Overnight Report vom Jahreskongress der American Heart Association, Chicago 2006
CHICAGO, 17. November 2006
Plötzlicher Herztod bei jungen Sportlern
Schutzwesten schützen nicht
Kontaktsportarten, insbesondere solche mit Ball, Puck oder Schlägern, bergen ein geringes, aber reales Risiko für plötzlichen Herztod. Tragische Fälle junger Sportler sorgen immer wieder für Aufsehen. Die derzeit kommerziell vertriebenen Schutzwesten können diese nicht verhindern, zerstreuten Forscher an den Scientific Sessions der American Heart Association 2006 die Hoffnungen von Eltern, Trainern und Ärzten.
Ein junger Fussball-, Hockey- oder Basketballspieler bricht plötzlich mit Herzstillstand auf dem Platz zusammen - für jeden Mannschaftsarzt ein Alptraumszenario. Ein stumpfer Schlag auf das Herz genau im kritischen Augenblick kann Kammerflimmern auslösen – nur sofortige Reanimation und Defibrillation können dann das Leben des Sportlers bzw. der Sportlerin retten. In manchen Ländern, wie den USA, setzen Trainer und Eltern deshalb auf käufliche Schutzwesten aus Kunststoff – doch das wiegt sie in trügerischer Sicherheit, warnten amerikanische Kollegen.
„Der Unterschied zwischen einem harmlosen Schlag und einer Contusio cordis liegt im Timing“, erklärte Dr. Barry J. Maron vom Hypertrophic Cardiomyopathy Center in Minneapolis, USA. „Wenn der Schlag direkt über dem Herz und im falschen Moment erfolgt, ist das ohne sofortige Gegenmassnahmen tödlich.“
Der „falsche“ Moment, so zeigten experimentelle Studien, sind jene 20 Millisekunden, während derer sich die Kammern entspannen. Diese Untersuchungen ergaben ausserdem, dass ein mit einer Geschwindigkeit von 30 mph auftreffender Baseball als Auslöser genügt – vorausgesetzt, er trifft direkt über dem Herz auf. Die Bedeutung des Zeitfensters und die Lokalisation erklären das insgesamt seltene Vorkommen dieser deshalb nicht minder tragischen Ereignisse.
Dr. Maron und seine Kollegen untersuchten 85 Fälle einer Contusio cordis seit 1995 und stellten fest, dass 33 der Betroffenen (39%) dabei trotz Schutzweste verstarben. In 23 Fällen bedeckte das Polster nicht die Stelle, an der der Schlag erfolgte, in zehn wurde die Schutzweste direkt über dem Herz getroffen und verhinderte die tödlichen Folgen nicht.
„Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse helfen werden, tatsächlich wirksame Schutzwesten zu entwickeln,“ sagte Dr. Maron. „Wichtiger ist aber zunächst, dass (Mit)Spieler, Trainer und Betreuer eine Herzkontusion erkennen und sofort eine Wiederbelegung und Defibrillation einleiten bzw. zumindest dazu fähige Personen alarmieren.“ kg
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