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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





Overnight Report vom 21. Jahreskongress der European Association of Urology


PARIS, 06.04.2006

Reizblase im Alter

Rezeptorselektivität kommt Gedächtnis zugute

Die Therapie der überaktiven Blase mit einem unselektiven Muskarinrezeptor-Antagonisten beeinträchtigt die Gedächtnisleistung in gleichem Masse wie zehn Jahre Altern, berichtete Dr. Gary Kay vom Washington Neuropsychological Institute am 21. Jahrestreffen der European Association of Urology.

Bis zu 70% der Frauen über 50 leiden an einer Reizblase mit imperativem Harndrang und Nykturie. Eine Dranginkontinenz kann die Symptomatik noch verschlimmern. Die klassische medikamentöse Therapie der Reizblase mit Muskarinrezeptorantagonisten ist besonders im Alter problematisch: "Je älter ein Patient ist, desto anfälliger sind auch seine kognitiven Funktionen, die durch Muskarinrezeptorblockade beeinträchtigt werden", so Dr. Kay.

Moderne Therapie schont das Gehirn
Fünf Subtypen muskarinerger cholinerger Rezeptoren sind bekannt, darunter M2 und M3 in der Blasenmuskulatur. Die Stimulation der M3-Rezeptoren durch Acetylcholin bewirkt eine Detrusorkontraktion. Über M2-Rezeptoren wird die Detrusorrelaxation verhindert, die Blockade dieser Rezeptoren schwächt ebenfalls die Detrusorkontraktion.

Im zentralen Nervensystem hingegen sind vorwiegend M1-Rezeptoren lokalisiert. Mit der selektiven Hemmung des M3-Rezeptors durch moderne Muskarinrezeptorantagonisten wie Darifenacin werden zentralnervöse Nebenwirkungen vermieden.

Dr. Kay und Kollegen testeten die Auswirkungen einer Medikation auf das Gedächtnis von 150 gesunden Probanden über 60 Jahren. Die Studienteilnehmer erhielten über drei Wochen entweder Darifenacin in Dosierungen zwischen 7,5mg und 15mg einmal täglich, Oxybutynin 10-20mg einmal täglich oder Plazebo.
Das Kurzzeitgedächtnis wurde in wöchentlichen Abständen getestet.

Unter Darifenacin und Plazebo kam es zu keiner Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung. Unter Oxybutynin verschlechterten sich die Gedächtnisscores von 5,8 zu Beginn der Studie auf 5,0 nach drei Wochen.

Mundtrockenheit kam unter Oxybutynin bei 20 von 50 Patienten vor, während diese Nebenwirkung 13 von 49 Patienten unter Darifenacin beklagten. Bei Patienten unter Darifenacin-Therapie kam es signifikant häufiger zu Obstipation (10) als unter Oxybutynin oder Plazebo ( 2/1). ASP





 
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