Durch den massiven Zellzerfall kommt es sonst zu Fieber und Unwohlsein. Als suboptimale Alternative steht Doxicyclin 200 mg täglich per os über zwei Wochen zur Verfügung. Dr. Juliane Neuss Münzel





 
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