Medical Tribune AG



Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





Overnight Report von der 74. Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin, Lausanne, Mai 2006


Lausanne, 12. Mai 2006

Wartet auf die Zulassung in der Schweiz

Neue Therapieoption für Osteoporosepatienten

Die heute primär eingesetzten Osteoporosetherapeutika entfalten ihre Wirkung vor allem durch die Hemmung der Knochenresorption. Nun wartet ein neues Medikament, das Strontium Ranelat, auf die Zulassung in der Schweiz. Es fördert auch auf den Knochenneubau. PD Dr. med. Marius Kränzlin, Basel, erläuterte an einem Satellitensymposium die Resultate der ersten Studien.

Die Substanz Strontium ist eigentlich seit 200 Jahren bekannt. Nun wurde es für die Therapie der Osteoporose entdeckt. Den genauen Wirkungsmechanismus kennen wir noch nicht, man weiss aber, dass es Knochenabbau und Knochenaufbau entkoppelt. Es stimuliert die Osteoblastenaktivität und inhibiert die Osteoklastenaktivität, was zu einem relativ raschen Gewinn an mineralisiertem Knochen führt..

Beachtlich ist der Gewinn an Mineralgehalt unter Strontium-Therapie, 5% im Schenkelhals innert zwei Jahren, in der lumbalen Wirbelsäule war in drei Jahren ein Anstieg des Mineralgehalts um 14% zu verzeichnen. Der Zuwachs an Mineralgehalt liegt fast im Bereich, wie er mit einer Parathormonherapie erreicht wird.
Strontium lagert sich an den Knochen an und wird mit der Zeit eingebaut, an Stelle des Kalziums. Da Strontium ein höheres Atomgewicht als Kalzium hat, wird der Röntgenstrahl der Densitometrie stärker abgeschwächt, deshalb muss ein Korrekturfaktor eingeführt werden. Etwa 40% des Anstiegs des Mineralgehalts im Knochen ist daher auf Strontium, die restlichen 60% auf den realen Zuwachs des Mineralgehalts zurückzuführen.

In mehreren Studien konnte auch die Senkung der Frakturrate unter der Therpaie mit Strontium Ranelat gezeigt werden. Nach drei Jahren sank das Risiko einer Wirbelfraktur bei postmenopausalen Frauen um 40%. In der TROPOS-Studie wurden auch die nichtvertebralen Frakturen bei über 5000 hochbetagten Patienten (Durchschnittalter 76 Jahre) untersucht. Drei Jahre nach Therapiebeginn war der Mineralgehalt des Schenkelhalses um 8 % angestiegen.

Die Rate aller nicht-vertebralen Frakturen konnte um 16% gesenkt werden, die häufigsten peripheren Frakturen wie Humerus-, Radius- und Schenkelhalsfraktur zeigten eine 20%ige Reduktion. Wenn man die Schenkelhalsfraktur isoliert betrachtete, fand sich keine Signifikanz. Die Post-hoc-Analyse ergab allerdings, dass eine Hochrisikogruppe, definiert als Alter über 75 Jahre und p-Score minus 3 im Schenkelhals, von einer Strontium Ranelat-Therapie profitierte, das Risiko einer Schenkelhalsfraktur konnte um 30% reduziert werden. In Kürze werden die Fünfjahresresultate erwartet.

In der Schweiz ist Strontiumranelat noch nicht zugelassen, in der EU ist es seit über einem Jahr im Handel. BE

TROPOS: (Treatment of peripheral osteoporose), J Clin Metabol 2005, 90; 2822





 
[ Home ] [ Sitemap ]
 
hosted by bit-heads GmbH