Overnight Report von der 74. Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft
für Innere Medizin, Lausanne, Mai 2006
Lausanne, 12. Mai 2006
In Zürich ist alles möglich ...
Ansteckung auf mysteriösem Weg
Hinter einer inguinalen Lymphknotenschwellung kann auch ohne entsprechende
Reiseanamnese eine ziemlich exotische Ursache stecken. Und dies trotz eines
gewöhnlichen, bürgerlichen Lebenswandels mit dem einzigen Risikofaktor:
Wohnort Zürich. Darüber berichtete D. Schneider, Stadtspital Triemli,
Zürich, in Posterform.
Ein 44-jähriger heterosexueller Architekt bemerkt beidseits inguinal zunehmende
Lymphknotenschwellungen und sucht nach zehn Tagen den Arzt auf. Seit vielen Jahren
lebt er mit seiner Partnerin zusammen, hat weder ungeschützten Geschlechtsverkehr
mit anderen Frauen noch homosexuelle Kontakte. Er ist nicht Katzenhalter und hat
keine Auslandsreisen nach Afrika, Asien, Südamerika, in die Karibik oder
nach Amsterdam unternommen.
Der HIV-Test fällt negativ aus, die Serologie ergibt positive IgG-Titer
gegen Chlamydia psittaci und C. pneumoniae sowie einen positiven IgM-Titer gegen
C. trachomatis. Um ein rasch wachsendes Lymphom auszuschliessen und um eine
Gewebsprobe zu gewinnen, wird eine Lymphknotenexzision durchgeführt. Es
wird eine abszedierende Lymphadenitis festgestellt. Schliesslich kann mittels
PCR Chlamydia trachomatis vom Genotyp LGV Variante L2b nachgewiesen werden.
Nachdem die Diagnose eines Lymphogranuloma venereum feststeht, erhält
der Patient eine dreiwöchige Doxycyclintherapie.
Auch in Zürich muss bei inguinaler Lymphadenopathie differenzialdiagnostisch
an das Lymphogranuloma venereum gedacht werden, selbst bei Fehlen der bekannten
Risikofaktoren. Die PCR stellt die diagnostische Methode der Wahl dar, nicht
die oft verwirrende Serologie. (Poster P66) Alfred Lienhard.
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