Overnight Report von der 74. Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft
für Innere Medizin, Lausanne, Mai 2006
LAUSANNE, 11. Mai 2006
Schwere Hypokaliämie
Fisherman's Friend - Freund oder Feind?
Der übermässige Genuss von Fisherman's Friend-Pastillen
hatte für einen 31-jährigen Mann üble Folgen. Die spektakuläre
Geschichte wurde an der Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für
Innere Medizin auf einem Poster von Dr. Modarres Matter, Zürich, präsentiert.
| Wegen Muskelschmerzen und einer progredienten Paraparese in
beiden Beinen suchte ein 31 jähriger Mann notfallmässig das Spital
auf. Bei der Untersuchung präsentierte er einen Steppergang. Zehenstand
links, Fersenstand rechts und Einbeinstand waren nicht möglich. Im
Labor fand sich eine schwere Hypokaliämie von 1.5 mol/L, und ein hoher
CK-Wert von 3425 U/L weckte den Verdacht auf eine Rhabdomyolyse. |
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Im EKG zeigten sich eindrückliche U-Wellen, aber keine Rhythmusstörung.
Auf Nachfragen berichtetet der Patient über einen Konsum von 1 - 11/2 Päckchen
"Fisherman's Friend" seit 2-3 Monaten. Dies entspricht einer täglichen
Einnahme von 60-90 mg Glycyrrhizinsäure (Lakritze).
Unter Spironolacton und einer hochdosierten Kaliumsubstitution verschwanden
die Symptome und verbesserte sich der Kaliumwert auf 2.9 mmol/L. Nach 5 Tagen
konnte die intravenöse Kaliumzufuhr gestoppt und der symptomfreie Patient
mit einem Rezept für ein Kaliumpräparat und Spironolacton entlassen
werden. Aber auch ohne einen weiteren Genuss von Fisherman's Friend zeigte sich
bei ihm weiterhin eine Tendenz zu tiefen Kaliumwerten.
Differentialdiagnostisch wurde anfänglich entweder eine Glycyrrhizinsäure-induzierter
Pseudo-Hyperaldosteronismus oder eine angeborene Nierenkrankheit (z.B. ein Gitelman-Syndrom)
mit akuter Dekompensation einer vorbestehenden Hypokaliämie erwogen. Der
spätere Verlauf und Bestimmungen von Aldosteron und aktivem Renin bestätigten
dann die letztere Diagnose. Thü
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