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Overnight Report von der IPV-Konferenz, Prag, September 2006


PRAG, 13. September 2006

Highlights am Internationalen Papillomavirus-Kongress:

PD Dr. Denise Nardelli-Haefliger
PD Dr. Denise Nardelli-Haefliger

Kommentiert von PD. Dr. Denise Nardelli-Haefliger, Institut für Mikrobiolgie, CHUV

  • Sollten auch Jungen geimpft werden?

Das hängt davon ab, wie hoch die Teilnahme an Impfprogrammen ist. Geht man davon aus, dass mindestens 75% der Mädchen geimpft werden, ist eine Impfung der männlichen Bevölkerung nicht kosteneffektiv.
Wenn man nur Frauen impft und von einer 100%-igen Impfbeteiligung ausgeht, senkt man das Lebens-Risiko an einem Zervixkarzinom zu erkranken um 64%, berichtete Dr. Jane J. Kim, Harvard School of Public Health.

  • Optimales Impfalter:

In den USA beginnt jedes dritte Mädchen eine sexuelle Aktivität vor dem 15. Lebensjahr, in Finnland sind es nur 10% der Mädchen, die unter 15 sexuell aktiv sind. Die Strategie, Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren zu impfen und zusätzlich eine sogenannte „Catch-up“ Impfung für Mädchen bis zu einem Alter von 24 Jahren durchzuführen, reduziert die Inzidenz des Zervixkarzinoms und seiner Vorstufen um 88% bzw. 87%, und der Genitalwarzen um 94%, zeigte eine Studie von Dr. Elamin Elbasha vom Unternehmen Merck in den USA.

  • Gefährliche Spermizide:

Dr. John T. Schiller vom amerikanischen Krebsinstitut NCI zeigte anhand von In-vitro-Tests, dass das Spermizid Nonoxynol-9 die Anfälligkeit für HPV-Infektionen erhöht. Zuvor wurde bereits gezeigt, dass Nonoxynol-9, entgegen früheren Meldungen, die Ansteckungsgefahr mit dem HI-Virus erhöht. Eine häufige Anwendung des Gels verletzt die Vagina, wodurch sich die Ansteckungsgefahr erhöht. Das erhöhte Infektionsrisiko mit HPV konnte aber auch bei einer „unverletzten“ Scheide gezeigt werden.

  • Screeningmodalitäten im Wandel:

In Ländern mit staatlichen Programmen ist die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen viel höher (Holland 80%) als in Ländern ohne solche Programme (Deutschland), (Schweiz 50%) An erster Stelle sollte nicht die Zytologie stehen, sondern erst ein HPV-DNA-Test, eine Unterscheidung in Hochrisiko- und Niedrigrisikotypen und erst dann eine zytologische Untersuchung, so die Daten von Prof. Dr. Chris Meijer aus Amsterdam.
Man würde so auch vermeiden, Frauen mit Borderline-Zytologien umsonst zu beunruhigen. In Holland wird dieses Prozedere bereits nächstes Jahr implementiert werden.

  • Therapeutische Vakzine:

Geforscht wird auch an therapeutischen Vakzinen, die bei bereits infizierten Frauen eine Rückbildung von bestehenden Präkanzerosen und auch von malignen Läsionen bewirken sollen. Die Wirksamkeit verschiedener in Studien befindlicher therapeutischer Vakzine hat mich nicht überzeugt: Es konnte eine Reduktion der intraepithelialen Neoplasien CIN 2,3 um 50% erzielt werden, im Vergleich zu 25% spontaner Rückbildungsraten.

  • Prophylaktische Vakzine beschleunigt Viruselimination nicht:

Eine amerikanische Studie um Dr. Allan Hildesheim vom Nationalen Krebsinstitut in Rockville hat anhand 1259 HPV-positiver Frauen in Costa Rica gezeigt, dass eine prophylaktische Impfung bei bereits infizierten Frauen keinen Benefit im Hinblick auf eine beschleunigte Viruselimination bringt.

Aufgezeichnet und übersetzt aus dem Französischen: Dr. Anka Stegmeier-Petroianu



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