Overnight Report vom 9th Congress of the European Society of Contraception
ISTANBUL,9. Mai 2006
Hormonersatztherapie in der Menopause
Doch ein kardialer Benefit?
Es gab einmal eine Zeit, da verschrieben Frauenärzte ihren Patientinnen
Hormone, mit dem beruhigenden Gefühl, dadurch nicht nur die Wechseljahresbeschwerden
zu lindern, sondern auch noch etwas für das Herz und die Knochen, vielleicht
sogar gegen eine Demenz zu tun.
Dann kamen Studien wie die Women's Health Initiative, die den kardialen Schutz
in Frage stellte. Aber da müsse man doch wichtige Auffälligkeiten
der Studie differenzierter betrachten, meinte Dr. Tomi Mikkola, Universität
Helsinki, an einem Schering-gesponserten Symposium anlässlich des 9.
Kongresses der European Society of Contraception. Denn wer verschreibt Hormone
erst 10 Jahre nach der Menopause?
Herzkrankheiten sind nach wie vor die häufigste Todesursache, und es sollte
alles getan werden, um das kardiale Risiko zu senken. Die Hormonersatztherapie
kam in den Ruch, dieser Aufgabe nicht gerecht zu werden oder sogar gegenteilig
zu wirken. Was aber Dr. Mikkola bedenkenswert fand: Die Frauen in der Women's
Health Initiative waren eigentlich viel zu alt für die Hormontherapie.
Die Hormone wurden weit jenseits der Wechseljahre gegeben, zum Teil erst 10
Jahre nach der Menopause.
"Bei den Frauen, die innerhalb von vier Jahren nach Einsetzen der Wechseljahre
Hormone erhielten, liess sich ein protektiver kardialer Effekt beobachten. Es
ist also ausgesprochen wichtig, das Timing zu beachten", erklärte
der Finne. Wenn man erst wartet, dass etliche Risikofaktoren schon jahrelang
ihr destruktives Werk verrichten konnten und die Gefässe nicht mehr allein
durch "fatty streaks", sondern durch richtige Plaques verengt sind,
können die Hormone in der Prävention nicht mehr aktiv werden.
Der wichtigste Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit ist der hohe
Blutdruck. Es gibt dort keine klare Schwelle - je niedriger der Druck, desto
geringer das kardiale Risiko, und selbst "hochnormale" Werte bringen
bereits ein höheres kardiales Risiko als ein Druck von 120/80 mmHg. Hormone
sind natürlich keine Antihypertensiva, aber es lohnt sich doch, auch ihre
Auswirkungen auf den Blutdruck zu betrachten. Eine Kombination aus Ethinylestrogen
und Drospirenon kann den Blutdruck über das Renin-Angiotensin-System beeinflussen.
Drospirenon ist ein von Spironolacton abgeleitetes Gestagen, das antimineralokortikoid
und antialdosteronerg wirkt - klinisch zeigt sich das beispielsweise auch daran,
dass unter einer Drospirenon-Kombination das Gewicht tendenziell abnimmt.
Inzwischen liegen erste Studien vor, die eine Wirkung der EE- und Drospirenon-Kombi
auf den Blutdruck zeigen - bei Frauen mit hochnormalem Blutdruck sank der systolische
Druck um etwa 12 mmHg, der diastolische um etwa 8. Eine andere Studie liess
eine drucksenkende Wirkung bei hypertensiven Frauen erkennen. "Wie gesagt,
Drospirenon ist kein Medikament für die Behandlung einer Hypertonie, aber
bei einer Verordnung wegen Wechseljahresbeschwerden sollte man auch den Benefit
hinsichtlich einer blutdrucksenkenden Wirkung auf das kardiale Risiko in die
Nutzen-Risiko-Abwägung einbeziehen - und den Zeitpunkt für die Hormontherapie
richtig wählen, nämlich nicht erst Jahre nach Beginn der Wechseljahre",
so Mikkola. UNo
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