Overnight Report vom Jahreskongress der American Heart Association, Chicago 2006
CHICAGO, 17. November 2006
Myokardinfarkt - von der Reperfusion zur Regeneration
Kann die Zukunft die vergangenen Erfolge wiederholen?
Die letzten zwanzig Jahre haben uns beeindruckende Erfolge beim Myokardinfarkt mit ST-Hebung (STEMI) gebracht. Doch wird es so weitergehen? An den Scientific Sessions der American Heart Association 2006 warnte ein Exponent der bisherigen Entwicklung vor übertriebenem Optimismus - insbesondere, was die Regeneration von Myokardgewebe angeht.
In den letzten 20 Jahren ist die Mortalität innerhalb eines Monats nach STEMI gemäss randomisierter Studien massiv gesunken: Von 13% im Jahr 1986 auf weniger als 4% heute. Diese beeindruckende 70%ige Verbesserung ist auf die technologischen Fortschritte in der „Reperfusionsära“ zurückzuführen. Werden sich die Kardiologen an den Scientific Sessions 2026 wieder zu einer solchen Erfolgsgeschichte gratulieren können? Bei einer erneuten 70%igen Senkung läge die Mortalität dann bei etwa 1% ...
„Wäre das möglich? Wohl eher nicht“, meinte Professor Dr. Frans Van de Werd, Universität Leuven, Belgien. Der Pionier der evidenzbasierten Kardiologie hielt eine Ehrenrede zur Geschichte des STEMI von der Reperfusion zur Regeneration. „Dennoch glaube ich, dass wir noch einiges verbessern können.“
Aus wissenschaftlicher Sicht sieht Prof. Van de Werf dafür vor allem zwei Wege. Der erste heisst Verbesserung der Gewebeperfusion, hier erstens durch schnellere und bessere Interventionen zur Gefässeröffnung und zweitens durch neue Therapien wie Adenosin und inhalierte Nitrate.
Ein zweiter Weg sei die Zelltherapie. Doch hinsichtlich der so tatsächlich zu erreichenden Erfolge war der belgische Kardiologe skeptisch: „Ich weiss nicht, ob wir die Gewebeperfusion noch deutlich mehr verbessern können. Und bei der Geweberegeneration sind wir heute nirgends.“ Ein vernichtendes Urteil?
Obwohl so viel über die Stammzellforschung geredet werde, läge das Problem bzw. eigentliche Verbesserungspotential in der Tat anderswo: „Immer noch erhalten zu viele Patienten gar keine Reperfusionstherapie, und auch der Anteil der Patienten, die vor Erreichen des Spitales versterben, hat sich zwischen 1990 und 2001 kaum verringert.“
Wer also die Überlebenschance seiner Patienten verbessern will, muss dafür sorgen, dass sie so schnell wie möglich in das richtige Spital kommen - eines, in dem qualifizierte Kollegen umgehend die am besten geeignete Reperfusionsbehandlung durchführen.
Besser, als auf Stammzellerfolge zu warten … kg
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