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Overnight Report von der 74. Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin, Lausanne, Mai 2006


Lausanne, 11. Mai 2006

Unkomplizierte Harnwegsinfekte

Wie sicher sind Fernbehandlungen?

Seit 1.5 Jahren werden unkomplizierte Harnwegsinfekte vom Telemedizinischen Zentrum Basel telefonisch behandelt. Die Resultate dieser Fernbehandlungen wurden am Jahreskongress der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin von Michaela Pfaff und Serge Reichlin, Basel, auf einem Poster präsentiert.

Harnwegsinfekte (HWI) sind ein häufiges Krankheitsbild in der Hausarztpraxis. Man schätzt, dass jede zweite Frau im Laufe ihres Lebens deswegen mindestens einmal einen Arzt konsultiert.

Nach aktuellen Guidelines kann ein symptomatischer unkomplizierter Harnwegsinfekt bei sonst gesunden Frauen allein aufgrund der Anamnese und nach Ausschluss komplizierender Faktoren mit einer empirischen Antibiotikatherapie behandelt werden.

Die Telemediziner setzten dies praktisch um. Mit Hilfe eines strukturierten Fragebogens stellten sie die Diagnose HWI anhand von typischen Symptomen wie akut einsetzenden Bauchschmerzen, Dysurie, Pollakisurie sowie Makro-Hämaturie. Als Ausschlusskriterien galten der Verdacht auf Pyelonephritis (Fieber, Schüttelfrost, Flankenschmerzen) oder komplizierende Faktoren wie Obstruktion oder Anomalien des Urogenitaltrakts, Urolithiasis, Diabetes, Schwangerschaft, Immunsuppression, rezidivierende HWI's in den letzten 14 Tagen, Alter <14 oder > 65 Jahre und männliches Geschlecht.

Insgesamt 122 Patientinnen erhielten als Behandlung während durchschnittlich 3,6 Tagen entweder Co-Trimoxazol (58 %), Norfloxacin (37 %), Ciprofloxacin (4 %), Nitrofurantoin, Fosfomycin oder Amoxicillin/Clavulansäure (zusammen 1 %).

Bei 90 % der Patientinnen wurde im Anschluss an die telemedizinische Behandlung nach 3-5 Tagen ein telefonisches Follow-up durchgeführt. 83,5 % der Befragten gaben Beschwerdefreiheit an und bei weiteren 14,5 % waren die Symptome rückläufig. Drei Patientinnen hatten zusätzlich einen Arzt konsultiert, bei zwei von ihnen wurde das Antibiotikum gewechselt.

Die Autoren folgern aus ihren Erfahrungen, dass sich unkomplizierte HWI's effizient, effektiv und sicher telemedizinisch behandelt lassen. Thü

Aktuelle Guidelines: Bent S. Saint S. Am J Med 2002 Jul 8;113 Suppl 1 A:20S-28

 





 
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