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Overnight Report vom EUROGIN Paris, April 2006


Paris, 28. April 2006

Langzeitstudien mit Gardasil®

Auch nach 5 Jahren noch wirksam

PARIS – Eine Langzeituntersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass es auch fünf Jahre nach der Impfung mit Gardasil® gegen das humane Papillomavirus zu keinen Läsionen gekommen ist. "Das ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen das Zervixkarzinom," sagte Dr. Lucia Villa, Direktorin des Departements für Virologie am Ludwig Institute for Cancer Research, Sao Paulo, am EUROGIN 2006.

Gardasil ist ein quadrivalenter Imfstoff gegen die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18. Derzeit läuft das Zulassungsverfahren bei der FDA in den USA, der EMEA in der EU und der Swissmedic in der Schweiz. Entwickelt wurde der Impfstoff von Merck in den USA, die Vermarktung übernimmt in Europa die Firma sanofi pasteur MSD. Die HPV-Impfung ist am diesjährigen EUROGIN-Kongress (European Research Organisation on Genital Infection and Neoplasia) eines der wichtigsten Themen. So hoffen viele Kongressteilnehmer, bald eine wirksame Waffe gegen das Zervixkarzinom verordnen zu können. Vermutlich wird die Zulassung in den USA Mitte des Jahres und in der Schweiz kurz darauf erfolgen, konnten wir aus gut unterrichteten Kreisen erfahren.

Dr. Lucia Villa
Dr. Lucia Villa

Die Studien zeigen, dass der Impfschutz hochwirksam ist und nicht nur Frauen vor dem ersten sexullen Kontakt von der Impfung profitieren, sondern auch Frauen, die bereits mit einem Subtyp 6,11, 16 oder 18 infiziert sind. Diese sind vor Infektionen mit weiteren Subtypen 6, 11, 16 oder 18 geschützt.

In Europa sterben jeden Tag 40 Frauen am Zervixkarzinom, das sind 15'000 Patientinnen im Jahr. Ca. 35'000 Fälle werden jährlich in Europa neu diagnostiziert. Daneben spielt HPV eine Rolle beim Analkrebs, Peniskarzinom und oropharyngealen Krebsarten. Zunehmend häufig sind die Genitalwarzen. In Deutschland werden jährlich über 50'000 Fälle neu diagnostiziert.

Dr. Villa präsentierte Vorab-Daten einer Wirksamkeitsevaluation. Diese Resultate stammen aus der Analyse einer Phase-II-Studie und basieren auf der zeitlich längsten Beobachtungsdauer, die jemals mit einem HPV-Impfstoff gemacht worden ist. "Ich bin von den Ergebnissen begeistert", erklärte die Wissenschafterin. "Diese Daten unterstützen die Argumente für die Impfung von Jugendlichen und jungen erwachsenen Frauen," Dr. Villa weiter.

Die Untersuchung evaluierte beides, die Prävention von persistierenden Infektionen mit HPV und die Prävention der Entwicklung von CIN (zervikaler intraepithelialer Neoplasien) und externen genitalen Läsionen. Der Impfstoff verhindert die kombinierte Inzidenz von persistierenden Infektionen, CIN und externen genitalen Läsionen zu 96% bis zu fünf Jahre nach Studienbeginn, im Vergleich mit Plazebo.

Fünf Jahre Follow-up

Dr. Villa stellte noch eine weitere Untersuchung vor: In einer randomisierten, doppelblinden und plazebokontrollierten Studie wurden 551 Frauen im Alter zwischen 16 und 23 Jahren entweder mit Verum oder Plazebo geimpft, und zwar am Tag 1, Monat 2 und Monat 6. Während des dreijährigen Follow-ups wurden gynäkologische Untersuchungen, HPV-DNA-Tests, Anti-HPV-Tests und PAP mit Biopsie, falls indiziert, durchgeführt. 241 Studienteilnehmerinnen aus Europa und Brasilien wurden zusätzlich zwei Jahre länger beobachtet.

    Take Home Messages

  • Der HPV-Impfstoff bietet die grössten Chancen zur Prävention von Zervix-, Vulva- und Vaginalkrebs und genitaler Warzen.
  • Gardasil ist ein quadrivalenter Impfstoff (HPV 6, 11, 16, 18) mit erwiesener hoher Wirksamkeit über 5 Jahre.
  • Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich die Immunität erschöpft.
  • Jugendliche und junge Erwachsene sollten geimpft werden, um in Zukunft die Inzidenz an zervikalem und genitalem Krebs, Präkanzerosen und genitalen Warzen spürbar zu senken.

Die primäre Wirksamkeitsanalyse wurde mit den Daten derjenigen Frauen durchgeführt, bei denen im Monat 7, d.h. einen Monat nach der letzten Impfung, kein HPV 6, 11, 16 oder 18 nachweisbar war, die alle drei Impfungen bzw. Plazebo erhalten hatten und die nicht gegen das Protokoll verstossen hatten. Diese Gruppe wird als "Per-Protocol Population" bezeichnet. Als primärer Endpunkt war die kombinierte Inzidenz von HPV 6, 11 16 und 18 oder eine verwandte Erkrankung definiert, unter der Bedingung, dass mehr als zweimal mit mindestens vier Monaten Abstand HPV-DNA nachgewiesen werden konnte.

Unter dem Verum (n=276) traten zwei Fälle von persistierender Infektion auf. In der Plazebogruppe (n=275) kam es in 45 Fällen zu einer persistierenden Infektion, sechs Patientinnen erkrankten, davon drei an CIN1, 2 oder 3 und drei an Genitalwarzen oder vulvaren oder vaginalen Läsionen. "Die Wirksamkeit ist höher, als die ursprünglich im Lancet Oncology publizierte", betonte Dr. Villa.

In der modifizierten Intention-to-treat Population (eine oder mehrere Impfungen, Aufnahme auch bei Verstoss gegen das Protokoll) kam es unter dem Verum in vier Fällen zu einer persistierenden Infektion, aber zu keinem Fall einer Erkrankung (weder CIN, noch extragenitale Läsionen). In der Plazebogruppe kam es zu 58 persistierenden Infektionen, 7 CIN und 4 extragenitale Läsionen. Dr. Villa legte Wert auf die Feststellung, dass es in der Verum-Gruppe in den fünf Jahren nach der ersten Impfung zu keinem Krankheitsfall gekommen ist.


Übersicht über laufende Studien
Primärer Endpunkt n Wirksamkeit Follow-up
HPV 6,11,16,18 bedingte Infektion
oder Krankheit
551 <96% (84-100) 5 Jahre
HPV 6,11,16,18 bedingte zervikale Läsionen jeden Grades 5442 100% (87-100) 2 Jahre
HPV 6,11,16,18 bedingte extravaginale Läsionen (Vulva, Vagina, Warzen) 5442 100% (88-100) 2 Jahre
HPV 16,18 bedingte hochgradige Präkanzerosen 12157 100% (76-100) 2 Jahre

Die Daten der laufenden Phase-III-Studien versprechen eine hohe Wirksamkeit des Impfstoffes, die über lange Jahre anhalten wird.

Winfried Powollik




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