Overnight Reports: IPV, Prag, September 2006
05. September 2006
Vakzine gegen Warzenviren
Krebsimpfung wird Realität
PRAG – Die 23. Internationale Papillomavirus-Konferenz ist in diesem Jahr
auch für Kliniker besonders spannend: Vor kurzem wurde in den USA und Kanada ein Impfstoff gegen
das humane Papillomavirus zugelassen. Die Vakzine ist gegen die häufigsten onkogenen Papillomavirustypen
HPV 16 und 18 gerichtet sowie gegen die HPV-Typen 6 und 11, die für 90 % der Genitalwarzen verantwortlich sind.
Die Vakzine verspricht, junge Frauen künftig vor einem Zervixkarzinom und deren Vorstufen zu schützen.
Neue Daten belegen zudem eine Wirksamkeit gegen Vaginal- und Vulvakarzinome.
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Auf der 23. Internationalen Papillomavirus-Konferenz treffen sich die Experten in Prag.
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Die direkte Korrelation zwischen einer Infektion mit dem humanen Papillomavirus und dem Zervixkarzinom
ist bestens etabliert. Es gibt aber über 140 humanspezifische Genotypen des HP-Virus, berichtete Dr. Peter
M. Howley, Howard Medical School, Cambridge MA. Über 30 davon verursachen Infektionen im Genitalbereich
oder spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs und anderen Tumoren im Genitalbereich.
Die wichtigsten Zervixkarzinom-induzierenden HPV-Typen sind: HPV-16, 18, 31, 33 und 45.
Der von der FDA seit Juni 2006 zugelassene Impfstoff von Sanofi Pasteur MSD, Gardasil®, ist als quadrivalente
Vakzine gegen die beiden onkogenen Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18 und auch gegen die HPV-Typen 6 und 11 gerichtet,
die Kondylome im Genitalbereich verursachen.
Die Immunisierung besteht aus der dreimaligen intramuskulären Impfung innerhalb von sechs Monaten.
Täuschung des Immunsystems
Die Vakzine bewirkt die Bildung neutralisierender Antikörper. Der rekombinante Impfstoff verwendet
sogenannte VLPs, Virus-like-particles. Diese sind der äusseren Hülle des Virus nachgebaut, ohne infektiös zu sein.
Sie werden wegen ihrer identischen Struktur vom Immunsystem wie ein infektiöses Virus wahrgenommen und
führen sogar zu einer stärkeren Immunantwort als eine tatsächliche HPV-Infektion, erklärte Prof. Dr Anna Giuliano,
H.Lee Moffitt Cancer Center, Tampa, anlässlich eines Satellitensymposiums des Unternehmens Sanofi Pasteur MSD.
Humane Papillomaviren sind extrem infektiös. Es wird geschätzt, dass drei von vier sexuell aktiven Frauen im Lauf
ihres Lebens mit dem HP-Virus in Kontakt kommen.
Immunologische Kreuzreaktion?
Obwohl der Impfstoff gegen spezifische HPV-Typen gerichtet ist, gibt es Hinweise darauf, dass die
quadrivalente Vakzine einen möglicherweise geringeren Schutz vor Infektionen auch mit anderen HPV-Typen bietet.
Dr. Janine Bryan vom Unternehmen Merck, USA, und Kollegen konnten an diesem Kongress zeigen, dass Antikörper
aus dem Serum mit Gardasil® geimpfter Probandinnen in vitro auch an VLPs verwandter HPV-Typen bindet.
Die Antikörper waren zum Beispiel auch gegen HPV 45 und HPV 31 wirksam, die als dritt- und vierthäufigste onkogene HPV-Typen
gelten.
Die Untersuchung von Serum bei 10 mit Gardasil geimpften Frauen wies in 6 Fällen auch Antikörper gegen HPV 45 nach
und in 8 Fällen gegen HPV 31. Allerdings war der Antikörpertiter vielfach niedriger als gegen HPV-Typ 18. „Die klinische
Relevanz dieser nachgewiesenen Kreuzreaktion steht noch nicht fest“, schloss Dr. Bryan.
Konkrete Empfehlungen stehen noch aus
In der Schweiz ist die Vakzine noch nicht zugelassen. In Kürze werden Leitlinien erwartet, die folgende Fragen
klären sollen: Wer soll geimpft werden und in welchem Alter? Einig sind sich die Experten darüber, dass eine Impfung
vor Beginn des Sexuallebens erfolgen sollte.
Die in Studien belegte Wirkdauer der Vakzine liegt bei fünf Jahren. Mit Hilfe mathematischer Modelle lässt sich bereits
heute gegen HPV-16 eine Wirksamkeit von mehreren Jahrzehnten voraussagen, so Prof. Giuliano:
„Je jünger die Impfkandidaten, desto höhere Antikörpertiter werden erreicht. Und je höher die erzielten Antikörpertiter,
desto länger hält die Schutzwirkung an“, so die Expertin.
In den USA ist die Vakzine für Mädchen ab einem Alter von 9 Jahren zugelassen.
Dr. Anka Stegmeier-Petroianu
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