Overnight Report von der 74. Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft
für Innere Medizin, Lausanne, Mai 2006
Lausanne, 12. Mai 2006
Wartet auf die Zulassung in der Schweiz
Neue Therapieoption für Osteoporosepatienten
Die heute primär eingesetzten Osteoporosetherapeutika entfalten
ihre Wirkung vor allem durch die Hemmung der Knochenresorption. Nun wartet ein
neues Medikament, das Strontium Ranelat, auf die Zulassung in der Schweiz. Es
fördert auch auf den Knochenneubau. PD Dr. med. Marius Kränzlin, Basel,
erläuterte an einem Satellitensymposium die Resultate der ersten Studien.
Die Substanz Strontium ist eigentlich seit 200 Jahren bekannt. Nun wurde es
für die Therapie der Osteoporose entdeckt. Den genauen Wirkungsmechanismus
kennen wir noch nicht, man weiss aber, dass es Knochenabbau und Knochenaufbau
entkoppelt. Es stimuliert die Osteoblastenaktivität und inhibiert die Osteoklastenaktivität,
was zu einem relativ raschen Gewinn an mineralisiertem Knochen führt..
Beachtlich ist der Gewinn an Mineralgehalt unter Strontium-Therapie, 5% im Schenkelhals
innert zwei Jahren, in der lumbalen Wirbelsäule war in drei Jahren ein
Anstieg des Mineralgehalts um 14% zu verzeichnen. Der Zuwachs an Mineralgehalt
liegt fast im Bereich, wie er mit einer Parathormonherapie erreicht wird.
Strontium lagert sich an den Knochen an und wird mit der Zeit eingebaut, an
Stelle des Kalziums. Da Strontium ein höheres Atomgewicht als Kalzium hat,
wird der Röntgenstrahl der Densitometrie stärker abgeschwächt,
deshalb muss ein Korrekturfaktor eingeführt werden. Etwa 40% des Anstiegs
des Mineralgehalts im Knochen ist daher auf Strontium, die restlichen 60% auf
den realen Zuwachs des Mineralgehalts zurückzuführen.
In mehreren Studien konnte auch die Senkung der Frakturrate unter der Therpaie
mit Strontium Ranelat gezeigt werden. Nach drei Jahren sank das Risiko einer
Wirbelfraktur bei postmenopausalen Frauen um 40%. In der TROPOS-Studie
wurden auch die nichtvertebralen Frakturen bei über 5000 hochbetagten
Patienten (Durchschnittalter 76 Jahre) untersucht. Drei Jahre nach Therapiebeginn
war der Mineralgehalt des Schenkelhalses um 8 % angestiegen.
Die Rate aller nicht-vertebralen Frakturen konnte um 16% gesenkt werden, die
häufigsten peripheren Frakturen wie Humerus-, Radius- und Schenkelhalsfraktur
zeigten eine 20%ige Reduktion. Wenn man die Schenkelhalsfraktur isoliert betrachtete,
fand sich keine Signifikanz. Die Post-hoc-Analyse ergab allerdings, dass eine
Hochrisikogruppe, definiert als Alter über 75 Jahre und p-Score minus 3
im Schenkelhals, von einer Strontium Ranelat-Therapie profitierte, das Risiko
einer Schenkelhalsfraktur konnte um 30% reduziert werden. In Kürze werden
die Fünfjahresresultate erwartet.
In der Schweiz ist Strontiumranelat noch nicht zugelassen, in der EU ist es
seit über einem Jahr im Handel. BE
TROPOS: (Treatment of peripheral osteoporose), J Clin Metabol
2005, 90; 2822
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