Overnight Report vom 21. Jahreskongress der European Association of Urology
PARIS, 06.04.2006
Reizblase im Alter
Rezeptorselektivität kommt Gedächtnis zugute
Die Therapie der überaktiven Blase mit einem unselektiven Muskarinrezeptor-Antagonisten
beeinträchtigt die Gedächtnisleistung in gleichem Masse wie zehn Jahre
Altern, berichtete Dr. Gary Kay vom Washington Neuropsychological Institute
am 21. Jahrestreffen der European Association of Urology.
Bis zu 70% der Frauen über 50 leiden an einer Reizblase mit imperativem
Harndrang und Nykturie. Eine Dranginkontinenz kann die Symptomatik noch verschlimmern.
Die klassische medikamentöse Therapie der Reizblase mit Muskarinrezeptorantagonisten
ist besonders im Alter problematisch: "Je älter ein Patient ist, desto
anfälliger sind auch seine kognitiven Funktionen, die durch Muskarinrezeptorblockade
beeinträchtigt werden", so Dr. Kay.
Moderne Therapie schont das Gehirn
Fünf Subtypen muskarinerger cholinerger Rezeptoren sind bekannt, darunter
M2 und M3 in der Blasenmuskulatur. Die Stimulation der M3-Rezeptoren durch Acetylcholin
bewirkt eine Detrusorkontraktion. Über M2-Rezeptoren wird die Detrusorrelaxation
verhindert, die Blockade dieser Rezeptoren schwächt ebenfalls die Detrusorkontraktion.
Im zentralen Nervensystem hingegen sind vorwiegend M1-Rezeptoren lokalisiert.
Mit der selektiven Hemmung des M3-Rezeptors durch moderne Muskarinrezeptorantagonisten
wie Darifenacin werden zentralnervöse Nebenwirkungen vermieden.
Dr. Kay und Kollegen testeten die Auswirkungen einer Medikation auf das Gedächtnis
von 150 gesunden Probanden über 60 Jahren. Die Studienteilnehmer erhielten
über drei Wochen entweder Darifenacin in Dosierungen zwischen 7,5mg und
15mg einmal täglich, Oxybutynin 10-20mg einmal täglich oder Plazebo.
Das Kurzzeitgedächtnis wurde in wöchentlichen Abständen getestet.
Unter Darifenacin und Plazebo kam es zu keiner Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung.
Unter Oxybutynin verschlechterten sich die Gedächtnisscores von 5,8 zu
Beginn der Studie auf 5,0 nach drei Wochen.
Mundtrockenheit kam unter Oxybutynin bei 20 von 50 Patienten vor, während
diese Nebenwirkung 13 von 49 Patienten unter Darifenacin beklagten. Bei Patienten
unter Darifenacin-Therapie kam es signifikant häufiger zu Obstipation (10)
als unter Oxybutynin oder Plazebo ( 2/1). ASP
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