Overnight Report von der IPV-Konferenz, Prag, September 2006
PRAG, 13. September 2006
Krebsfrüherkennung
Goldstandard PAP bald abgelöst?
PRAG – Ein Test auf humane Papillomaviren könnte künftig als primäre Screeningmethode dem PAP-Abstrich Konkurrenz machen, berichtete Dr. Marie-Hélène Mayrand, McGill University, Montréal, an der 23. Internationalen Papillomavirus-Konferenz.
Zervixkarzinome und ihre Vorstufen sind immer auf eine Infektion mit humanen Papillomaviren zurückzuführen. Die Krebsvorsorgeuntersuchung erfolgt heute mittels einer zytologischen Untersuchung eines Abstrichs vom Gebärmutterhals. Die Vorsorgeuntersuchungen sollen alle Frauen ab 18 bzw. ab Beginn der sexuellen Aktivität bis zu einem Alter von 65/70 Jahren in Anspruch nehmen. Liegen mehrere unauffällige Befunde vor, sehen die geltenden Empfehlungen ein Screeningintervall von zwei bis drei Jahren vor.
Neuer Screening-Algorithmus
|
|
Vorschlag für einen neuen Screeningalgorithmus
|
Eine neue Screening–Methode beruht auf dem direkten Nachweis viraler DNA. Der Test auf HPV-DNA ist wesentlich sensitiver als der konventionelle PAP-Abstrich. Die Zytologie erreicht bei vergleichbarer Spezifität eine Sensitivität von 55,4% während die Sensitivität des HPV-Tests bei 94,7 % liegt.
Der neue Algorithmus sieht vor, zunächst alle Frauen in einem Alter ab 25 Jahren auf HPV zu testen. Ist der Test negativ, genügt es, in fünf Jahren wieder vorstellig zu werden.
„Selbst in hoch entwickelten Ländern ist die Bereitschaft an Screeningprogrammen teilzunehmen nicht genug ausgeprägt. Eine Verlängerung des Screeningintervalls wäre willkommen“.
Fällt der Test positiv aus, sollte ein Follow-up erfolgen und eine konventionelle zytologische Untersuchung. Ausserdem besteht die Möglichkeit durch Genotypisierung genauere Information über die Art der Infektion zu bekommen, um etwa Infektionen mit den Typen HPV 16 und 18 auszuschliessen, die beide mit einem erhöhtem Risiko für die Entwicklung eines CIN 2 und höher einhergehen.
Weiterer Vorteil des neuen Algorithmus: Die Aussagekraft der Zytologie wird erhöht, denn es werden nur HPV-positive Abstriche zytologisch untersucht.
Screening und Impfung wichtig
Die Vakzine, die kurz vor der Zulassung steht, schützt nicht vor allen HPV-Typen und kommt vor allem jungen Frauen zugute. Im Zeitalter der Vakzine muss aber auch das Screening optimiert werden. Neue Vorsorgestrategien können dazu beitragen, die Sicherheit für alle Frauen zu erhöhen, nicht an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Für viele Experten spielt die Integration des HPV-DNA-Tests in die primäre Vorsorge eine entscheidende Rolle, berichtete Professor Dr. Jack Cuzick, Imperial Cancer Research Fund, London, an einem Satellitensymposium des Unternehmens Digene. In einer kürzlich veröffentlichten Studie mit über 33000 Frauen wurde erneut die signifikant höhere Sensitivität des HPV-DNA-Tests im Vergleich zur konventionellen Zytologie in der Vorsorge des Zervixkarzinoms bestätigt.
Dr. Anka Stegmeier-Petroianu
» zurück
|