Overnight Report vom EUROGIN Paris, April 2006
PARIS, 25. April 2006
Enorme Auswirkungen
Humanes Papillomavirus und die Frauengesundheit
PARIS –Der invasive Zervixkrebs ist eine schwere und nicht selten
tödliche Erkrankung. Jährlich erkranken weltweit über 600'000 Frauen daran, das
sind 12 % der Krebsfälle bei Frauen. Es ist die zweithäufigste Krebsart bei jungen
Frauen, die Mortalität ist mit ca. 50 % hoch. Die Overnight-Reports können wir dank der freundlichen Unterstützung von sanofi pasteur MSD realisieren.
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Prof. Dr. Nicola Colombo
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Die Inzidenz ist dramatisch abhängig vom Entwicklungsstand des Screenings,
so ist das Zervixkarzinom in manchen Entwicklungsländern sogar die häufigste
Krebsart. Und oft bleibt nur die totale Hysterektomie, verbunden mit dem Verlust
an Fertilität und Lubrifikation, hinzu kommen Blasen- und Darmprobleme sowie
ein beeinträchtigtes Sexualleben.
Hohe Kosten
Kosten und Aufwand sind enorm. In den USA werden jährlich 5 bis 60 Million Pap-Tests
durchgeführt, 3,8 Millionen ASC/LSIL-Fälle diagnostiziert, 700'000 neue Fälle
CIN2/3 entdeckt und 6 Milliarden Dollar in der Prävention für Pap-Tests, Kolposkopien
etc. ausgegeben.
In England wurden 2003 10-mal mehr Fälle von CIN3 und Zervixkarzinome in situ
als invasive Karzinome diagnostiziert. "In der EU werden jährlich über
800'000 Fälle von CIN1 neu diagnostiziert“, erklarte Professor Dr. Nicoletta
Colombo, Italien, am EUROGIN 2006. So ist das Zerivixkarzinom nur eine Krankheit
mit der gleichen ätiologischen Ursache, nämlich dem Papillomavirus. Vaginalkrebs,
Vulvakarzinom, Anal-, Penis- und Orpharyngealkrebs kommen hinzu, beim Hautkrebs
ist man sich nicht sicher. In den USA erkranken jährlich ca. 4000 Frauen am
Vulvakarzinom, 900 versterben. Bis vor kurzem gehörte das Vulvakarzinom in die
Altersmedizin, aber in den letzten Dekaden ist nicht nur die Inzidenz gestiegen,
sondern es trifft immer öfter auch jüngere Frauen. 2000 Falle von Vaginalkrebs kommen
dort jährlich vor, das sind 3 % aller Genitalkrebse. Von den 2000 betroffenen
Frauen sterben Jahr für Jahr 800.
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Viele Frauen überleben das Zervixkarzinom nicht.
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HPV-Typen 16 und 18 machen Krebs
Hauptverantwortlich für Krebs sind die HPV-Typen 16 und 18. "Aber wir müssen
das Spektrum der papilloma-asssoziierten Erkrankungen noch weiter fassen", erklärte
Prof. Colombo. "Dazu gehören die äusseren genitalen Läsionen, die Genitalwarzen,
die Condyloma acccuminata." Hierfür sind die Papillomatypen 6 und 11 verantwortlich.
In England, Wales und Nordirland wurden im Jahr 2003 über 70'000 Falle
neu diagnostiziert. "Und auch diese Zahl wächst von Jahr zu Jahr",
betonte die Expertin. Die oft langwierige und schmerzhafte Behandlung bedeutet
für die betroffenen Frauen eine schwere psychische Last.
Das weite Aktionsfeld des humanen Papillomavirus hat auch soziale Konsequenzen auf Freunde, Familie und Partner. Physischer Schmerz, verminderte Fruchtbarkeit und die medizinischen Interventionen können einen grossen psychischen Einfluss haben.
Betroffene Frauen berichten von Scham, Angst und Verunsicherung. Misstrauen
und Zweifel an der Treue – aufgrund der Natur des Infektionsweges –- können
Partnerschaften zerbrechen lassen.
Humanes Papillomavirus
Was man unbedingt wissen muss
Heute können wir mit Fug und Recht behaupten, dass das Zervixkarzinom durch das Papillomavirus verursacht wird. In 99,7% der Zervixkarzinome findet sich Papilloma-DNA. Dabei finden sich die Papillomavirus-Typen 16 und 18 weltweit in 70 % der Zervixkarzinomfälle.
Übertragen werden Papillomaviren durch geschlechtlichhen Kontakt. 70 % der sexuell aktiven Frauen und Männer werden einmal im Leben dem Virus exponiert, die meisten in relativ jungen Jahren. Dabei hilft vielen Frauen ihr Immunsystem, die Viren werden ausgemerzt und etwaige Läsionen verheilen wieder.
Aber ein Teil der Frauen entwickelt Krankheiten, die durch die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 verursacht werden: 6 und 11 verursachen extragenitale Läsionen, 16 und 18 sind für Krebs zuständig.
In Europa ist die Inzidenz für das Zervixkarzinom sehr hoch, es ist der zweithäufigste Tumor bei Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren.
Winfried Powollik
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