Overnight Report von der 74. Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft
für Innere Medizin, Lausanne, Mai 2006
Lausanne, 13. Mai 2006
Lohnt sich ein Screening?
Lungenembolie als Ursache einer Exazerbation von COPD
Infekte, Umweltverschmutzung und viele weitere unbekannte Faktoren
sind für die Exazerbation einer COPD verantwortlich. Wegen der niedrigen
Prävalenz der Lungenembolie als kausale Ursache lohnt sich jedoch ein routinemässiges
Screening nicht. Dies ist die Quintessenz einer Studie, die auf dem diesjährigen
Internistenkongress vorgestellt wurde.
Eine prospektive Studie an zwei Universitätskliniken der französischen
Schweiz untersuchte 521 Patienten mit einer moderaten bis schwerwiegenden Exazerbation
einer COPD. Zu den Ausschlusskriterien gehörten Pneumonie und Pneumothorax
als Komorbidität. Das Studiendesign sah folgendermassen aus:
Didimere mit Werten über 500 mikrog/l schlossen eine Lungenembolie aus.
Bei Werten über 500 mikrog/l wurde ein Ultraschall der unteren Extremität
durchgeführt sowie ein thorakales SpiralCT.
123 Personen wiesen Didimere über 500 mikrog/l auf. Bei 48/123 bestand
klinisch der Verdacht auf eine Lungenembolie, bei 75/ 123 ergab sich kein Verdacht.
Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 71 Jahre, 32% von ihnen waren Frauen.
Nur bei 3/48 konnte im SpiralCT eine Lungen-embolie nachgewiesen werden.
Diese Tatsache spricht dafür, dass es sich nicht lohnt, routinemässig
bei einer akuten Exazerbation einer COPD nach einer Lungenembolie zu fahnden.
Wie so häufig im Leben eines Arztes: es ist besser, wenn er sich einfach
auf sein klinisches Feeling verlässt und nur anhand eines begründeten
Verdachts die weitere diesbezügliche Diagnostik veranlasst. Dr. Juliane
Neuss Münzel
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