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Overnight Report von der IPV-Konferenz, Prag, September 2006
PRAG, 13. September 2006
Vakzine gegen humane Papillomaviren
Langfristige Investition in die Gesundheit
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Professor Dr. Robert Steffen
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PRAG – Die erste Vakzine gegen Papillomaviren steht auch in der Schweiz kurz vor der Zulassung. Wir haben Professor Dr. Robert Steffen, Leiter der Abteilung Epidemiologie und Prävention übertragbarer Krankheiten am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich und Vizepräsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF)
zu der Prävention des Zervixkarzinoms in der Schweiz befragt.
MT: In der Schweiz wird voraussichtlich in Kürze die erste Vakzine gegen humane Papillomaviren zugelassen werden. Wie werden die Schweizer Impf-Guidelines aussehen?
Prof. Steffen: Diese Frage wird noch in dieser Woche von einer speziellen Expertengruppe innerhalb der EKIF besprochen. Wir denken, die Schweizer Empfehlungen werden schon kurz nach der Marktzulassung vorliegen.
MT: Welcher ist Ihrer Meinung nach der beste Zeitpunkt zu impfen?
Prof. Steffen: Die Experten befürworten einhellig eine Impfung für Mädchen und allenfalls auch für Jungen vor dem Beginn der sexuellen Aktivität.
MT: Wird eine Auffrischimpfung nötig sein?
Prof. Steffen: Es gibt zunehmend Optimisten, die annehmen, dass dies nicht nötig sein wird. Beruhend auf neuen Daten und mathematischen Modellen, vor allem aus den USA, können wir tatsächlich hoffen, dass der Schutz nach HPV-Impfung lebenslang besteht.
MT: Wer wird in der Schweiz das Impfen übernehmen: Die Gynäkologen? Der Schularzt? Der Pädiater?
Prof. Steffen: Ich denke, es ist die gesamte Ärzteschaft gefordert. Wenn ein Mädchen sich zum ersten Mal einen Ovulationshemmer verschreiben lässt, wäre das ein günstiger Moment für den Gynäkologen. Natürlich ist der Hausarzt, der die ganze Familie kennt, ebenfalls ein guter Ansprechpartner.
MT: Wie schätzen Sie die Akzeptanz der Impfung bei Kollegen und Patienten ein?
Prof. Steffen: Ich stelle mir eine hohe Akzeptanz vor. Schliesslich hat die Vakzine sich ein hohes Ziel gesetzt: Das Verhindern eines relativ häufigen Karzinoms, in vielen Ländern die zweithäufigste maligne Erkrankung der Frau. Aus der Bevölkerung erwarte ich Fragen, etwa ob es denn sinnvoll ist, bereits Teenager zu impfen, zum Beispiel gemeinsam mit der Impfung gegen Hepatitis B im Alter von 11 bis 15 Jahren. Zwei Studien aus der Schweiz belegen, dass etwa 20% der Mädchen unter 15 eben schon sexuelle Kontakte gehabt haben. Das Potential der Impfung wird dann optimal genutzt, wenn diese vor Beginn des Sexuallebens verabreicht wird.
MT: Es werden zwei Vakzine auf den Markt kommen. Wodurch unterscheiden sich diese?
Prof. Steffen: Bezüglich Schutzwirkung gegen Vorstufen des Zervix-Karzinoms sind beide mit rund 100% etwa ebenbürtig. Bei der Impfung, die wahrscheinlich zuerst auf den Markt kommt, gibt es einen zusätzlichen Nutzen, den Schutz gegen spitze Kondylome. Dieser ist willkommen bei Patienten, die erfahren mussten, wie mühsam die Behandlung von Genitalwarzen ist. Die Inzidenz der Kondylome in Europa ist nicht so niedrig wie man denkt, da die Betroffenen kaum je darüber sprechen.
MT: Einen Impact auf die Senkung der Inzidenz des Zervixkarzinoms ist ja erst in 20 Jahren zu erwarten.
Prof. Steffen: Schnellere Effekte wird man in der Inzidenz der Krebsvorstufen CIN 1, 2, 3 sehen. Die HPV-Impfung ist eine langfristige Investition in die Gesundheit.
MT: Welche Auswirkung hat die Vakzine auf bestehende Screeningprogramme?
Prof. Steffen: In der Schweiz ist das Screening alle drei Jahre vorgesehen, wenn zwei normale Abstriche vorausgegangen sind. Das wird sich nach Einführung der Impfung nicht ändern.
MT: Was ist Ihre Botschaft an den Grundversorger?
Prof. Steffen:
- Die Impfstoffe sind nicht nur sehr wirksam, sondern sie haben in allen Studien auch ein exzellentes Sicherheitsprofil gezeigt.
- Man muss früh daran denken, Mädchen zu impfen, um auch die Minderheit abzudecken, die vor dem 15. Lebensjahr sexuell aktiv ist.
- Die Ärzteschaft muss sich im Klaren sein, dass die Impfung die Vorsorge nicht ersetzt. Die Impfung schützt nicht gegen alle onkogenen HPV-Typen, sondern gegen die Hochrisikotypen HPV 16 und 18. Es gibt zwar Hinweise auf eine Kreuzimmunität zu anderen Typen, so dass auch Infektionen mit anderen pathogenen Stämmen unterdrückt werden, aber wohl eben nicht gegen alle.
MT: Und die Kosten?
Prof. Steffen: Die Kosten sind erheblich. Ich bin gespannt auf die Entscheide der Sozialversicherung bezüglich der Kostenübernahme.
Dr. med. Anka Stegmeier-Petroianu
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